Klartext


 21.09.2018

Klartext 09/18

25. September ist Tag der Zahngesundheit: Gesundheitszustand von Mund und Zähnen bei Menschen mit Unterstützungsbedarf ist deutlich schlechter als in der Allgemeinbevölkerung

2018 steht der Tag der Zahngesundheit bewusst unter dem Motto „Gesund im Mund – bei Handicap und Pflegebedarf“. Denn es gibt Bevölkerungsgruppen, die am Fortschritt der Zahnmedizin und an der umfassenden Präventionsarbeit zu wenig partizipieren. Vor allem Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung sind davon betroffen. Noch viel zu häufig sind ein Pflegegrad oder ein körperliches „Handicap“ in Deutschland gleichbedeutend mit einer schlechten Mundgesundheit.

„Werden Patienten, die vormals einen recht guten Mundgesundheitsstatus hatten, pflegebedürftig, gibt es einen regelrechten Einbruch der Mundgesundheit“, so Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK). „Auch sind etliche Regelungen der ambulanten Betreuung nicht auf die spezifischen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung ausgerichtet.“

Seit Juli 2018 hat sich die zahnmedizinische Versorgung verbessert, denn die gesetzlichen Krankenkassen bieten für Anspruchsberechtigte endlich lange geforderte Präventions- und Therapieleistungen an. Dies ist ein großer Fortschritt, reicht aber noch nicht aus. Vor allem bei Menschen mit Behinderung sind spezifische Leistungen und Sonderregelungen zum Erreichen einer gleichwertigen Zahn- und Mundgesundheit notwendig, um dem Präventionsmanagement nach §22a zu folgen.

Mehr zum Thema: www.bzaek.de/fileadmin/PDFs/tdz18/Statement_TdZ_2018_BZAEK.pdf

Schulmilch: Kein Steuergeld für die Extraportion Zucker

Die EU will aus gesundheitlichen Gründen keine gezuckerte Schulmilch mehr fördern. Doch einige Bundesländer hebeln das aus. Foodwatch appelliert daher zusammen mit Ärzten, Ernährungsexperten, Wissenschaftlern, Lehrern und Eltern an die Landesregierungen, die steuerfinanzierte Förderung von gezuckertem Kakao im Schulmilchprogramm zu beenden.
Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, BZÄK-Vizepräsident: Wissenschaftliche Forschungen belegen, dass das Kariesrisiko deutlich mit der Frequenz der Zuckeraufnahme zusammenhängt. Deshalb sollte auf zuckerhaltige Zwischenmahlzeiten oder Getränke verzichtet werden.“
Zur Aktion: www.aktion-schulmilch.foodwatch.de

Drei Förderbekanntmachungen des BMG
 
Um die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung und die Prävention in allen Bereichen deutlich zu stärken, hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) drei Förderbekanntmachungen ausgeschrieben:
"Stärkung der Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung": https://bit.ly/2QJw6zN
"Stärkung der Gesundheitskompetenz durch effektive, zielgruppengerechte Informationskonzepte": https://bit.ly/2OCpIJ1
"Stärkung der Gesundheitskompetenz durch höhere Kommunikationskompetenz der im Gesundheitswesen Tätigen": https://bit.ly/2xluUdK
Projektskizzen können online bis 29. Oktober eingereicht werden.

Konferenz der im Inland tätigen (zahn)ärztlichen Hilfsorganisationen

Viele Zahnärzte sind ehrenamtlich tätig, weltweit, aber auch in Deutschland helfen sie: Obdachlosen, Menschen in sozialen Brennpunkten, Drogenabhängigen und Geflüchteten. Am 07. September fand erstmalig eine Koordinierungskonferenz für im Inland tätige Hilfsorganisationen unter dem Dach der BZÄK statt. Die zehn teilnehmenden Organisationen stellten sich vor und berichten auch über Problemfelder, wie z.B. die unübersichtliche, teilweise ambivalente gesetzliche Lage, Sprachbarrieren oder die Mitgliedergewinnung.
Mehr unter: www.zm-online.de/soziales-engagement sowie www.bzaek.de/wir-ueber-uns/soziale-verantwortung

Checkliste für Gesundheits-Apps zum Internationalen Tag der Patientensicherheit

Das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) und seine Partner machen den 17. September zum Tag der Patientensicherheit. Zum diesjährigen Motto „Digitalisierung“ wurde eine Checkliste für die Nutzung von Gesundheits-Apps veröffentlicht. Praxen können diese nutzen, um ihre Patienten zu informieren, worauf sie bei Apps achten sollten, wie sie Nutzen und Risiken erkennen:
www.aps-ev.de/wp-content/uploads/2018/05/2018_APS-Checkliste_GesundheitsApps.pdf

Die BZÄK ist Fördermitglied im Aktionsbündnis Patientensicherheit. Als Mitglied im Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem (afgis) e. V. setzt sie sich außerdem für die barrierefreie, benutzerfreundliche und verständliche Gestaltung von Seiten im Internet und für Standards von Gesundheits-Apps ein.

Initiative proDente

Die Initiative proDente e.V. führt als Vorstandsvorsitzender weiterhin BZÄK-Vizepräsident Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, so das Wahlergebnis auf der Vorstandsitzung am 14. September.
proDente informiert Patienten und Presse über Zahn- und Mundgesundheit und unterstützt Zahnärzte sowie Zahntechniker mit Aufklärungsmaterial. Die BZÄK stellt dabei ihre fachliche Expertise zur Verfügung.

Aktuell bietet proDente eine Pressemappe zum Tag der Zahngesundheit an: bit.ly/tag-der-zahngesundheit-2018.

Deutschland am Pranger – Kommission leitet Vertragsverletzungsverfahren ein

Die Europäische Kommission hat am 19. Juli gegen alle EU-Mitgliedstaaten (außer Litauen) Vertragsverletzungsverfahren wegen fehlerhafter Umsetzung der seit 2016 geltenden Berufsanerkennungsrichtlinie eingeleitet. Die Kommission kritisiert, dass die Mitgliedstaaten mehr als zwei Jahre nach Ablauf der Umsetzungsfrist wichtige Elemente der Richtlinie nicht richtig oder nicht vollständig umgesetzt haben.

Das betrifft u.a. auch Regelungen, die unmittelbar für die Gesundheitsberufe gelten, wie die Vorgaben für einen Sprachtest im Zuge der Anerkennung oder den Vorwarnmechanismus, mit dem sich die Behörden der EU-Mitgliedstaaten gegenseitig vor „schwarzen Schafen“ warnen müssen, die ihre Approbation verloren haben.

Alle betroffenen Mitgliedstaaten haben zwei Monate Zeit, um auf die Rüge der Kommission zu reagieren. Zur Pressemitteilung der Europäischen Kommission (englisch), s. Punkt 6: http://europa.eu/rapid/press-release_MEMO-18-4486_en.htm

Ergebnisse der Konferenz des Weltzahnärzteverbands

Vom 02. bis 08. September tagte der Weltverband der Zahnärzte, Fédération Dentaire Internationale (FDI), in Buenos Aires. Deutschland war durch eine von der Bundeszahnärztekammer geführte Delegation vertreten. Zehn Stellungnahmen wurden verabschiedet. Die BZÄK brachte zwei politische Resolutionen zur Unterstützung des G20 Meetings of Health Ministers im Oktober ein: zum Thema Antibiotikaresistenzen sowie zur Bekämpfung von Übergewicht und Fehlernährung, zudem eine Entschließung zur Unterstützung bei der Bekämpfung von Fluchtursachen im zahnärztlichen Bereich.

Die FDI- Stellungnahmen:
•    Dental- und Mundgesundheitsapps
•    Zahnmedizin und schlafbezogene Atemstörungen
•    Medizinische Fortbildung in der Zahnheilkunde
•    Globale parodontale Gesundheit
•    Grundlegende zahnmedizinische Versorgung von Vertriebenen
•    (Tiefe) Dentinkaries und restaurative Versorgung
•    Förderung der Mundgesundheit durch Fluoridzahnpasta
•    Nationale Gesundheitspolitik unter Einbeziehung der Mundgesundheit
•    Schrittweise Reduzierung der Verwendung von Dentalamalgam
•    Nanopartikel in der zahnärztlichen Praxis

Zu den Stellungnahmen (englisch): www.fdiworlddental.org/resources/policy-statements-and-resolutions

Als Mitglied des FDI Wissenschaftsausschusses wurde Prof. Dr. Reinhard Hickel, Ludwig-Maximilians-Universität München, wiedergewählt.

Tagung des Europäischen Verbands ERO: Resolution verabschiedet

Zur Konferenz des Weltzahnärzteverbands tagte am 06. September auch der europäische Regionalverband European Regional Organization of FDI (ERO) in Buenos Aires.
Die ERO verabschiedete die Entschließung „Von Dritten finanzierte und von Nicht-Zahnärzten geführte ambulante zahnärztliche Versorgungszentren“, in der die ERO klar Nachteile des Engagements von Fremdkapitalgebern in zahnärztlichen Praxen benennt und dazu aufruft, „Gründungen von ausschließlich gewinnorientierten, nichtberufsständischen Kapitalgesellschaften, die keinen Bezug zu den ethischen Grundsätzen unserer ärztlichen Verpflichtung haben, zu unterbinden“.

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