Grundlagenwissen

Hier finden Sie Informationen zur Zahnpflege und Mundhygiene sowie Informationen für Diabetiker und zur Kinderzahnheilkunde.


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Was passiert bei einer Professionellen Zahnreinigung? (pro Dente 8/10)

Zahnsteinentfernung
Die Zahnsteinentfernung nach BEMA-Position 107 ist pro Jahr und Patient einmal abrechenbar. Die Professionelle Zahnreinigung (PZR) wird als ideale Ergänzung empfohlen.

Zahnsteinentfernung nach BEMA-Position 107 – Die Professionelle Zahnreinigung als ideale Ergänzung

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Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe

Die wichtigste kariesprophylaktische Maßnahme ist die Fluoridanwendung. Fluoride werden in unterschiedlicher Darreichungsform entweder vom Patienten zu Hause oder aber in der Zahnarztpraxis verwendet.

Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe


Fissurenversiegelung

Die Karies an den Kauflächen der Backenzähne ist die häufigste Karies bei Kindern. Bei der Fissuren- und Grübchenversiegelung handelt es sich um eine vorbeugende Maßnahme, welche an den am meisten kariesgefährdeten Stellen der Zähne zum Einsatz kommt.

Fissurenversiegelung

Fissurenversiegelung - mit farbigen Abbildungen


In welcher Reihenfolge und in welchem Alter kommen die Zähne? Was sind die zeitlichen Extreme früh oder spät?

Der Durchbruch der Milchzähne beginnt im Allgemeinen im sechsten Lebensmonat mit den mittleren Frontzähnen im Unterkiefer. Im Laufe des dritten Lebensjahres sind alle 20 Milchzähne durchgebrochen. Der letzte Zahn, der durchbricht, ist in der Regel ein Backenzahn im Oberkiefer.

Es gibt jedoch auch Ausnahmen. So kann es sein, dass die ersten Zähne vor dem sechsten Monat oder später, bis zum neunten Monat durchbrechen. Sehr selten wird ein Kind sogar bereits mit einem ersten Zahn geboren.

Welche Probleme kann das Zahnen machen und was kann man dagegen tun?

In der Regel verläuft der Milchzahndurchbruch ohne größere Komplikationen.
Begleiterscheinungen wie Schmerzen, Schlafstörungen, Fieber, Durchfälle, Dehydration (Austrocknung), Hautausschläge und vermehrter Speichelfluss kommen jedoch häufig vor.

Entzündungshemmende, meist pflanzliche Tinkturen mit leicht betäubenden  Eigenschaften lindern die Beschwerden. Sie werden auf die Durchbruchstelle aufgetragen. Auch gekühlte Beißringe wirken schmerzlindernd. Wichtig ist, dass das Kind ausreichend trinkt. In Ausnahmefällen können ggf. auch Schmerzmittel (Analgetika) eingesetzt werden.

Gehen die Symptome über die oben genannten Beschwerden hinaus, sollte der Zahnarzt oder Kinderarzt aufgesucht werden - auch um örtliche oder allgemeine Infektionen auszuschließen.

Wann mit dem Zähneputzen anfangen? Ab wann sollen Zahnseide, Mundwässer, elektrische Zahnbürste benutzt werden?

Mit dem Durchbruch des ersten Milchzahnes sollten die Eltern beginnen, die Zähne ihres Kindes täglich zu putzen. Die geeignete Zahnbürste ist sehr weich und auf die Bedürfnisse von Kleinkindern abgestimmt.

Eine erbsengroße Menge Kinderzahncreme mit reduziertem Fluoridgehalt (0,05% oder 500ppm) sollte einmal täglich verwendet werden. Ab dem 2. Lebensjahr wird die fluoridhaltige Kinderzahncreme zweimal täglich verwendet.

Nur durch eine regelmäßige Zahn- und Mundhygiene erlernen die Kinder das selbstverständliche und selbständige Mundhygieneverhalten.

Im Alter von eineinhalb bis zwei Jahren, sobald erste motorische Fähigkeiten ausgebildet sind,  kann das  Kleinkind spielerisch an die selbständige Zahnpflege herangeführt werden.

Erst im Grundschulalter, ungefähr ab dem zweiten Schuljahr, ist das Kind motorisch in der Lage, sich selbstständig die Zähne zu reinigen. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen die Eltern Nachputzen. Es empfiehlt sich aber auch weiterhin die Mundhygiene zu kontrollieren. Der zusätzliche Einsatz von Zahnseide kann sinnvoll sein, wenn die Zahnzwischenräume sehr eng oder schwer zugänglich sind.

Zusätzliche Maßnahmen, wie Mundwasser, sind in der Regel bei Kindern nicht notwendig. Mundspüllösungen - insbesondere mit Fluoriden - werden bei einem hohen Kariesrisiko vom Zahnarzt gezielt ab dem sechsten Lebensjahr empfohlen.

Der Einsatz einer elektrischen Zahnbürste kann motivierend wirken. Eine gute Zahn- und Mundhygiene sollte aber auch mit einer Handzahnbürste beherrscht werden. Die Benutzung der Handzahnbürste vermittelt die manuellen Fähigkeiten und auch die notwendige Systematik für den Gebrauch einer elektrischen Zahnbürste.

Wann das erste Mal zum Zahnarzt? Woran erkennt man einen guten Zahnarzt

Es ist sinnvoll, sich schon während der Schwangerschaft beim Zahnarzt über die Zahn- und Mundhygiene bei Säuglingen und Kleinkindern, über zahngesundes Ernährungsverhalten und den Einsatz von Fluoriden zu informieren.

Der erste Besuch des Kleinkindes beim Zahnarzt sollte dann frühzeitig, spätestens nach dem Durchbruch des ersten Milchzahnes im ersten Lebensjahr erfolgen. Danach empfiehlt sich ein regelmäßiger, halbjährlicher Besuch beim Zahnarzt.

Welche Termine notwendig sind, hängt vom individuellen Erkrankungsrisiko ab und wird durch den Zahnarzt in Abstimmung mit den kinderärztlichen Untersuchungen (gelbes Kinderuntersuchungsheft) festgelegt.

Ein entspanntes und spielerisches Heranführen an die Situation in der zahnärztlichen Praxis schafft eine gute Vertrauensbeziehung. Ängste werden so abgebaut oder können erst gar nicht entstehen.

Die Vorstellung des Kleinkindes erfolgt üblicherweise beim Zahnarzt der Familie. Zahnarzt und Praxisteam sollten sich ausreichend Zeit nehmen. Die Untersuchungen sowie die Aufklärungs- und Übungsmaßnahmen zur Mundhygiene sollten kindgerecht in einer positiv gestalteten Atmosphäre zur Mundhygiene ablaufen. Die Kontrolle muss z. B. nicht zwingend auf dem Behandlungsstuhl vorgenommen werden.

Wichtig ist, dass Eltern aufgeklärt werden über:

  • die Zahn- und Mundhygiene
  • den Einsatz von Fluoriden
  • Ernährungsgewohnheiten, insbesondere den Einsatz der Nuckelflasche
  • Ursachen für die Schädigung der Zähne und ihrer Entwicklung
  • Zahnstellungs- und Bisslagefehler und deren Gründe

Schnuller oder Daumen?

Kinder saugen in den ersten beiden Lebensjahren häufig am Daumen, an Fingern - oder am Schnuller.

Spätestens ab dem dritten Lebensjahr sollten die Eltern den Kindern das Lutschen an Daumen, Finger oder Schnuller abgewöhnen. Ansonsten können Zahnstellungs- und Bisslagefehler, insbesondere ein offener Biss, entstehen.

Die Folgen von Fehlstellungen sind z. B. aufwendige kieferorthopädische Maßnahmen - auch im bleibenden Gebiss -, Probleme bei der Sprachbildung oder auch Fehlfunktionen der Zunge, die insbesondere beim Schlucken Störungen verursachen können.

Welche Fluoridprohylaxe?

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Fluoride zum Schutz der Zahnhartsubstanz vorwiegend unmittelbar auf der Zahnoberfläche wirken.

Deswegen sollte ab dem sechsten Lebensmonat die Zahnpflege einmal täglich mit einer erbsengroßen Menge fluoridhaltiger Kinderzahnpasta (0,05% oder 500ppm) erfolgen. Ab dem zweiten Lebensjahr wird die fluoridhaltige Kinderzahncreme in der gleichen Menge zweimal täglich eingesetzt.

Hinsichtlich der Befürchtung, dass das Verschlucken von Kinderzahnpasta zu gesundheitlichen Störungen führen kann, stellt das  Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) fest: "Kinderzahnpasta (mit 0,05 % Fluoridgehalt) führt nach dem Essen von ca. 70 g, was einer ganzen Tube entspricht, allenfalls zu Bauchschmerzen. Eine Vergiftung ist nicht zu befürchten.“

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) - Risiko Vergiftungsunfälle bei Kindern (2009) (Seite 42)

Ab dem sechsten Lebensjahr ist es notwendig, die Zähne zwei Mal täglich mit Fluoridzahnpasta für Erwachsene zu pflegen.

Neben dem Einsatz von fluoridhaltiger Zahnpasta ist die Verwendung von jodiertem und fluoridiertem Kochsalz sinnvoll. Fluoridtabletten dürfen dann jedoch nicht zusätzlich eingenommen werden.

Um den sinnvollen Einsatz von Fluoriden genau zu bestimmten, nimmt der Zahnarzt oder Kinderarzt eine sogenannte Fluoridanamnese vor. Bei einem erhöhten Kariesrisiko bietet sich ab dem dritten Lebensjahr der Einsatz von Fluoridlacken, Fluoridgelen oder fluoridhaltigen Mundspüllösungen unter zahnärztlicher Kontrolle an.

Auch kann es bei beginnender Karies an einzelnen Zähnen vor diesem Lebensalter notwendig sein, Fluoridlacke aufzutragen, um eine Füllungsbehandlung zu vermeiden.

Wissenschaftlich abgesicherte Patienteninformationen:

2.01 Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe

2.02 Fissurenversiegelung

Welche Rolle spielt die Ernährung?

Das richtige Trink- und Essverhalten des Kleinkindes ist von zentraler Bedeutung.

Eine besonders schwerwiegende Form der frühkindlichen Karies ist die sog. Nuckelflaschenkaries. Sie entsteht durch ständiges Umspülen der Zähne mit gesüßten oder stark säurehaltigen Getränken aus Saugerflaschen.

Abbildung Frühkindliche Karies Typ II Frühkindliche Karies Typ II

Abbildung Gesundes Milchzahngebiss Gesundes Milchzahngebiss

Keinesfalls sollten den Kleinkindern solche Getränke zur Selbstbedienung - insbesondere in der Nacht - überlassen werden. Durstlöschend sind ungesüßte Tees oder Mineralwässer. Auch Fruchtsäfte können bei zu häufigem Genuss und "selbständiger" Bedienung zur starken Zerstörung beginnend an den Frontzähnen  im Oberkiefer führen.

Eine ausgewogene Ernährung entsprechend den Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. ist die beste Vorsausetzung für eine gesunde Kindsentwicklung. Auf süße Zwischenmahlzeiten sollte verzichtet werden.

Abbildung Comic Textfreier Comic zur Zahnpflege und Mundgesundheit bei Kleinkindern

Was sollten Eltern rund um das Thema Zähne noch beachten?

Die ersten Weichen für eine gute Allgemein- und Mundgesundheit des Kindes werden bereits in der Schwangerschaft gestellt.

Es gibt wissenschaftliche Hinweise, dass entzündliche Erkrankungen des Zahnhalteapparates (Parodontitis) bei Schwangeren das Risiko einer Frühgeburt in Verbindung mit einem geringen Geburtsgewicht des Kindes erhöhen können. Deshalb sollte bereits die schwangere Frau auf einen guten Mundgesundheitszustand und eine sanierte Mundhöhle achten.

Sind Mutter, Vater oder auch anderer Bezugspersonen an Karies oder Parodontitis erkrankt, kann es dem Kind schaden. Denn die Mundhöhlenbakterien der engsten Bezugspersonen, meistens die der Mutter, werden an das Kind weiter gegeben. Dadurch steigt das Risiko für das Kind, selbst frühzeitig an Karies zu erkranken.

Insbesondere für die Mutter sind daher eine sorgfältige tägliche Mundhygiene,  regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, ggf. professionelle Zahnreinigungen und die rechtzeitige Behandlung von Schäden in der Mundhöhle von wesentlicher Bedeutung.

Neben der regelmäßigen Zahn- und Mundhygiene beim Kleinkind sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen elementar. Der Zahnarzt erkennt frühzeitig Zahnstellungs- und Bisslagefehler und wird bei erhöhtem Kariesrisiko zusätzliche Maßnahmen einleiten.

Zahnärztlicher Kinderpass

In zahlreichen Bundesländern ist ein zahnärztlicher Kinderpass erhältlich.
Der Kinderpass zeigt Eltern, worauf bei der Mund- und Zahngesundheit ihrer Kinder zu achten ist. Der Zahnarzt dokumentiert im Pass die Kontrolluntersuchungen entsprechend der aufgeführten Schemata.

 

Autor: Prof. Dr. med. dent. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der BundeszahnärztekammerLetzte Überarbeitung am 11.03.2014

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Milchzähne - Gesund vom ersten Zähnchen an
Cover Milchzähne

Hier wird jede Entwicklungsstufe des kindlichen Gebisses erklärt. Dazu gibt es Tipps zum zahngesunden Essen und Trinken, vom zahnfreundlichen Beruhigungssauger bis zur Zahnpflege, von der Anwendung von Fluoriden bis zum ersten Zahnarztbesuch des Kleinkindes. 

Milchzähne - Gesund vom ersten Zähnchen an

Das Milchzahngebiss

Milchzähne sind die ersten Zähne, die beginnend im 6. bis 7. Lebensmonat durchbrechen. Sie entwickeln sich üblicherweise nacheinander, wobei die Zähne des Unterkieferfrontzahnbereiches in der Regel als Erste sichtbar werden.

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Mit etwa zweieinhalb Jahren ist das Milchzahngebiss mit insgesamt 20 Zähnen vollzählig. Beim Zahndurchbruch sind größere zeitliche Abweichungen möglich. Sie sind in der Regel kein Anlass zur Sorge.
Milchzähne sind wichtige Platzhalter für das bleibende Gebiss. Darüber hinaus sind sie bei der Ernährung, bei der Sprachbildung und für die gesunde psychische Entwicklung des Kindes entscheidend. Das vollständige und gesunde Milchzahngebiss ist von zentraler Bedeutung für eine gesunde Kindesentwicklung. Somit ist eine sorgfältige Mundhygiene bereits mit dem Durchbruch des ersten Milchzahnes mit fluoridhaltiger Kinderzahncreme notwendig. Regelmäßige zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen (halbjährlich), beginnend im ersten Lebensjahr, sind darüber hinaus wichtig. Sie bieten zudem die Möglichkeit, weiterführende individuelle Informationen zur Mundhygiene, zum Fluoridgebrauch und zur zahngesunden Ernährung zu erhalten. Empfehlenswert ist es, einen zahnärztlichen Kinderpass zu nutzen.

Die letzten Milchzähne fallen üblicherweise im Alter von 11 bis 12 Jahren aus und werden durch bleibende Zähne ersetzt. In seltenen Fällen bleiben sie jedoch integriert, wenn z. B. der bleibende Zahn darunter nicht angelegt ist. Dies kann mit Hilfe eines Röntgenbildes durch den Zahnarzt abgeklärt und unter Umständen mit kieferorthopädischen Maßnahmen therapiert werden.

Das interaktive Schema zeigt die einzelnen Entwicklungsstufen des Milchzahngebisses.

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Vor allem Kinder können bei Sport und Spiel Zahnverletzungen erleiden: vom Abbrechen einer Zahnschmelzecke bis zum Verlust eines ganzen Zahnes. In der Regel sind die oberen Schneidezähne betroffen. Schnelles Handeln ist nötig, denn ein ausgeschlagener Zahn kann häufig wieder in den Kiefer zurückgepflanzt werden, ein abgebrochenes Teilstück wieder angebracht werden. Eile ist geboten, denn insbesondere die Zahnwurzelhaut ist empfindlich.

Erste Schritte nach einem Zahnunfall

  • Stillen Sie ggf. die Blutung, am besten mit einem sterilen Verbandsmaterial, das Sie auf die Wunde pressen
  • Kühlen Sie von Außen (z. B. mit einem Kühlakku)
  • Suchen Sie den Zahn oder das Zahnbruchstück
  • Fassen Sie den Zahn nur an der Krone an, nicht an der Wurzel
  • Den Zahn nicht reinigen!
  • Lassen Sie den Zahn nicht austrocknen, halten Sie ihn feucht
  • Legen Sie den Zahn am besten in eine Zahnrettungsbox (akzeptable Lagerungsdauer 24 – 48 Stunden)
  • alternative Aufbewahrungsmöglichkeiten mit deutlich verkürzter Lagerungsdauer (30 min bis 2 Stunden) sind:
    • H-Milch
    • Speichel (im Gefäß gesammelt)
    • Plastikfolie
    • Kochsalzlösung (Apotheke)
    • ungeeignet sind: Wasser, feuchtes Taschentuch, Mundhöhle,  Trockenlagerung
  • Suchen Sie so schnell wie möglich einen Zahnarzt oder eine Zahnklinik auf. Dies ist auch für eventuelle Versicherungsansprüche wichtig

Zahnrettungsbox

Die Zahnrettungsbox ist ein mit Zellnährlösung gefülltes Gefäß, in der ein ausgeschlagener Zahn oder das Bruchstück eines Zahnes mehr als 24 Stunden aufbewahrt werden kann, ohne dass die Zellen der Wurzeloberfläche absterben. Für Schulen oder Sportvereine ist eine Anschaffung empfehlenswert. Die Zahnrettungsbox ist in Apotheken erhältlich.

Interview mit Dr. Yango Pohl, Uniklinik Bonn zum Thema Zahnunfall (Kurzfilm der Initiative pro Dente, 11/2010)

Stellungnahme der Bundeszahnärztekammer zum Thema Frontzahntrauma

Zahnrettungskonzept

Das Projekt „Zahnrettungskonzept“ dient der Aufklärung zum Thema Zahnunfall und Zahnrettung, der Verteilung von Zahnrettungsboxen an öffentlichen Stellen und dem Aufbau einer zentralen Zahntrauma-Statistik.

Zahnrettungskonzept

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Rauchen und Mundgesundheit

Risiken und Gefahren sind in diesem Faltblatt übersichtlich zusammengefasst. Grafiken stellen Krankheitsbilder und statistische Daten anschaulich dar.

Rauchen und Mundgesundheit


Gesund im Mund bei Diabetes

Viele Diabetespatienten wissen nicht, dass sie ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Entzündungen des Zahnbettes (Parodontitis) haben, die sich auch auf die Einstellung des Blutzuckerwertes auswirken können. Wenn auf Ihre Mundgesundheit achten, können diese Risiken gesenkt werden. Diese Broschüre will Ihnen zeigen, wie Sie sich vor einer Parodontitis und deren Folgen schützen und so Ihren Diabetes verbessern können.

Gesund im Mund bei Diabetes


Zahnaufhellung (Bleaching)

Was sollte man beim Zahnaufhellen beachten?

Grundsätzlich sollte man beim Wunsch einer Zahnaufhellung beachten, dass nicht alle Veränderungen der Zahnfarbe durch im Zahn liegende Verfärbungen hervorgerufen werden. Vor der Anwendung von Zahnaufhellungsmaßnahmen ist eine gründliche Reinigung der Zahnoberfläche (professionelle Zahnreinigung) notwendig, um alle auf der Zahnoberfläche vorhandenen Anlagerungen bzw. Verfärbungen durch Nahrungs- und Genussmittel gründlich zu entfernen. Nach Anwendung dieser Therapie sind in den meisten Fällen deutliche Verfärbungen schon beseitigt und die Entscheidung für eine Zahnaufhellung neu zu überdenken.

Vor der Anwendung von Zahnaufhellungsmaßnahmen muss das Gebiss kariesfrei und keinerlei Symptome für Zahnbetterkrankungen, wie Zahnfleischbluten oder Zahnfleischtaschen, zu finden sein. Auch säurebedingte Zahnerosionen sind im Hinblick auf mögliche Risiken beim Bleaching zu beachten. Entsprechend notwendige Behandlungsmaßnahmen sollten vor dem Beginn der Zahnaufhellung abgeschlossen werden.  Bei vorhandenen Zahnfüllungen oder Verblendungen aus Keramik oder Kunststoffen bei Kronen oder Brücken ist zu beachten, dass sie nicht durch eine Zahnaufhellung  beeinflusst werden. Deshalb muss der Zahnarzt den Patienten darüber aufklären, dass im Nachgang an eine Zahnaufhellung unter Umständen umfangreiche Maßnahmen zur Neuherstellung von Füllungen oder auch Kronen bzw. Brücken zur Anpassung der Zahnfarbe notwendig werden können.

Deswegen empfiehlt sich vor dem Beginn einer Bleichtherapie immer eine ausführliche Untersuchung und ggf. eine notwendige Therapie. Auch die Beratung des Patienten hinsichtlich der möglichen Risiken, der Aufhellungsergebnisse, der einzusetzenden Bleichverfahren und der u.U. notwendigen Folgemaßnahmen ist wichtig.

Was ist Zahnaufheller und wie funktioniert er?

Das am häufigsten eingesetzte Bleichmittel für die Zahnaufhellung ist das Wasserstoffperoxyd oder daraus bestehende Trockensubstanzen. Die Zerfallsprodukte von Wasserstoffperoxyd, wie Radikale, Hydroxyl oder Perhydroxylionen stellen die aktive Bleichsubstanz dar. Diese wirken oxidierend auf die Farbstoffe im Zahn und bewirken dadurch unter Aufspaltung dieser Farbstoffe eine Aufhellung.

Welche Aufhellung ist realistisch? Wie lange hält das Weiß?

Die Behandlung führt in der Regel  zu einer deutlichen Aufhellung der Zähne, abhängig von der gewählten Farbskala auch über mehrere Stufen. Grundsätzlich muss man zwischen dem Bleichen devitaler (toter) und vitaler (lebender) Zähne unterscheiden. Zur optimalen Aufhellung verfärbter, devitaler Zähne ist häufig eine mehrmalige Einlage eines Wasserstoffperoxyd-abspaltenden Bleichmittels in den Zahn notwendig (auch als walking bleaching bezeichnet). Dazu wird der Zahn auf der nicht sichtbaren Seite geöffnet, das Bleichmittel eingebracht und mit einer zwischenzeitigen Füllung wieder verschlossen. Diese Methode kann u.U. sogar eine Kronenversorgung des Zahnes vermeiden.

Vital verfärbte Zähne können mit Hilfe von individuell hergestellten Medikamententrägern (Schienen), in die das Bleichmittel in Gelform eingebracht wird, als sogenannte Home-Bleaching-Maßnahme aufgehellt werden. Der Patient trägt diese Schiene während des Tages zu bestimmten Zeiten. Die Behandlung sollte vier bis sechs Wochen nicht überschreiten und wird vom Zahnarzt in regelmäßigen Abständen überwacht. Eine weitere Methode ist das sogenannte "in office bleaching". Dabei verwendet der Zahnarzt hochkonzentrierte Bleichmittel. Das Bleichmittel wird nach vorherigem Schutz des Zahnfleisches mit Gummimanschetten oder Abdichtmittel direkt auf die Zahnoberfläche aufgebracht, und verbleibt dort entsprechend den Anwendungsvorschriften für eine gewisse Zeit unter Kontrolle des Zahnarztes. Danach wird es gründlich entfernt und der Zahnarzt kann das Bleichergebnis sofort kontrollieren. Ggf. wird diese Behandlungsmaßnahme nach einigen Tagen abhängig von dem gewünschten Ergebnis wiederholt.

Die bei allen Methoden anfänglich festgestellte deutliche Aufhellung reduziert sich nach wenigen Jahren wieder. In einem solchen Fall kann eine erneute Bleichungstherapie vorgenommen werden.  Eine Bleichungstherapie kann aber auch Nebenwirkungen an Zähnen in Form einer Überempfindlichkeit und eventuell  einer geringfügigen Verminderung der Oberflächenhärte der Zahnhartsubstanz auslösen. Darüber hinaus können Schleimhautirritationen durch das Bleichmittel hervorgerufen werden. Deswegen müssen Aufhellungstherapien mit Präparaten über 0,1 Prozent Wasserstoffperoxid vom Zahnarzt durchgeführt werden bzw. der Patient sich sehr gründlich über die Anwendung im häuslichen Bereich informier werden. Nach Vorgaben der EU unterliegen Aufhellungsprodukte ab einer Konzentration von 0,1 Prozent in jedem Fall einer zahnärztlichen Anwendung. Eine Fluoridierung der Zahnoberfläche nach abgeschlossener Bleichtherapie ist sinnvoll.

Ist der Zahnaufheller gefährlich für den Zahnschmelz oder das Zahnfleisch?

Unter Beachtung der entsprechenden Anwendungsvorschriften ist keine Schädigung des Zahnfleisches zu erwarten. Bei einer in der Zahnarztpraxis durchgeführten Therapie wird nämlich der Zahnfleischrand durch Gummimanschetten oder Isolationsmittel abgedeckt. Eventuell beobachten Patienten nach Aufhellungstherapie eine verstärkte Empfindlichkeit der Zähne, die aber in der Regel durch Fluoridierungsmaßnahmen behoben werden kann. Auch eine negative Beeinträchtigung der Zahnhartsubstanz ist nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand nicht zu erwarten, sofern die Anwendungsvorschriften beachtet werden.

Kann Zahnaufheller den Körper an sich schädigen oder Allergien auslösen?

Wiederum bei entsprechender Beachtung der Anwendungsvorschriften und unter gründlicher Entfernung des überschüssigen Bleichgels sind derzeit keine weiteren Nebenwirkungen bekannt. Hinsichtlich des Auftretens von Allergien liegen ebenso keine wissenschaftlichen Daten vor.

Wie oft sollte man maximal die Zähne aufhellen?

Eine zu häufige oder zu intensive Behandlung kann Veränderungen der Zahnhartsubstanz hervorrufen, oder auch eine sehr starke Empfindlichkeit der Zähne auslösen. Die Bundeszahnärztekammer rät deswegen, Aufhellungsmethoden nicht mehrmals im Jahr anzuwenden.

Hat die Zahnfarbe etwas mit der Zahngesundheit zu tun?

Die Zahnfarbe eines Patienten ist etwas sehr Individuelles und abhängig von der Struktur und der Funktion der Zähne sowie ihrer Umgebung. Dabei verändert sich die Zahnfarbe im Laufe des Lebens. Dies wird verursacht sowohl durch natürliche Abnutzung der äußeren Zahnschmelzschicht (Abrasion) als auch durch starkes Knirschen (Attrition) oder Säureeinwirkung (Erosion), wodurch darunter liegende stärker gelblich gefärbte Schichten des Zahnbeins (Dentin) sichtbar werden. Zahnverfärbungen können auch Hinweise auf Erkrankungen der Zahnhartsubstanz (Karies) und des Zahnnervs sein. Darüber hinaus gibt es Zahnverfärbungen in Folge von allgemeingesundheitlichen Störungen, erblichen Dispositionen, frühkindlicher Medikamenteneinnahme sowie einer überhöhten Fluoridzufuhr. All diese Ursachen verfärben den Zahn von innen heraus.

Daneben gibt es selbstverständlich Zahnverfärbungen, die durch Auflagerungen auf der Zahnoberfläche entstehen. Dies geschieht vor allen Dingen durch Nahrungs- und Genussmittel, aber auch bei Medikamenteneinnahme. Die Farbe der Zähne kann also, muss aber keine Hinweise auf Erkrankungen der Zähne und des Mundes geben.

Was ist von den so genannten Raucherzahnpasten mit hohem Putzkörperanteil zu halten?

Die sog. Raucherzahnpasten mit einem überdurchschnittlichen Gehalt von Putzkörpern bekämpfen in erster Linie die sog. externen Zahnverfärbungen, d.h. die Auflagerungen auf der Zahnoberfläche durch Nahrungs- und Genussmittel bzw. Medikamente. Der regelmäßige Gebrauch solcher Raucherzahnpasten ist jedoch nicht zu empfehlen. Die darin enthaltenen Putzkörper führen zusammen mit einem oftmals zu hohem Anpressdruck der Zahnbürste bei der Mundhygiene zu Verletzungen der Zahnhartsubstanzoberfläche. Es ist nicht selten, dass nicht kariös bedingte Zahnhartsubstanzdefekte durch regelmäßigen Gebrauch solcher Zahncremes verbunden mit  zu hohem Kraftaufwand bei der Mundhygiene entstehen. Insbesondere nach der Aufnahme säurehaltiger Nahrungsmittel und Getränke sollte etwa eine Stunde gänzlich die Zahnpflege unterbleiben.

Gibt es Tipps, wie man die Zähne ohne große Unkosten weißer bekommen und erhalten kann?

Natürlich hat jeder von uns eine individuelle Zahnfarbe. Eine effektive Zahn- und Mundhygiene zweimal täglich kann Zahn- und Zahnbettschäden vermeiden und hilft gleichzeitig, Auflagerungen, also Verfärbungen, auf der Zahnoberfläche zu verhindern. Ergänzend dazu sollte - abhängig vom individuellen Erkrankungsrisiko – eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung durch den Zahnarzt oder eine Prophylaxeassistentin erfolgen.

Dabei ist nicht primär die Art des Zahnpflegemittels entscheidend - außer dass es Fluorid enthalten sollte. Viel wichtiger ist die richtige Technik bei der Zahnpflege. Zusätzlich sind für die Zahnzwischenräume Zahnseide, Zahnzwischenraumbürsten und Zahnhölzchen auch wiederum nach Anleitung sinnvoll. Innere Verfärbungen von Zähnen lassen sich dagegen nur durch ein Bleaching entfernen. So kann man nicht nur seine Mundgesundheit erhalten, sondern auch ohne große Unkosten sehr viel für das natürliche "Weiß" seiner Zähne tun.


Autor: Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer
Letzte Aktualisierung: Juli 2014


 

Der Inhalt dieser Seite wurde fachlich geprüft von
Prof. Dr. med. dent. Dietmar Oesterreich,
Zahnarzt und Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer