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Deutscher Zahnärztetag
Schäubles Plädoyer für die Bedeutung freier Berufe
Berlin, 12.11.2003 -Für ein Bewahren der zahnärztlichen Selbstverwaltung auf dem Fundament der Kammern hat sich der Präsident der Bundeszahnärztekammer, Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, heute bei einem Festakt anlässlich des 50-Jährigen Bestehens der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) auf dem Deutschen Zahnärztetag in Berlin ausgesprochen. Diese Form der Eigenverantwortung für die beruflichen Belange dürfe aber nicht als ständisches Privileg verstanden werden, sondern müsse eine Einrichtung sein, "die über fachliche Unabhängigkeit und ärztlich-ethische Prägung zahnärztlicher Tätigkeit wacht". Die Form der Selbstverwaltung eines freien Berufsstandes sei keineswegs veraltet, sondern gelebte Deregulierung, Staatsentlastung und Subsidiarität.
Die besondere gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung der freien Berufe betonte auch der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Dr. Wolfgang Schäuble in seiner Festrede über "Die Bedeutung freier Berufe". Auch unter dem Aspekt des Verbraucherschutzes und Wettbewerbs dürfe nicht übersehen werden, dass Überreglementierung "Initiative, Eigenverantwortung, Kreativität und Engagement lähmen und damit Wachstum erdrosseln" könnten, sagte Schäuble unter Verweis auf nationale und seitens der EU betriebenen Deregulierungsbemühungen. "Manche Menschen können die endlosen und verwirrenden Diskussionen um Reformen von Arbeitsmarkt, Sozial- und Steuersystemen kaum noch hören", beklagte Schäuble auf der Festveranstaltung im Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Dabei scheine wenig herausgekommen zu sein, noch immer werde Stillstand beklagt, statt Besserung aktueller Probleme kämen ständig neue Hiobsbotschaften.
Weiter stellte Schäuble fest, dass ein zu hoher Staatsanteil an der Verwendung des Bruttoinlandsprodukts und ein Übermaß an Bürokratie und Reglementierung die wirtschaftliche Dynamik schwäche. Ebenso, dass Umlagesysteme ohne spürbare Eigenbeteiligung sparsame Mittelverwendung nicht förderten. Obwohl über die Notwendigkeit einer Begrenzung öffentlicher Aufgaben und von Deregulierung und Entbürokratisierung Konsens bestehe, fielen Änderungen offensichtlich schwer. Schäuble wörtlich: "Wenn sozialer Austausch nicht im Zweifel auf freie Entscheidung und Vertrauen gründet, sondern wenn alles und jedes kontrolliert und notfalls erzwungen werden muss, dann gehen Freiheit, Vielfalt und Toleranz vor die Hunde. Und damit es nicht dazu kommt, brauchen wir Werte, die auf der Grundlage von Einsicht und freier Entscheidung Orientierung vermitteln."
Schäuble verwies auf die Ursprünge des Berufsrechts der freien Berufe, an denen die weise Einsicht staatlicher Regulierungsinstanzen gestanden habe, dass sie selbst nicht in allen Lebensbereichen optimale Ergebnisse gewährleisten könnten. Die dezentrale, autonome Selbstregulierung im Vergleich zu staatlicher Normierung sei in Zeiten von Deregulierungs- und Entbürokatisierungsdebatten nicht überholt. Dies gelte auch angesichts der Bemühungen, Wettbewerbsbeschränkungen, wie sie das Werbeverbot oder Gebührenordnungen mit sich brächten, im Zuge der Internationalisierung aufzubrechen.
Unter Verweis auf ein Zitat des Philosophen Oto Marquard "Zukunft braucht Herkunft" schloss Schäuble seine Rede mit dem Ausblick: "Vielleicht ist also Tradition gar nicht nur altmodisch, sondern vor allem zukunftsstiftend. Und wenn das so sein sollte, dann könnte das 50-Jährige Jubiläum der Bundeszahnärztekammer eine gute Gelegenheit sein, auf die Bedeutung freier Berufe auch in der Zukunft zu setzen."
Die Rede Dr. Schäubles finden Sie hier als pdf Dokument zum Downloaden
Hier steht Ihnen die Pressemitteilung als Download im pdf Format zur Verfügung Für Rückfragen: Jette Krämer, Tel.: 030/ 40005-150 presse@bzaek.de



