Pressemitteilungen


Berlin/Frankfurt am Main, 07.11.2014

Für eine präventionsorientierte Versorgung ohne staatliche Überregulierung

Gemeinsame Presseerklärung zum Deutschen Zahnärztetag 2014

Frankfurt a. M., 7. November 2014 – Auf der gemeinsamen Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Zahnärztetags 2014 haben sich Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) und  Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) zu aktuellen berufspolitischen Themen positioniert. So nahmen KZBV und BZÄK unter anderem Stellung zu anstehenden Gesetzgebungsverfahren. Die KZBV präsentierte zudem erstmals Ergebnisse einer aktuellen Analyse der zahnmedizinischen Versorgung in Deutschland. Die DGZMK forderte die Forcierung interdisziplinärer und individualisierter Prävention in Medizin und Zahnmedizin und eine Honorierung entsprechender Leistungen für alle GKV-Patienten.

BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel und der Vorstandsvorsitzende der KZBV, Dr. Wolfgang Eßer, begrüßten Vorstöße durch das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz im Bereich Prävention: „Für die zahnmedizinische Prävention von Pflegebedürftigen und Menschen mit Handicap wäre die voraussichtliche Festschreibung eines neuen § 22a im Sozialgesetzbuch V eine echte Verbesserung und ein wichtiger Schritt entsprechend der Konzepte des Berufsstandes“, sagte Engel, „die Zahnmedizin ist mit ihren Präventionsstrategien Vorbild.“ „Das dann verbriefte Präventionsmanagement entspricht einer langjährigen Forderung von uns Zahnärzten. Es ermöglicht Menschen in Pflegeinrichtungen, die nicht mehr selbstbestimmt leben können und Betreuung und Hilfe bedürfen, die gleichberechtigte und umfassende Teilhabe an moderner Zahnheilkunde“, so Eßer.

Mit Blick auf das geplante Gesetzgebungsverfahren zur Bekämpfung von Korruption im Gesundheitswesen bekräftigen beide nochmals ihre entschiedene „Null Toleranz“-Politik. „Korruption wird in unserer Gesellschaft und im Berufsstand schon heute nicht toleriert“, sagte Eßer. Korruptives Verhalten werde in der Zahnärzteschaft bereits auf Basis geltenden Berufsrechts streng geahndet, das in den jeweiligen Berufsordnungen der Länder verankert ist. „Damit steht Bestechlichkeit in der Zahnmedizin auch jetzt schon unter Strafe - bis hin zum Entzug der Approbation“, so Engel. Beide Organisationen betrachten deshalb eine seitens der Regierung angedachte Schaffung eines speziellen Korruptionsstraftatbestands als überflüssig.

Hinsichtlich der Versorgungsstrukturen äußerte sich Eßer verhalten optimistisch: „Eine aktuelle Analyse der KZBV bestätigt, dass es auf Planungsbereichsebene derzeit keine Unterversorgung gibt. Die Sicherstellung der zahnärztlichen Versorgung ist vielmehr auf hohem Niveau gewährleistet, an Nachwuchs mangelt es nicht. Der demografische Wandel geht aber auch an unserer Profession nicht spurlos vorüber. Ein hoher Anteil älterer Zahnärzte wird in den nächsten Jahren seine Praxis aufgeben. Anders als im ärztlichen Bereich kann eine flächendeckende und wohnortnahe Versorgung insbesondere auf dem Land aber ausschließlich durch Einzel- oder Gemeinschaftspraxen gesichert werden. Für solche Praxen müssen die Rahmenbedingungen stimmen, etwa in Form beherrschbarer Finanzierungsrisiken, wirtschaftlicher Unabhängigkeit durch adäquate Honorierung, Planungssicherheit und funktionierender Infrastruktur“, sagte Eßer.

Prof. Dr. Bärbel Kahl-Nieke, Präsidentin der DGZMK, mahnte die stärkere Implementierung einer interdisziplinären und individualisierten Medizin und Zahnmedizin im deutschen Gesundheitswesen an. Eine wirksame Prävention müsse die Überschneidungen von Zahn- und Allgemeinmedizin kennen und berücksichtigen. Denn Studien zeigten, wie eng Ursachen aber auch Folgen zusammenhingen. Wechselseitige Interaktionen zwischen Parodontitis und Diabetes seien bekannt, beide Krankheiten scheinen sich in ihrem Verlauf gegenseitig zu beeinflussen. Solche wissenschaftlichen Erkenntnisse müssten durch Leitlinien, wissenschaftliche Mitteilungen und Patienteninformationen in die tägliche Praxis aber zeitgleich auch in die Bevölkerung gelangen. Dies könne nur im Zusammenspiel mit der Politik unter geeigneten Rahmenbedingungen funktionieren. 
Gleichzeitig stellte die Präsidentin der wissenschaftlichen Dachorganisation der deutschen Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde die wirtschaftliche Bedeutung  einer solchen Priorisierung der Prävention heraus: "Individualisierte Zahnmedizin bedeutet interdisziplinäre Prävention und diese ist gesundheitspolitisch von Bedeutung, weil sie helfen könnte, dem Gesundheitswesen unnötige Ausgaben in beachtlicher Höhe zu ersparen. Wie?  Durch die Vermeidung von durch zu späte, nicht abgestimmte oder gar fehlende Therapien erzeugten Folgeschäden. Deshalb sollten nach Auffassung der zahnmedizinischen Wissenschaft umfassende Präventionsmaßnahmen bei den gesetzlichen Krankenkassen eine noch größere Rolle spielen."


Pressekontakt

Jette Krämer
Leiterin Abt. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundeszahnärztekammer
Tel.: 030 – 400 05 150, Mobil: 0172 – 394 63 27
Fax: 030 – 400 05 159, E-Mail: j.kraemer@bzaek.de 

Kai Fortelka
Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung
Tel.: 030 – 280 179 28, Mobil: 0173 – 260 31 67
Fax: 030 – 280 179 21, E-Mail: k.fortelka@kzbv.de 

Markus Brakel
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Tel.: 0211 – 718 36 01, Mobil: 0152 – 338 177 71
Fax: 0211 – 718 35 82, E-Mail: markus.brakel@dgzmk.de

 

Pressemappe

Ansprechpartnerblatt

Gemeinsame Pressemitteilung "Für eine präventionsorientierte Versorgung ohne staatliche Überregulierung"

Statement Dr. Peter Engel, Präsident der Bundeszahnärztekammer

Statement Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung

Statement Prof. Dr. Bärbel Kahl-Nieke, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde

Musterberufsordnung der Bundeszahnärztekammer

 
Bildmaterial

http://www.axentis.de/dzt14-presse ab 8.11.2014