Klartext 04/26
Themen
Referentenentwurf: längere Wege und Wartezeiten bei kieferorthopädischer Versorgung | Längsschnittergebnisse DMS 6 | Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsqualifikationen in Heilberufen | DAHZ-Hygieneleitfaden aktualisiert | Ausschreibung: PraxisAWARD Prävention 2026 | Initiative proDente| Ausschreibung: Forschungspreis für Seltene Erkrankungen
Referentenentwurf: längere Wege und Wartezeiten bei kieferorthopädischer Versorgung
Auf den Referentenentwurf für ein GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz positionierten sich Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) mit einer gemeinsamen Stellungnahme
und in der Anhörung.
In der Kieferorthopädie (KFO) würden bei tatsächlicher Umsetzung des Fachzahnarztvorbehalts (Ausübung von Kieferorthopädie ausschließlich nach entsprechender Weiterbildung) ein schlechterer Zugang und längere Wartezeiten drohen – besonders für Kinder und Jugendliche in ländlichen Regionen und aus sozial benachteiligten Familien. Deutschland würde mindestens ein Viertel der heutigen KFO-Behandler verlieren. Mindestens 921.000 Versicherte könnten dann nicht mehr wie bisher behandelt werden. Soziale Unterschiede wären wieder an den Zähnen erkennbar.
Zahnärztinnen und Zahnärzte sind zudem als einheitlicher Heilberuf approbiert und grundsätzlich für einfache und mittelschwere KFO-Fehlstellungen qualifiziert. Ein pauschaler Ausschluss Fortgebildeter wäre unverhältnismäßig.
Auch die angedachten ‚Kostendämpfungsmaßnahmen‘ seien ein Denkfehler und hätten negative Auswirkungen auf die Patientenversorgung. Aufgrund fehlender Planungssicherheit bestünde die Gefahr, dass ältere Kolleginnen und Kollegen früher aus der Versorgung ausstiegen, zugleich würden Vorbehalte gegen die Niederlassung zementiert. Versorgungsengpässe seien dann vorprogrammiert.
Die naheliegende, finanziell einen großen Anteil ausmachende Alternative bleibe im Referentenentwurf leider ungenutzt: Beiträge für Bürgergeldempfänger sollten aus Steuermitteln kostendeckend finanziert werden.
Längsschnittergebnisse DMS 6
Die Längsschnittergebnisse der 6. Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS 6) wurden am 14. April auf einer gemeinsamen Pressekonferenz vom Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ), BZÄK und KZBV vorgestellt. Erstmals wurden dieselben Personen nach neun Jahren erneut untersucht und somit individuelle Krankheitsverläufe sichtbar gemacht.
Dabei zeigen die Daten u.a., dass bei Parodontitis die entscheidende Krankheitsdynamik bereits im mittleren Erwachsenenalter stattfindet. Zu diesem Zeitpunkt kippen viele Verläufe in schwere Formen. Im höheren Alter resultiert daraus das Risiko für Zahnverluste. Eine frühere Parodontitisdiagnostik und -therapie scheinen angezeigt, um parodontale Verschlechterungen zu verhindern und die Krankheit bereits in einem Frühstadium zu behandeln.
Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsqualifikationen in Heilberufen
Der Deutsche Bundestag hat am 26. März das Gesetz zur Beschleunigung der Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsqualifikationen in Heilberufen beschlossen. Es ist nunmehr möglich, in den einzelnen Bundesländern für eine Prüfreihenfolge „Sprachprüfung vor Kenntnisprüfung“ bei zahnärztlichen Berufsqualifikationen aus Drittländern zu sorgen. Für eine Anerkennung ist in jedem Fall ein Nachweis über die abgeschlossene zahnärztliche Berufsqualifikation vorzulegen, ohne ihn ist eine Anerkennung nicht möglich.
Das Gesetz bedarf der Zustimmung des Bundesrates und soll am 1. November 2026 in Kraft treten.
DAHZ-Hygieneleitfaden aktualisiert
Der Deutsche Arbeitskreis für Hygiene in der Zahnmedizin (DAHZ) hat die 17. Ausgabe des Hygieneleitfadens herausgegeben, erneut in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Zahnmedizin der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) erarbeitet. Die aktualisierten Kapitel (S. 19; 24-25) befassen sich mit manuellen Aufbereitungsverfahren und der Nutzung von Schutzhüllen.
Der Hygieneleitfaden ist auf den Webseiten von DAHZ und BZÄK kostenfrei herunterladbar.
Vergleichsversion der vorherigen Fassung
Ausschreibung: PraxisAWARD Prävention 2026
Unter „Mundgesundheit bei Kindern und Jugendlichen im sozialen Spannungsfeld“ schreibt die „Initiative für eine mundgesunde Zukunft in Deutschland“ den mit insgesamt 10.000 Euro dotierten PraxisAWARD Prävention aus. Projekte können aus Zahnmedizin oder interdisziplinärem Umfeld, etwa aus Pädagogik, Sozialer Arbeit oder dem öffentlichen Gesundheitswesen kommen.
Besonders gefragt sind Ansätze, die soziale Determinanten von Gesundheit berücksichtigen, vulnerable Gruppen erreichen und nachhaltige Präventionsstrukturen schaffen. Eingereicht werden können nur Projekte, die sich bereits in der Umsetzung befinden oder kurz davorstehen. Bewerbungen können ab sofort bis 20. September 2026 eingereicht werden.
Initiative proDente
proDente veröffentlichte aktuell eine Pressemappe mit Video, Grafik, Text- und Fotomaterial zu:
Parodontitis – die stille Volkskrankheit
Ausschreibung: Forschungspreis für Seltene Erkrankungen
Ca. vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer der ca. 8.000 Seltenen Erkrankung. Der Eva Luise Köhler Forschungspreis für Seltene Erkrankungen 2027 soll Durchführung und Anschubfinanzierung eines am Patientennutzen orientierten Forschungsprojektes ermöglichen. Er ist mit 50.000 Euro dotiert. Bewerbungsfrist: 12. Juli 2026.
Bewerbung
Die BZÄK ist Mitglied in der Steuerungsgruppe des Nationalen Aktionsbündnis für Menschen mit Seltenen Erkrankungen (NAMSE) und unterstützt die Aufklärung.