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Mundgesundheit bei Kindern und Jugendlichen weiter auf Erfolgskurs - Pressekonferenz der DAJ

Bei Zwölfjährigen im Durchschnitt nur noch 1,21 kariöse, gefüllte oder gezogene Zähne

Berlin, 20.11.2001 - 

Die Ergebnisse der dritten bundesweiten Studie zum Mundgesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen in Deutschland - Epidemiologische Begleituntersuchungen zur Gruppenprophylaxe 2000 - stellte die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e. V. (DAJ) aus Anlass ihrer Jahrestagung am 20. November in Berlin vor. Mit dem erfreulichen Kariesrückgang ist Deutschland in die europäische Spitzenliga aufgestiegen. Dabei zeigt sich, dass die vielfältigen Bemühungen aller an der zahnmedizinischen Prophylaxe Beteiligten - der Eltern, Erzieher, Lehrer, Zahnärzte, Prophylaxe-Fachkräfte und natürlich der Kinder selbst - sich gelohnt haben.

Die Studie verknüpft erstmalig epidemiologische Daten mit den Angaben zu häuslichen Prophylaxeaktivitäten und solchen im Rahmen der Gruppenprophylaxe. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Bei den Schulanfängern lag der Kariesrückgang in den letzten sechs Jahren durchschnittlich bei 24 Prozent. Der Karies-Index, der die Zahl der kariösen bzw. wegen Karies gefüllten oder extrahierten Milchzähne widerspiegelt (der sog. dmft- Wert für das Milchgebiss), lag bundesweit bei 2,21.

"Erfreulich ist auch die steigende Zahl naturgesunder Wechselgebisse," so der Studienleiter Prof. Dr. Klaus Pieper, Universitätszahnklinik Marburg "aber immer noch ist mehr als die Hälfte der kariösen Milchzähne nicht mit einer intakten Füllung versorgt." Der Wissenschaftler appellierte an die Eltern, die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen bei ihrem Zahnarzt einzuhalten.

Besonders hoch fiel der Kariesrückgang bei den zwei weiteren Altersgruppen aus: Er halbierte sich in den letzten sechs Jahren. Der mittlere Karies-Index (der DMF-T-Wert für das bleibende Gebiss) der 9-Jährigen fiel von 0,98 auf 0,45. Bei den 12-Jährigen fiel er von 2,44 auf 1,21. In dieser Altersgruppe wurde in allen Bundesländern somit der von der WHO für Europa geforderte Wert von 2,0 unterschritten.

Zur Erfolgsgeschichte der Prophylaxe in Deutschland haben unterschiedliche Faktoren aus den Bereichen "häusliche Prophylaxe", Gruppenprophylaxe und Individualprophylaxe in der Zahnarztpraxis beigetragen. Aufklärungsaktionen führten zu intensiverer Nutzung präventiver Maßnahmen in den Familien: Zähne putzen - mindestens einmal täglich mit Fluoridzahnpasta - sowie Fluoride in Tabletten, Haushaltssalz und besonders Lacken trugen zur Mundgesundheit bei.

Insbesondere die Fissurenversiegelungen in der Zahnarztpraxis haben bei den 9- und 12-Jährigen zu einer deutlichen Reduktion der kariösen Defekte geführt. So kann auch festgestellt werden,dass die Gruppe der Kinder mit erhöhtem Kariesrisiko von diesen Mundgesundheitsgewinnen profitiert.

Dr. Dietmar Oesterreich, DAJ-Vorsitzender und Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, wies auf die wichtige Rolle des Zahnarztes bei der Zunahme an Mundgesundheit hin. Deutlich wurde dies vor allem in den hervorragenden Ergebnissen durch die Fissurenversiegelung. Für weitere Verbesserungen insbesondere bei den Hochrisikogruppen, so Oesterreich weiter, ist wie im Leitfaden der Bundeszahnärztekammer zur Gruppenprophylaxe ausgeführt eine stärkere Vernetzung von Gruppen- und Individualprophylaxe notwendig. So können die Chancen der Individualprophylaxe verbunden mit der Sanierung auch bei dieser Patientengruppe genutzt werden.

Bernd Wiethardt, alternierender DAJ-Vorsitzender und Beauftragter der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Krankenkassen, führte mit Stolz den nicht unbeträchtlichen Mitteleinsatz der Gesetzlichen Krankenversicherungen für die zahngesundheitliche Prävention bei Kindern und Jugendlichen, der sich im Jahre 2000 auf 743 Mio. belief, und das Weiterentwicklungskonzept für die Gruppenprophylaxe vor Augen. Es sei wichtig, so Wiethardt, trotz der erzielten Erfolge ein Nachlassen der Bemühungen zu vermeiden. Er zitierte dazu Prof. Dr. Marthaler aus Zürich: Man muss den Tiger "Karies" hinter Gittern halten; wann immer man die Gitter nicht pflegt, bricht das Zahnraubtier wieder aus.

Zur Erreichung der Jugendlichen in Einrichtungen mit besonders hohem Kariesrisiko hat die Landesarbeitsgemeinschaft zur Verhütung von Zahnerkrankungen Berlin (LAG) neue Konzepte für die 13- bis 16-Jährigen entwickelt, die zur Zeit in drei Berliner Hauptschulen getestet werden. Die Konzepte knüpfen an Alltagserfahrungen von Jugendlichen an und zielen so darauf ab, aktive Mitarbeit auszulösen. "Gutes Aussehen, Haar- und Körperpflege, partnerschaftliche Wahrnehmung, die in diesen Altersstufen eine Rolle spielen, sind Einstieg für die Annäherung an die Bereiche, um die es uns geht", so Frau Dr. Erika Reihlen, Vorsitzende der LAG Berlin. Im Schuljahr 2002 / 03 sollen die Konzepte in die reguläre Praxis an 63 Hauptschulen Berlins gehen.
Auf der aktuellen Jahrestagung der DAJ Gruppenprophylaxe für Jugendliche am 20./21. November in Berlin werden die Konzepte in Workshops vorgestellt.

Die Veröffentlichung Epidemiologische Begleituntersuchungen 2000 kann über die DAJ zum Preis von 3,50 Euro (zzgl. Versandkosten) bezogen werden.

Kontakt:
Deutsche Arbeitsgemeinschaft
für Jugendzahnpflege e. V. (DAJ)
Dr. Christiane Goepel
Von-Sandt-Str. 9
53225 Bonn

Tel.: 02 28 / 69 46 77, Fax: 02 28 / 69 46 79, info@daj.de