Kinder

Entwicklung und Pflege der Zähne im Säuglings- und Kindesalter

Der Durchbruch der Milchzähne beginnt im Allgemeinen im sechsten Lebensmonat mit den mittleren Frontzähnen im Unterkiefer. Im Laufe des dritten Lebensjahres sind alle 20 Milchzähne durchgebrochen. Der letzte Zahn, der durchbricht, ist in der Regel ein Backenzahn im Oberkiefer.

Es gibt jedoch auch Ausnahmen. So kann es sein, dass die ersten Zähne vor dem sechsten Monat oder später, bis zum neunten Monat durchbrechen. Sehr selten wird ein Kind sogar bereits mit einem ersten Zahn geboren.

In der Regel verläuft der Milchzahndurchbruch ohne größere Komplikationen.
Begleiterscheinungen wie Schmerzen, Schlafstörungen, Fieber, Durchfälle, Dehydration (Austrocknung), Hautausschläge und vermehrter Speichelfluss kommen jedoch häufig vor.

Entzündungshemmende, meist pflanzliche Tinkturen mit leicht betäubenden  Eigenschaften lindern die Beschwerden. Sie werden auf die Durchbruchstelle aufgetragen. Auch gekühlte Beißringe wirken schmerzlindernd. Wichtig ist, dass das Kind ausreichend trinkt. In Ausnahmefällen können ggf. auch Schmerzmittel (Analgetika) eingesetzt werden.

Gehen die Symptome über die oben genannten Beschwerden hinaus, sollte der Zahnarzt oder Kinderarzt aufgesucht werden - auch um örtliche oder allgemeine Infektionen auszuschließen.

Mit dem Durchbruch des ersten Milchzahnes sollten die Eltern beginnen, die Zähne ihres Kindes täglich zu putzen. Die geeignete Zahnbürste ist sehr weich und auf die Bedürfnisse von Kleinkindern abgestimmt.

Eine erbsengroße Menge Kinderzahncreme mit reduziertem Fluoridgehalt (0,05% oder 500ppm) sollte einmal täglich verwendet werden. Ab dem 2. Lebensjahr wird die fluoridhaltige Kinderzahncreme zweimal täglich verwendet.

Nur durch eine regelmäßige Zahn- und Mundhygiene erlernen die Kinder das selbstverständliche und selbständige Mundhygieneverhalten.

Im Alter von eineinhalb bis zwei Jahren, sobald erste motorische Fähigkeiten ausgebildet sind,  kann das  Kleinkind spielerisch an die selbständige Zahnpflege herangeführt werden.

Erst im Grundschulalter, ungefähr ab dem zweiten Schuljahr, ist das Kind motorisch in der Lage, sich selbstständig die Zähne zu reinigen. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen die Eltern Nachputzen. Es empfiehlt sich aber auch weiterhin die Mundhygiene zu kontrollieren. Der zusätzliche Einsatz von Zahnseide kann sinnvoll sein, wenn die Zahnzwischenräume sehr eng oder schwer zugänglich sind.

Zusätzliche Maßnahmen, wie Mundwasser, sind in der Regel bei Kindern nicht notwendig. Mundspüllösungen - insbesondere mit Fluoriden - werden bei einem hohen Kariesrisiko vom Zahnarzt gezielt ab dem sechsten Lebensjahr empfohlen.

Der Einsatz einer elektrischen Zahnbürste kann motivierend wirken. Eine gute Zahn- und Mundhygiene sollte aber auch mit einer Handzahnbürste beherrscht werden. Die Benutzung der Handzahnbürste vermittelt die manuellen Fähigkeiten und auch die notwendige Systematik für den Gebrauch einer elektrischen Zahnbürste.

Es ist sinnvoll, sich schon während der Schwangerschaft beim Zahnarzt über die Zahn- und Mundhygiene bei Säuglingen und Kleinkindern, über zahngesundes Ernährungsverhalten und den Einsatz von Fluoriden zu informieren.

Der erste Besuch des Kleinkindes beim Zahnarzt sollte dann frühzeitig, spätestens nach dem Durchbruch des ersten Milchzahnes im ersten Lebensjahr erfolgen. Danach empfiehlt sich ein regelmäßiger, halbjährlicher Besuch beim Zahnarzt.

Welche Termine notwendig sind, hängt vom individuellen Erkrankungsrisiko ab und wird durch den Zahnarzt in Abstimmung mit den kinderärztlichen Untersuchungen (gelbes Kinderuntersuchungsheft) festgelegt.

Ein entspanntes und spielerisches Heranführen an die Situation in der zahnärztlichen Praxis schafft eine gute Vertrauensbeziehung. Ängste werden so abgebaut oder können erst gar nicht entstehen.

Die Vorstellung des Kleinkindes erfolgt üblicherweise beim Zahnarzt der Familie. Zahnarzt und Praxisteam sollten sich ausreichend Zeit nehmen. Die Untersuchungen sowie die Aufklärungs- und Übungsmaßnahmen zur Mundhygiene sollten kindgerecht in einer positiv gestalteten Atmosphäre zur Mundhygiene ablaufen. Die Kontrolle muss z. B. nicht zwingend auf dem Behandlungsstuhl vorgenommen werden.

Wichtig ist, dass Eltern aufgeklärt werden über:

  • die Zahn- und Mundhygiene
  • den Einsatz von Fluoriden
  • Ernährungsgewohnheiten, insbesondere den Einsatz der Nuckelflasche
  • Ursachen für die Schädigung der Zähne und ihrer Entwicklung
  • Zahnstellungs- und Bisslagefehler und deren Gründe

Kinder saugen in den ersten beiden Lebensjahren häufig am Daumen, an Fingern - oder am Schnuller.

Spätestens ab dem dritten Lebensjahr sollten die Eltern den Kindern das Lutschen an Daumen, Finger oder Schnuller abgewöhnen. Ansonsten können Zahnstellungs- und Bisslagefehler, insbesondere ein offener Biss, entstehen.

Die Folgen von Fehlstellungen sind z. B. aufwendige kieferorthopädische Maßnahmen - auch im bleibenden Gebiss -, Probleme bei der Sprachbildung oder auch Fehlfunktionen der Zunge, die insbesondere beim Schlucken Störungen verursachen können. 

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Fluoride zum Schutz der Zahnhartsubstanz vorwiegend unmittelbar auf der Zahnoberfläche wirken.

Deswegen sollte ab dem sechsten Lebensmonat die Zahnpflege einmal täglich mit einer erbsengroßen Menge fluoridhaltiger Kinderzahnpasta (0,05% oder 500ppm) erfolgen. Ab dem zweiten Lebensjahr wird die fluoridhaltige Kinderzahncreme in der gleichen Menge zweimal täglich eingesetzt.

Hinsichtlich der Befürchtung, dass das Verschlucken von Kinderzahnpasta zu gesundheitlichen Störungen führen kann, stellt das  Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) fest: "Kinderzahnpasta (mit 0,05 % Fluoridgehalt) führt nach dem Essen von ca. 70 g, was einer ganzen Tube entspricht, allenfalls zu Bauchschmerzen. Eine Vergiftung ist nicht zu befürchten.“

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) - Risiko Vergiftungsunfälle bei Kindern (2009) (Seite 42)

Ab dem sechsten Lebensjahr ist es notwendig, die Zähne zwei Mal täglich mit Fluoridzahnpasta für Erwachsene zu pflegen.

Neben dem Einsatz von fluoridhaltiger Zahnpasta ist die Verwendung von jodiertem und fluoridiertem Kochsalz sinnvoll. Fluoridtabletten dürfen dann jedoch nicht zusätzlich eingenommen werden.

Um den sinnvollen Einsatz von Fluoriden genau zu bestimmten, nimmt der Zahnarzt oder Kinderarzt eine sogenannte Fluoridanamnese vor. Bei einem erhöhten Kariesrisiko bietet sich ab dem dritten Lebensjahr der Einsatz von Fluoridlacken, Fluoridgelen oder fluoridhaltigen Mundspüllösungen unter zahnärztlicher Kontrolle an.

Auch kann es bei beginnender Karies an einzelnen Zähnen vor diesem Lebensalter notwendig sein, Fluoridlacke aufzutragen, um eine Füllungsbehandlung zu vermeiden.

Wissenschaftlich abgesicherte Patienteninformationen:

2.01 Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe

2.02 Fissurenversiegelung

Das richtige Trink- und Essverhalten des Kleinkindes ist von zentraler Bedeutung.

Eine besonders schwerwiegende Form der frühkindlichen Karies ist die sog. Nuckelflaschenkaries. Sie entsteht durch ständiges Umspülen der Zähne mit gesüßten oder stark säurehaltigen Getränken aus Saugerflaschen.

Frühkindliche Karies Typ II

Gesundes Milchzahngebiss

Keinesfalls sollten den Kleinkindern solche Getränke zur Selbstbedienung - insbesondere in der Nacht - überlassen werden. Durstlöschend sind ungesüßte Tees oder Mineralwässer. Auch Fruchtsäfte können bei zu häufigem Genuss und "selbständiger" Bedienung zur starken Zerstörung beginnend an den Frontzähnen  im Oberkiefer führen.

Eine ausgewogene Ernährung entsprechend den Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. ist die beste Vorsausetzung für eine gesunde Kindsentwicklung. Auf süße Zwischenmahlzeiten sollte verzichtet werden.

Textfreier Comic zur Zahnpflege und Mundgesundheit bei Kleinkindern
© Deutscher Hebammenverband, Illustrationen: Volker Konrad, Sonderdruck Hebammenforum 2013

Die ersten Weichen für eine gute Allgemein- und Mundgesundheit des Kindes werden bereits in der Schwangerschaft gestellt.

Es gibt wissenschaftliche Hinweise, dass entzündliche Erkrankungen des Zahnhalteapparates (Parodontitis) bei Schwangeren das Risiko einer Frühgeburt in Verbindung mit einem geringen Geburtsgewicht des Kindes erhöhen können. Deshalb sollte bereits die schwangere Frau auf einen guten Mundgesundheitszustand und eine sanierte Mundhöhle achten.

Sind Mutter, Vater oder auch anderer Bezugspersonen an Karies oder Parodontitis erkrankt, kann es dem Kind schaden. Denn die Mundhöhlenbakterien der engsten Bezugspersonen, meistens die der Mutter, werden an das Kind weiter gegeben. Dadurch steigt das Risiko für das Kind, selbst frühzeitig an Karies zu erkranken.

Insbesondere für die Mutter sind daher eine sorgfältige tägliche Mundhygiene,  regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, ggf. professionelle Zahnreinigungen und die rechtzeitige Behandlung von Schäden in der Mundhöhle von wesentlicher Bedeutung.

Neben der regelmäßigen Zahn- und Mundhygiene beim Kleinkind sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen elementar. Der Zahnarzt erkennt frühzeitig Zahnstellungs- und Bisslagefehler und wird bei erhöhtem Kariesrisiko zusätzliche Maßnahmen einleiten.

In zahlreichen Bundesländern ist ein zahnärztlicher Kinderpass erhältlich.
Der Kinderpass zeigt Eltern, worauf bei der Mund- und Zahngesundheit ihrer Kinder zu achten ist. Der Zahnarzt dokumentiert im Pass die Kontrolluntersuchungen entsprechend der aufgeführten Schemata.

Das Milchzahngebiss

Milchzähne sind die ersten Zähne, die beginnend im 6. bis 7. Lebensmonat durchbrechen. Sie entwickeln sich üblicherweise nacheinander, wobei die Zähne des Unterkieferfrontzahnbereiches in der Regel als Erste sichtbar werden.

Mit etwa zweieinhalb Jahren ist das Milchzahngebiss mit insgesamt 20 Zähnen vollzählig. Beim Zahndurchbruch sind größere zeitliche Abweichungen möglich. Sie sind in der Regel kein Anlass zur Sorge.
Milchzähne sind wichtige Platzhalter für das bleibende Gebiss. Darüber hinaus sind sie bei der Ernährung, bei der Sprachbildung und für die gesunde psychische Entwicklung des Kindes entscheidend. Das vollständige und gesunde Milchzahngebiss ist von zentraler Bedeutung für eine gesunde Kindesentwicklung. Somit ist eine sorgfältige Mundhygiene bereits mit dem Durchbruch des ersten Milchzahnes mit fluoridhaltiger Kinderzahncreme notwendig. Regelmäßige zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen (halbjährlich), beginnend im ersten Lebensjahr, sind darüber hinaus wichtig. Sie bieten zudem die Möglichkeit, weiterführende individuelle Informationen zur Mundhygiene, zum Fluoridgebrauch und zur zahngesunden Ernährung zu erhalten. Empfehlenswert ist es, einen zahnärztlichen Kinderpass zu nutzen.

Die letzten Milchzähne fallen üblicherweise im Alter von 11 bis 12 Jahren aus und werden durch bleibende Zähne ersetzt. In seltenen Fällen bleiben sie jedoch integriert, wenn z. B. der bleibende Zahn darunter nicht angelegt ist. Dies kann mit Hilfe eines Röntgenbildes durch den Zahnarzt abgeklärt und unter Umständen mit kieferorthopädischen Maßnahmen therapiert werden.
 

Broschüre - Gesund vom ersten Zähnchen an

Erklärung jeder Entwicklungsstufe des kindlichen Gebisses und Tipps zu zahngesundem Essen und Trinken - vom zahnfreundlichen Beruhigungssauger bis zur Zahnpflege, von der Anwendung von Fluoriden bis zum ersten Zahnarztbesuch des Kleinkindes. 

Milchzähne - Gesund vom ersten Zähnchen an

Interaktive Grafik - Einzelne Entwicklungsstufen des Milchzahngebisses

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Der Inhalt dieser Seite wurde fachlich geprüft von
Prof. Dr. med. dent. Dietmar Oesterreich,
Zahnarzt und Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer

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