Klartext


 19.04.2018

Klartext 04/18

Mundgesundheit von Bewohnern in Pflegeheimen

Bereits Mitte der 1990er Jahre erkannten die Zahnärztekammern die zahnmedizinische Unterversorgung von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderung.
In Reaktion darauf hat die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) als praktische Maßnahme u.a. einen Leitfaden zur Alterszahnmedizin für Zahnärzte und einen Pflegekalender für die Unterstützung des Pflegepersonals in Altersheimen entwickelt. Zudem gibt es zahlreiche Kooperationen mit verschiedenen Stakeholdern im Gesundheitswesen. Für die strukturelle Verbesserung der Versorgung und der Prävention hat die BZÄK seit Jahren Veränderungen auf gesetzlicher Grundlage gefordert.

Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) haben schon 2010 in Zusammenarbeit mit den zahnmedizinischen Fachgesellschaften das Reformkonzept „Mundgesund trotz Handicap und hohem Alter“ vorgestellt, in dem Lösungen für die zahnmedizinische Versorgung von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderung aufgezeigt wurden. Erstmals wurden überhaupt Leistungspositionen der Gesetzlichen Krankenversicherungen in 2014 eingeführt. Erst seitdem gibt es erste Schritte der GKVen zur Verbesserung der Versorgung von immobilen Patienten, die selbst keine Zahnarztpraxis mehr aufsuchen können. Leider wurde dabei die besondere Betreuung von Menschen mit Behinderung nicht berücksichtigt. Auch bedarf es der weiteren Förderung von Kompetenzen der Pflegekräfte im Bereich der Mundhygiene, um sowohl die Prävention als auch die Vernetzung mit den Zahnärzten zu verbessern.

Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, BZÄK-Vizepräsident: „Ein Fakt, der seit Jahren bekannt ist – die Mundgesundheit Älterer, Pflegebedürftiger und von Menschen mit Behinderung ist schlechter als die der übrigen Bevölkerung. Sowohl die Versorgung als auch die Prävention sind weiterhin zu verbessern. Die Zahnärzte haben entsprechende Konzepte vorgelegt – und in Pilotprojekten deren Wirksamkeit bewiesen. Die Umsetzung von notwendigen Rahmenbedingungen liegt damit seit Jahren sowohl in der Hand der Politik, der Krankenkassen aber auch der Pflegeberufe.
Einerseits gilt es, die Aus- und Fortbildung der Pflegeberufe im Bereich der Mundhygiene zu verbessern. Dazu muss das Pflegepersonal in den Heimen auch ausreichend Zeit für eine angemessene Mundpflege erhalten. Und nicht zuletzt muss auch in der Ausbildung der Zahnärzte durch die dringend notwendige Novellierung der Approbationsordnung der Rahmen für die Vermittlung der Kompetenzen in der Alterszahnmedizin geschaffen werden. Es bleibt weiterhin deutlicher Handlungsbedarf – gemeinsam.“

BZÄK-Informationen und Praxistipps für Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung: www.bzaek.de
 
Datenschutzbeauftragter erst ab zehn Praxismitarbeitern notwendig

Erst ab zehn Mitarbeitern ist ein Datenschutzbeauftragter in Zahnarztpraxen notwendig. In der Arbeitsgemeinschaft Gesundheit am 15. und 16. März haben sich die Datenschutzbehörden auf die Praxisformel in Anwendung des § 38 BDSG-Neu geeinigt und sich damit der Auffassung der BZÄK angeschlossen. Damit dürfte nunmehr die erforderliche und geforderte Rechtssicherheit bestehen.

Wie der Thüringische Landesdatenschutzbeauftragte der Landeszahnärztekammer Thüringen mitteilte, besteht nach neuem Recht bei einer standardmäßigen (Zahn-)Arztpraxis eine Pflicht zur Benennung eines Datenschutzbeauftragten, soweit sie in der Regel mindestens zehn Personen ständig mit der automatisierten Verarbeitung personenbezogener Daten beschäftigen. Werden in diesem Sinne weniger als zehn Personen in der Zahnarztpraxis beschäftigt und treten keine besonderen Umstände hinzu, muss kein Datenschutzbeauftragter benannt werden.
Die in der Diskussion um die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vielfach kundgetane Auffassung, dass nahezu alle Zahnarztpraxen künftig einen Datenschutzbeauftragten bräuchten, dürfte damit obsolet sein.
Zum neuen Datenschutzrecht hat die BZÄK ein Merkblatt veröffentlicht, das die wichtigsten Neuerungen zusammenfasst:
www.bzaek.de/fileadmin/PDFs/b/datenschutz_zahnarzt.pdf

Girls‘ Day/Boys‘ Day 2018: Beruf Zahnmedizi-nische/r Fachangestellte/r auch für Jungen interessant

Boys' Day-Berufe sind Berufe, in denen höchstens 40 Prozent Männer arbeiten, dazu zählt auch der Beruf Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r (ZFA). Die Zahl der männlichen Auszubildenden zum ZFA steigt zwar, ist allerdings immer noch sehr niedrig. Waren es im Jahr 2000 nur 50 Männer, die eine Ausbildung zum ZFA absolvierten, stieg die Anzahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge Ende 2016 immerhin auf 201. Der Frauenanteil liegt jedoch noch bei 98,3 Prozent, bilanziert die BZÄK mit Blick auf den Girls‘ Day/Boys‘ Day am 26. April 2018.

Der Beruf bietet auch viele technische Aufgaben – und durch die Digitalisierung von Prozessen immer mehr Computer basierte Arbeit: Assistenz beim digitalen Röntgen, rechnergesteuertes Schleifen von Keramik-Inlays, 3 D-Druck, Ultraschallanwendung bei der PZR u.v.m.

Insgesamt ist der Beruf ZFA angesehen, er gehört bei Frauen zu den zehn beliebtesten Ausbildungsberufen. Aufstiegsfortbildungen ermöglichen den Erwerb zusätzlicher Qualifikationen: Neben Zahnmedizinischen Fachassistenten (ZMF) werden Fortbildungen auf unterschiedlichem Niveau angeboten, im Bereich Prophylaxe zu Zahnmedizinischen Prophylaxeassistenten (ZMP) oder Dentalhygienikern (DH), im Bereich Verwaltung zu Zahnmedizinischen Verwaltungsassistenten (ZMV) sowie in Westfalen-Lippe zusätzlich zu Betriebswirten Management im Gesundheitswesen.

DAHZ-Hygieneleitfaden aktualisiert

Der Hygieneleitfaden des Deutschen Arbeitskreises für Hygiene in der Zahnmedizin (DAHZ) wurde überarbeitet, erstmals gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Zahnmedizin der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH).

Es gibt Aktualisierungen zur Antibiotikaprophylaxe sowie Wäscheaufbereitung, das Kapitel Medizinprodukteaufbereitung wurde überarbeitet. Eine Vergleichsfassung wird bereitgestellt, in der die Änderungen zur 11. Auflage erkennbar sind.

Für eine weite Verbreitung wurden die Copyright-Bedingungen geändert: Zusätzlich zur Nutzung in den Praxen dürfen Zahnärztekammern und Fachgesellschaften den unveränderten Leitfaden online stellen und an Mitglieder weitergeben. Die Weitergabe im Rahmen der Aus- und Weiterbildung von Studierenden und Praxispersonal ist ausdrücklich erwünscht (DAHZ als Herausgeber benannt).
Der DAHZ-Hygieneleitfaden ist abrufbar unter www.dahz.org sowie www.bzaek.de

IDZ-Trilogie: Sicherung des parodontalen Behandlungserfolgs

Die neue Online-Zeitschrift „Zahnmedizin, Forschung und Versorgung“ des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) beschäftigt sich mit dem aktuellen Thema Behandlungserfolg bei Parodontitis. In drei Übersichtsarbeiten wurde den Fragen nach (1) der individuellen Mundhygiene,
(2) der unterstützenden Parodontitistherapie und
(3) der Bedeutung des Rauchens nachgegangen. Die Ausgaben können unter www.idz.institute kostenlos abgerufen werden.

foodwatch-Report: konkrete Maßnahmen gegen ernährungsbedingte Erkrankungen

Am 04. April hat die Verbraucherorganisation foodwatch ihren „Coca-Cola Report“ vorgestellt und die Debatte um den übermäßigen Zuckerkonsum in Deutschland wieder entfacht. foodwatch schlägt fünf gesetzgeberische Maßnahmen vor, die der Prävention von Adipositas und Fehlernährung dienen, u.a. das Kindermarketing für ungesunde Lebensmittel zu beschränken, Mindeststandards für Kita- und Schulessen festzulegen, die Mehrwertsteuer für Obst und Gemüse abzuschaffen sowie stark gezuckerte Getränke nach dem Vorbild Großbritanniens mit einer mengenorientierten Sonderabgabe zu belegen, damit Hersteller den Zuckergehalt reduzieren. Ab 06. April gilt in Großbritannien eine neue Steuer auf stark gezuckerte Getränke.

Die Bundeszahnärztekammer teilt die Kritik an einer zu zuckerlastigen Ernährung. Auch Karies gehört zu den ernährungsbedingten Erkrankungen. Insbesondere die häufige und hochfrequente Aufnahme von zuckerhaltigen Speisen und Getränken steigert das Kariesrisiko. Dabei ist besonders auf "versteckte" Zucker zu achten. Zum foodwatch-Report: www.foodwatch.org

Tag der Zahngesundheit 2018

2018 steht der Tag der Zahngesundheit unter dem Motto: „Gesund im Mund – bei Handicap und Pflegebedarf“.

Ab Juli 2018 tritt der Paragraph 22a SGB V in Kraft, der für die Anspruchsberechtigten endlich eine erweiterte Bandbreite an Präventionsleistungen bietet. Über das neue Leistungsspektrum möchte der Aktionskreis zum Tag der Zahngesundheit in diesem Jahr u.a. informieren.
www.tagderzahngesundheit.de
www.twitter.com/tdz2509

13. Europatag der Bundeszahnärztekammer

Die neue Bundesregierung hat die Europapolitik zu einem Schwerpunkt ihrer Amtszeit erklärt. Unter dem Titel „Gesundheit und Binnenmarkt in Europa - Was will die GroKo?“ findet in Berlin am 06. Juni 2018 der 13. Europatag der BZÄK statt. Ein Schwerpunkt der Veranstaltung soll die für die Zahnärzteschaft wichtige Frage sein, welche grundlegenden Ziele Deutschland in der europäischen Binnenmarkt- und Gesundheitspolitik verfolgt. Die Diskussion wird in zwei Panels geführt: Binnenmarktpolitik sowie Gesundheitspolitik. Weitere Informationen finden Sie hier: www.bzaek.de

Initiative proDente

Die Initiative proDente e.V. informiert monatlich zu Themen der Zahn- und Mundgesundheit, die BZÄK stellt hierfür ihre zahnmedizinische Expertise zur Verfügung. Aktuell bietet proDente zum Thema Bleaching den neu aufgelegten Flyer „Zähne aufhellen“ an: www.prodente.de/presse

ERO-Konferenz: Studie zu Freiberuflichkeit vorgestellt

Am 13. und 14. April fand die Frühjahrstagung der europäischen Regionalorganisation des Weltzahnärzteverbandes FDI (ERO) in Salzburg statt. Deutschland war durch eine BZÄK-Delegation vertreten.

Die ERO-Arbeitsgruppe "Freie zahnärztliche Berufsausübung in Europa" stellte ihre Studie zum Stand der Freiberuflichkeit in Europa vor: "Is liberal independent dental practice endangered? Assessing forms of dental practice in the European Regional Organization (ERO) zone of the FDI World Dental Federation". Die Studie von Thomas Wolf et al. untersucht die Freiberuflichkeit in der zahnärztlichen Praxis in den ERO-Ländern. Sie kommt zum Schluss, dass zumeist zahnärztliche Organisationen und Kammern der Länder die freie Berufsausübung überwachen. Allerdings, so die Schlussfolgerung der Autoren, muss die Integrität der Zahnärzteschaft auch im Zuge der Einführung neuer Praxismodelle gewahrt bleiben. Die Erhaltung der Mundgesundheit sowie eine angemessene medizinische Versorgung von Patienten sollten ohne Einflussnahme von Dritten ablaufen können.
Zum Abstract (engl.): https://qi.quintessenz.de/index.php?doc=abstract&abstractID=39958

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