FAQ Coronavirus

Aktualisiert am 25.03.2020 in "Kann bei zahnärztlichen Routinebehandlungen durch routinemäßige Hygiene- und Schutzmaßnahmen die Übertragung des SARS-CoV-2 vermieden werden?" und  "Muss die ganze Praxis nach dem Besuch eines Infizierten schließen?"


Coronavirus (Sars-CoV-2) und Erkrankung Coronavirus Disease 2019 (Covid-19)

Umgang in der Zahnarztpraxis

Was ist SARS-CoV-2/COVID-19?

Der Ausbruch wird durch ein neuartiges Coronavirus verursacht, das zu der gleichen Gruppe Coronaviren gehört wie das SARS-Virus(Severe Acute Respiratory Syndrome). Der Erreger erhielt den offiziellen Namen „SARS-CoV-2“, die Atemwegserkrankung, die er auslöst, wird als „COVID-19“ (Coronavirus Disease 2019) bezeichnet.

Wie wird SARS-CoV-2 übertragen?

Das Virus wird vor allem über Tröpfcheninfektionen übertragen. Ein Überleben auf unbelebten Oberflächen ist wahrscheinlich.

Was kann ich tun, um das Risiko der Übertragung des Virus durch unwissentlich infizierte Patienten zu verringern?

Zeitschriften und Spielzeug sollten aus dem Wartebereich entfernt werden.

Die Anzahl der wartenden Personen sollte möglichst soweit beschränkt werden, dass diese einen angemessenen Abstand halten können.

Begleitpersonen erwachsener Patienten sollten gebeten werden, die Praxis zu verlassen und die Patienten nach Behandlungsende vor der Praxis abzuholen.

Zudem sollten Patienten angehalten werden, möglichst wenige Oberflächen zu berühren. Dies gilt z.B. auch für Türklinken.

Alle von Patienten berührten Oberflächen sollten regelmäßig desinfiziert werden.

 

Wie lange beträgt die Inkubationszeit für COVID-19?

Derzeit wird davon ausgegangen, dass die Inkubationszeit bis zu 14 Tage betragen kann, im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage.

Wann besteht ein begründeter Verdacht auf eine SARS-CoV-2-Infektion?

Der Patient zeigt Anzeichen einer akuten Atemwegsinfektion (obligat) und hat Kontakt zu einem COVID-19-Fall.

Wie können Patienten auf ein richtiges Verhalten im Erkrankungs- bzw. Verdachtsfall hingewiesen werden?

In einer sachlichen Information über die Medienauftritte der Praxis (z.B. Website) und einen Aushang sollten Patienten darauf hingewiesen werden, dass im Erkrankungs- bzw. Verdachtsfall die Praxis zunächst nur telefonisch zu kontaktieren ist.

Was tun, wenn ein Patient den Verdacht äußert, mit SARS-CoV-2 infiziert zu sein?

Elektive Behandlungen sollten um mindestens zwei Wochen verschoben werden. Der Patient soll zudem aufgefordert werden, sich über die Servicenummer der Kassenärztlichen Vereinigungen 116117 oder telefonisch bei seinem Hausarzt zum weiteren Vorgehen beraten zu lassen. Äußert der Patient den Verdacht in der Praxis (an der Rezeption), sollte ein Kontakt vermieden und ggf. ein Mund-Nasen-Schutz überreicht werden. Der Patient sollte möglichst keine weiteren Räume (Wartezimmer) betreten und sich vor dem Verlassen der Praxis die Hände desinfizieren.

Darf die Behandlung von Patienten, bei denen ein begründeter Verdacht auf eine SARS-CoV-2-Infektion besteht, abgelehnt werden?

Ein zahnmedizinischer Notfall muss behandelt werden. Ob dies sinnvollerweise in einer Klinik oder eingerichteten Zentren (Situation im Bundesland beachten) geschehen sollte, muss im Einzelfall geklärt werden.

Kann bei zahnärztlichen Routinebehandlungen durch routinemäßige Hygiene- und Schutzmaßnahmen die Übertragung des SARS-CoV-2 vermieden werden?

 

SARS-CoV-2 werden vor allem durch Tröpfchen übertragen.

Schutzbrillen oder Visiere und Mund-Nasen-Schutz (MNS) bieten eine Barrierefunktion gegen diese Art der Infektionsübertragung.

Wichtig ist, dass diese Schutzmittel ordnungsgemäß angelegt und über die gesamte Behandlungszeit getragen werden.

Zur Wiederverwendung von MNS hat das Robert Koch-Institut Empfehlungen veröffentlicht.

Für eine Übertragung durch Aerosole gibt es keine Evidenz.
Aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes sollte dennoch die Entstehung und Verbreitung von Aerosolen wirksam vermindert werden. Dies sollte zuallererst durch eine effiziente, hochvolumige Absaugung geschehen.

Der Verzicht auf den Einsatz von Instrumenten bzw. Verfahren wie Air Flow, ZEG oder Turbinen muss erwogen werden.

Ein angelegter Kofferdam ist eine wirksame Barriere gegen die im Mund- und Rachenraum befindlichen Mikroorganismen.

 

Wie ist mit besonders gefährdeten Patientengruppen umzugehen?

Die zahnärztliche Behandlung von vulnerablen Patienten, dazu gehören insbesondere Immunsupprimierte und Patienten mit Lungenerkrankungen, sollte sich zu deren Schutz auf Notbehandlungen beschränken.

Die BZÄK empfiehlt, dies unter Beachtung des Risikoprofils im konkreten Einzelfall zwischen Patient und Zahnarzt gemeinsam zu entscheiden.

Patienten, aber auch Praxispersonal können dieser Gruppe angehören.

 

Muss ich Schmerzpatienten mit einer COVID-19 Infektion behandeln, wenn die erforderlichen Arbeitsschutzmittel nicht mehr zur Verfügung steht?

In einer zahnmedizinischen Notfallsituation, also wenn beim Patienten gesundheitliche Schäden drohen, sofern er nicht unverzüglich zahnmedizinische Hilfe erhält, ist der Zahnarzt zur Hilfeleistung verpflichtet.

Die Behandlung muss dem Zahnarzt jedoch zumutbar sein. Auch aus der Berufsordnung geht hervor: Der Zahnarzt kann die zahnärztliche Behandlung ablehnen, wenn die Behandlung ihm nach pflichtgemäßer Interessenabwägung nicht zugemutet werden kann.

Nicht zumutbar kann eine Behandlung insbesondere dann sein, wenn sich der Zahnarzt dadurch einer erheblichen eigenen Gefahr aussetzt.

Eine Infektionskrankheit ist in der Regel kein Grund, in Notfällen nicht die erforderliche zahnärztliche Hilfe zu leisten. Allerdings nur dann, wenn die Infektionsgefahr durch strikte Einhaltung der gewöhnlich geforderten Hygieneanforderungen und Schutzmaßnahmen beherrschbar ist.

Was passiert, wenn die Hygieneanforderungen und Schutzmaßnahmen nicht eingehalten werden können, weil die erforderlichen Arbeitsschutzmittel nicht mehr zur Verfügung stehen?

In diesem Fall sollte zunächst telefonisch Kontakt zum Patienten aufgenommen werden. Kann Abhilfe mit Schmerzmitteln oder Antibiotika geschaffen werden, um so einen Zeitraum von 14 Tagen zu überbrücken, sollte dies in Erwägung gezogen werden und die Abgabe mit der Apotheke abgeklärt werden.

Die Frage, ob eine Behandlungspflicht von an COVID 19 erkrankten Notfall-Patienten besteht, muss am konkreten Einzelfall unter Abwägung der Ansteckungsrisiken auf der einen Seite und dem Grad des Notfalls (strengste Indikationsstellung)  auf der anderen Seite beantwortet werden. Handelt es sich um einen erheblichen Notfall und sind entsprechend ausgerüstete Praxen oder Kliniken nicht in zumutbarer Zeit erreichbar, kann ein Zahnarzt verpflichtet sein, Ansteckungsrisiken einzugehen. Bei weniger schwerwiegenden Notfällen und Verfügbarkeit alternativer Behandler kann sich das Ansteckungsrisiko durch COVID 19 als unzumutbar darstellen.

Die Einrichtung von zahnmedizinischen Notfallzentren unterliegt den Regelung auf Landesebene. Bitte prüfen Sie dazu regelmäßig die Informationen Ihrer (Landes-)Zahnärztekammer.

 

 

Welche Vorsichtsmaßnahmen sind für unaufschiebbare zahnärztliche Behandlungen von Patienten, die unter Verdacht stehen an COVID-19 erkrankt zu sein, zu treffen?
  • Räumliche oder organisatorische Trennung der an COVID-19 erkrankten Patienten von den Patienten der Normalsprechstunde,
  • Persönliche Schutzausrüstung für das Personal (Schutzbrille mit Seitenschutz; Atemschutzmaske FFP2; unsterile Handschuhe; langärmliger Schutzkittel; das Tragen einer Kopfhaube kann den Schutz erhöhen; für Reinigungsarbeiten Schutzhandschuhe nach DIN EN 374 mit längeren Stulpen),
  • Patienten nach Betreten der Praxis für die Wartezeit Mund-Nasen-Schutz aushändigen und zum Tragen anhalten,
  • Patienten anhalten, vor Verlassen der Praxis die Hände zu desinfizieren,
  • Schutzkleidung nach Beendigung der Behandlung kontaminationsfrei ablegen.
Muss die ganze Praxis nach dem Besuch eines Infizierten schließen?

 

Das RKI empfiehlt eine 14-tägige Quarantäne nur für Kontaktpersonen der Kategorie I und bei erhöhtem Expositionsrisiko der Kategorie II. Bei relevantem Personalmangel kann zur Sicherstellung von Notbehandlungen von dieser Vorgabe abgewichen werden.

Mehr Informationen

Welche Unterschiede bestehen zwischen Mund-Nasen-Schutz und Atemschutzmasken?

Ein Mund-Nasen-Schutz (MNS) schützt primär den Patienten vor potentiell infektiösen Speicheltröpfchen des Behandlers. Der Schutz des Behandlers besteht durch die Barriere zur Mund-und Nasenschleimhaut, außerdem verhindert der MNS das Berühren von Mund und Nase mit (potenziell) kontaminierten Händen.

FFP-Masken (filtering face piece) bieten eine bessere Schutzwirkung. Mit der Zunahme der Schutzwirkung steigt jedoch auch der Atemwiderstand durch die Maske. Das Tragen einer FFP Maske kann über längere Zeit körperlich anstrengend sein, erfordert die Einhaltung von Pausen und ist daher als dauerhafter Schutz nicht zu empfehlen.

Sind Patienten höchstwahrscheinlich oder nachweislich mit SARS-CoV-2 infiziert und müssen zahnärztlich behandelt werden, ist mindestens eine FFP2-Maske zu tragen.

Wie gehe ich mit einer mangelnden Verfügbarkeit von Artikeln der persönlichen Schutzausrüstung um?

Ein Großteil medizinischer Artikel wie Masken, Schutzkleidung, Tupfer oder Verbände wird in China, vieles sogar direkt in der Provinz Hubei, produziert. Da die Produktion dort aufgrund der Corona-Epidemie zurückgefahren wurde und gleichzeitig der Eigenbedarf steigt, kommt es derzeit zunehmend zu Lieferschwierigkeiten für diese Produkte. Das RKI gibt deshalb Informationen zur Mehrfachverwendung von Atemschutzmasken.

Über das Problem der zunehmenden Verknappung von Teilen der persönlichen Schutzausrüstung stehen BZÄK und KZBV mit dem Bundesgesundheitsministerium in engem Kontakt. Die Bundesregierung hat am 04. März per Allgemeinverfügung die Ausfuhr von Schutzkleidung eingeschränkt. Zusätzlich wurden finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, um Schutzkleidung aufzukaufen. Die Verteilung an stationäre und ambulante Gesundheitseinrichtungen soll mit den Verbänden einvernehmlich geklärt werden.

Gibt es staatliche Maßnahmen um die Versorgung von Praxen mit Desinfektionsmitteln sicher zu stellen?

Die Bundesregierung hat am 04. März die Herstellung von Desinfektionsmittel ohne Zulassung nach Biozid-Verordnung per Allgemeinverfügung erlaubt. Da die Grundstoffe in ausreichendem Umfang auf dem Markt verfügbar sind, soll die genehmigungsfreie Herstellung in Apotheken den gestiegenen Bedarf decken.

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