KlartextKlartext 04/20

Themen

Hilfen für Zahnarztpraxen dringend nötig | Schutzausrüstung weiter Mangelware | Arbeitsplatz Zahnarztpraxis | Hygieneleitfaden und Musterhygieneplan 2020 | Corona-Krise: Schutz für Obdachlose und Flüchtlinge | Röntgenbilder: Wegfall der Forderung nach DICOM-Format Versand | EU-Kommission: Bekämpfung von Engpässen bei Versorgung mit Medizinprodukten | GOZ-Count Up| Patienteninformation zu Fluoridierung überarbeitet | Initiative proDente | Absage des Weltkongresses der internationalen Zahnärzteorganisation – FDI | Absage der Frühjahrsvollversammlung des Council of European Dentists


Hilfen für Zahnarztpraxen dringend nötig

Mit dem „COVID19-Krankenhausentlastungsgesetz“ werden die wirtschaftlichen Folgen im ambulanten wie stationären Bereich aufgefangen, es berücksichtigt jedoch nicht die Zahnärzte:
Krankenhäuser, Vertragsärzte, Psychotherapeuten Rehabilitations- und Pflegeeinrichtungen erhalten Ausgleichszahlungen, wenn es durch Fallzahlrückgang zu Umsatzminderungen kommt.
Eine Kompensation der immensen Verluste der Zahnärzte, bis zu 80 Prozent Einbußen werden derzeit gemeldet, ist bislang nicht vorgesehen – obwohl die Politik mit Nachdruck auf die Notwendigkeit einer Unterstützung hingewiesen wurde.

Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) fordert den Gesetzgeber dringend auf, hier umgehend zu handeln!
Die Zahnarztpraxen spüren die hohe Umsatzminderung durch die geringere Inanspruchnahme der Patienten besonders, denn die Zahnmedizin ist sehr ausstattungs-und personalintensiv.

Die Neugründung einer Einzelpraxis kostet durchschnittlich 598.000 Euro.
Eine Praxis hat sehr hohe laufende monatliche Kosten: Miete, Raten für Geräte, Hygienekosten und Materialien sowie Ausstattung. Das sind oft Fixkosten von 10.000 – 20.000 Euro pro Monat, je nach Lage und Größe.
Zahnarztpraxen haben zudem im Durchschnitt 4-5 Mitarbeiter mit entsprechenden Personalkosten.

„Jetzt geht es um den Erhalt der Praxen und damit um den Erhalt der ambulanten zahnmedizinischen Versorgung. Wenn Zahnartpraxen - nicht zuletzt aufgrund fehlender Schutzausrüstung - nicht mehr behandeln können und in der Folge schließen müssen, wird die Versorgungslandschaft in Zeiten nach der Krise nicht mehr so sein wie zuvor“, so BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel.  „Vor allem in ländlichen Gebieten wird dies eklatante Folgen für Patientinnen und Patienten haben.
Wird die Politik hier nicht zeitnah aktiv, werden die dramatischen Folgen weit über die Phase der aktuellen Krise hinaus für die Patientinnen und Patienten spürbar bleiben.“

Die BZÄK hat eine Sonderseite eingerichtet (www.bzaek.de/coronavirus), dort finden sich Informationen speziell für zahnärztliche Praxen. Die Seite wird laufend aktualisiert.


Schutzausrüstung weiter Mangelware

Mangelnde Schutzausrüstung, aber auch die in der Zahnmedizin generell vorgeschriebenen Arbeitsschutzmaßnahmen wie der Mund-Nasen-Schutz, sind nach wie vor ein großes Problem in den Zahnarztpraxen. Bei den zentralen Lieferungen über die Bundesregierung wurde die Zahnmedizin bislang nicht berücksichtigt. Die BZÄK fordert erneut entsprechende Unterstützung seitens Bund und Ländern.


Arbeitsplatz Zahnarztpraxis

386.000 Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Auszubildende gibt es insgesamt in den Zahnarztpraxen. Viele von ihnen bangen derzeit um ihren Arbeitsplatz.

Quelle: Stat. Jahrbuch BZÄK 2019


Hygieneleitfaden und Musterhygieneplan 2020

Ab sofort ist der Hygieneleitfaden 2020 des Deutschen Arbeitskreises für Hygiene in der Zahnmedizin (DAHZ) auf www.bzaek.de und www.dahz.org abrufbar. Die aktuelle Version wurde mit der Arbeitsgruppe Zahnmedizin der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) erstellt. Kammern und Fachgesellschaften können den Hygieneleitfaden auf ihren Internetseiten einstellen und an ihre Mitglieder weitergeben, wenn der Herausgeber DAHZ benannt wird.

Ebenfalls neu eingestellt ist der Musterhygieneplan 2020 von DAHZ und BZÄK. Auch eine Vergleichsfassung der vorgenommenen Änderungen steht bereit, damit vorhandene Pläne in der Praxis aktualisiert werden können.

www.bzaek.de/berufsausuebung/hygiene/hygieneplan-und-leitfaden.html


Corona-Krise: Schutz für Obdachlose und Flüchtlinge

Zivilgesellschaftliche Organisationen haben in einem Offenen Brief davor gewarnt, Menschen ohne/mit eingeschränktem Versicherungsschutz in der Corona-Krise zu vergessen. Hunderttausende seien für das Gesundheitssystem nur schwer erreichbar, ohne Krankenversicherung, ohne Aufenthaltsstatus bzw. EU-Bürger ohne Einkommen. Viele lebten beengt, unter wenig hygienischen Umständen. Prekäre und illegale Arbeitsverhältnisse führten dazu, auch mit COVID-19-Symptomen arbeiten zu gehen. Wer erkranke, wende sich nicht an die Behörden.

Die Organisationen fordern Gesundheits- und Innenministerium auf, diese Personengruppe zu versorgen, bei Bedarf auch anonym, und die helfenden Ehrenamtler zu unterstützen. Die BZÄK ist in der Bundesarbeitsgruppe (BAG) Gesundheit/Illegalität Mitglied und hat den Brief mitgezeichnet. Viele Zahnärzte engagieren sich ehrenamtlich.


Röntgenbilder: Wegfall der Forderung nach DICOM-Format Versand

Seit 01. Januar 2020 wäre die Weitergabe von digitalen Röntgenbildern im DICOM-Format auch für die Zahnmedizin vorgeschrieben. Das Bundesministerium für Umwelt (BMU) hat diese Forderung nun zurückgezogen, denn ältere Röntgengeräte lassen sich nicht oder nur mit unvertretbarem Aufwand umrüsten. Bei diesen bleibt die Bilderweitergabe in anderen Standardformaten (TIF, BMP) zulässig. Bei neueren Geräten ist die Weitergabe als DICOM-Datei zu bevorzugen, da so eine eindeutige Zuordnung der Aufnahmen (Praxis, Patient, Datum) möglich ist.

Es bleibt die Verpflichtung aus § 114 Abs. 1 Nr. 2 StrlSchV, dass mit einer Übergangsfrist Röntgengeräte über eine Funktion verfügen müssen, die die zur Ermittlung der Exposition des Patienten erforderlichen Daten elektronisch aufzeichnet und für die Qualitätssicherung nutzbar macht. Bei OPG/FRS- und DVT-Geräten ist diese Forderung bei Anwendung des DICOM-Formats meist gegeben. Für Tubusgeräte und ältere Geräte wird diese Forderung alsbald konkretisiert und mit einer Übergangsfrist bis März 2023 umzusetzen sein.


EU-Kommission: Bekämpfung von Engpässen bei Versorgung mit Medizinprodukten

Die Europäische Kommission hat Mitte März 2020 ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Vermeidung und Bekämpfung von Versorgungsengpässen bei Medizinprodukten vorgestellt. So wird die Frist zur Umsetzung der neuen Medizinprodukte-Verordnung um ein Jahr, auf den 26. Mai 2021, verlängert, Normen zur Produktion von Bestandteilen der persönlichen Schutzausrüstung wurden kostenlos veröffentlicht und Zulassungs- wie Kontrollverfahren zum Inverkehrbringen von Medizinprodukten sind vereinfacht worden. Die getroffenen Maßnahmen sollen zu jedem Zeitpunkt eine ausreichende Versorgung mit Medizinprodukten auf dem europäischen Binnenmarkt garantieren.


GOZ-Count Up

Zeit der Nichtanpassung des Punktwertes der Gebührenordnung für Zahnärzte aktuell: 31 Jahre und 3 Monate.


Patienteninformation zu Fluoridierung überarbeitet

Die gemeinsame Patienteninformation „Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe“ von Bundeszahnärztekammer und Deutscher Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) wurde überarbeitet. BZÄK und DGZMK machen darin auf die Bedeutung einer regelmäßigen Fluoridierung der Zähne zur Kariesprävention aufmerksam.

https://www.bzaek.de/fileadmin/PDFs/pati/bzaekdgzmk/2_01_fluoridierung.pdf


Initiative proDente

proDente bietet aktuell zum Thema „Fluorid" kostenlose Texte, Fotos, Grafiken sowie einen Film an (https://t1p.de/4t4v). Zudem macht proDente angesichts der während der Corona-Krise geschlossenen Kitas und Schulen auf seine kostenlosen Kinderbücher aufmerksam (https://t1p.de/zhat).


Absage des Weltkongresses der internationalen Zahnärzteorganisation - FDI

Auf Grund der Coronavirus-Pandemie wurde der Weltkongress der Zahnärzte, organisiert von der World Dental Federation (FDI), abgesagt (01. bis 04. September 2020 in Shanghai). Der nächste Kongress ist vom 26. bis 29. September 2021 in Sydney/Australien geplant.


Absage der Frühjahrsvollversammlung des Council of European Dentists

Ebenfalls abgesagt wurde die Frühjahrsvollversammlung des Council of European Dentists (CED) Anfang Mai in Dubrovnik. Alternativ könnte die CED-Herbstvollversammlung Anfang November in Brüssel um einen Tag verlängert werden.

 

 

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