KlartextKlartext 05/20

Themen

Repräsentative Erhebung zur Coronakrise in Zahnarztpraxen |Kurzarbeitergeld| Brandenburg: Herbert bleibt Präsident |BZÄK und PKV: Einigung auf Hygienepauschale| GOZ-Count Up| IZA  aktualisiert|Allergische Reaktionen auf Chlorhexidin |Fluorid: DAJ-Empfehlungen aktualisiert |Weltnichtrauchertag |bzaek.de afgis-zertifiziert |Initiative proDente |Forschungspreis für Seltene  Erkrankungen |Vorbereitungen für deutschen Ratsvorsitz |Konsultation zum Aktionsplan Krebsbekämpfung


Repräsentative Erhebung analysiert die Auswirkungen der Coronakrise in Zahnarztpraxen: Über 50 Prozent weniger Arbeitsaufkommen, ca. 70 Prozent Kurzarbeit

 

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Zahnarztpraxen sind hoch, das zeigte bereits eine offene Online-Umfrage unter Praxisinhabern Mitte April. Nun liegen zusätzlich deutschlandweit repräsentative Daten aus dem GOZ-Analyse-Panel der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) vor:
Im Bundesdurchschnitt schätzen die Praxen den Rückgang des Arbeitsaufkommens zwischen Anfang Februar und Anfang April auf mehr als 50 Prozent. Die Einschätzungen variieren, je nach Infektionsgeschehen und länderspezifischen Regelungen, zwischen 59,2 Prozent und 40,5 Prozent.  

Obwohl die Praxen flächendeckend für ihre Patienten erreichbar blieben, mussten sie ihre Sprechzeiten um durchschnittlich gut ein Drittel (38,7 Prozent) reduzieren. Am deutlichsten zeigte sich dies in Berlin (-43,2 Prozent). Im Bundesdurchschnitt waren die Zahnärzte Anfang April 25,2 Stunden pro Woche in der Praxis anwesend, darüber hinaus war jedoch die telefonische Erreichbarkeit außerhalb der Sprechzeiten gewährleistet. Beinahe die Hälfte der Praxen hatte ihren Betrieb auf Notfallbehandlung umgestellt (44,6 Prozent). Als Gründe wurden Infektionsschutz (38,1 Prozent), vorbeugende Empfehlungen der Körperschaften (28,0 Prozent), Terminabsagen der Patienten (27,1 Prozent) sowie fehlende oder knappe Schutzausrüstung (19,6 Prozent) genannt (Mehrfachnennungen mgl.). In Bundesländern, in denen das Ministerium entsprechende Verordnungen erlassen hatte, kamen auch diese zum Tragen. Ein weiterer Grund war Personalmangel in der Praxis (entweder Zahnarzt/Personal Risikogruppe oder fehlende Kinderbetreuung).

Kurzarbeit musste im Bundesdurchschnitt von über zwei Dritteln der Praxen in Anspruch genommen werden (69,8 Prozent).

„Die immensen Verluste werden sich nicht in anderen Monaten nachholen lassen können, dies ist organisatorisch und personell gar nicht möglich, arbeitsrechtlich können die Stunden ja nicht einfach hinten an die Öffnungszeiten drangehängt werden“, so BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel. „Zahnmedizin ist viel ausstattungsintensiver als andere Fachbereiche, warum gerade hier nicht die gleichen Schutzmechanismen greifen wie im restlichen Gesundheitssystem, ist faktisch nicht begründbar. Für die ohnehin kreditbelasteten Praxen ist diese Situation folgenschwer.“

In die Auswertung einbezogen wurden Antworten von über 1.000 Praxen aus dem GOZ-Analyse-Panel der BZÄK. Aufgrund der Struktur des Panels sind repräsentative Hochrechnungen sowohl auf Bundes- als auch auf Länderebene möglich. In einem nächsten Schritt werden derzeit anhand der anonymisierten GOZ-Abrechnungsdaten der Teilnehmer auch die tatsächlichen Auswirkungen der Krise auf das Leistungsgeschehen und die Umsatzentwicklung in den Praxen untersucht.


Kurzarbeitergeld: BZÄK erreicht für Zahnärzte wieder Einzelfallprüfung statt Ablehnung

 

Auf Grund einer Weisung der Bundesagentur für Arbeit kam es regional dazu, dass die Agenturen Zahnärzten den Zugang zum Kurzarbeitergeld versagten. Die BZÄK hatte bereits Mitte April diese Handhabung kritisiert. In einem Schreiben an Bundesarbeitsminister Hubertus Heil wurde darauf hingewiesen, dass die Versagungsbescheide rechtswidrig seien. Im Ergebnis erließ die Bundesagentur für Arbeit die Weisung über das Kurzarbeitergeld an Leistungserbringer im Gesundheitswesen, die den Anspruch von Vertragszahnärzten klar regelt. Dadurch wurde endlich für Rechtssicherheit im Interesse der Praxen und deren Mitarbeiter gesorgt.


Brandenburg: Herbert bleibt Präsident

 

Die konstituierende Kammerversammlung der Landeszahnärztekammer Brandenburg bestätigte am 09. Mai den bisherigen Präsidenten Dipl.-Stom. Jürgen Herbert im Amt. Auch die Vizepräsidentin Dipl.-Stom. Bettina Suchan wurde wiedergewählt.


BZÄK und PKV: Einigung auf Hygienepauschale

Bundeszahnärztekammer, PKV-Verband und Beihilfe
haben sich aufgrund der Corona-Pandemie auf eine Hygienepauschale für erhöhte Aufwendungen in Zahnarztpraxen geeinigt. Die Vereinbarung gilt seit 08. April für Privatversicherte sowie GKV-Patienten mit privater Zusatzversicherung und ist zunächst bis 31. Juli befristet. Ein FAQ auf der BZÄK-Website gibt Auskunft über die genaue Berechnung: www.bzaek.de/goz/informationen-zur-goz.html


GOZ-Count Up

Zeit der Nichtanpassung des Punktwertes der Gebührenordnung für Zahnärzte aktuell: 31 Jahre und 4 Monate.


Information über Zahnärztliche Arzneimittel (IZA) aktualisiert

Die Broschüre steht Zahnärzteschaft und Studierenden als PDF unter www.bzaek.de/iza zur Verfügung. In der aktuellen Version wurden unter anderem die Informationen über Fluorchinolone und Hinweise zu Cyclooxygenasen (COX)-Hemmern wie Diclofenac und Ibuprofen überarbeitet. Letztere erhöhen grundsätzlich, insbesondere aber bei längerfristiger Gabe hoher Dosen, das Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) empfiehlt deshalb, Patienten mit schweren kardiovaskulären Erkrankungen nicht mit diesen Wirkstoffen zu behandeln.


Allergische Reaktionen auf Chlorhexidin

Das Antiseptikum Chlorhexidin findet in der Zahnmedizin aufgrund seiner Wirksamkeit und guten Verträglichkeit als Mundspülung breite Anwendung, ist aber auch Bestandteil von Kosmetika, z.B. Zahncremes. In der wissenschaftlichen Literatur und in den bei der Arzneimittelkommission Zahnärzte eingegangenen Nebenwirkungsmeldungen werden aber immer wieder allergische Reaktionen auf den Wirkstoff beschrieben. Diese äußern sich durch Ausschlag und Ödeme an Haut und Schleimhaut. In seltenen Fällen kann es zu einer anaphylaktischen Reaktion kommen. Das Risiko einer Sensibilisierung erhöht sich bei wiederholter Anwendung. Zusätzlich gibt es Hinweise, dass die Sensibilisierungsrate mit steigender Konzentration zunimmt.
Die Arzneimittelkommission Zahnärzte weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass das allergische Potential von Chlorhexidin stets zu beachten ist. Dies sollte in die Aufklärung des Patienten und die Überwachung der Anwendung einfließen. Um Sensibilisierungen entgegenzuwirken, sollte das Antiseptikum nur indikationsgerecht, grundsätzlich nicht über einen längeren Zeitraum und in niedriger Konzentration eingesetzt werden.


Höherer Fluoridgehalt in Kinderzahnpasten: DAJ-Empfehlungen aktualisiert

Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e. V. (DAJ) hat ihre Empfehlungen zur Prävention Frühkindlicher Karies in Abstimmung mit den einschlägigen wissenschaftlichen Fachgesellschaften aktualisiert. Dies betrifft insbesondere das Zähneputzen mit fluoridhaltiger Kinderzahnpasta im Rahmen der Gruppenprophylaxe in der Kita unter Berücksichtigung der häuslichen Mundhygiene.

Alle Details sowie eine Infografik hier: https://daj.de/Hoeherer-Fluoridgehalt-in-Kind.102+M5e94c8f09dd.0.html


Lass Dich nicht manipulieren: Gemeinsame Aktion zum Weltnichtrauchertag

Am 31. Mai 2020 ist Weltnichtrauchertag, die Mitgliedsorganisationen des Aktionsbündnisses Nichtrauchen e.V. (ABNR) haben dafür einen Flyer entwickelt. Das ABNR fordert, endlich regulatorische Maßnahmen zu ergreifen, um insbesondere Jugendliche vor Manipulationen zu schützen.
Das Bündnis verschiedener Organisationen aus dem Gesundheitsbereich hat sich zum Ziel gesetzt, die politischen Aktivitäten rund um das Thema Tabak zu bündeln. Die BZÄK ist Mitglied im ABNR.
www.bzaek.de/fileadmin/PDFs/p/ABNR_Faltblatt_WNRT_2020.pdf
www.abnr.de/weltnichtrauchertag/2020-lass-dich-nicht-manipulieren/

 


www.bzaek.de erneut afgis-zertifiziert

Das Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem (afgis) e.V. hat die BZÄK-Website erneut ausgezeichnet und sein Qualitätslogo erteilt. Die Seite erfüllt alle Kriterien für qualitativ hochwertige Gesundheitsinformationen und Transparenz im Netz.


Initiative proDente

proDente bietet aktuell zum Thema „Parodontitis" kostenlose Texte, Fotos, Grafiken sowie einen Film an (https://t1p.de/c70d). Zudem informiert proDente mit „Besuch beim Zahnarzt: kein Grund zur Sorge“ über Behandlungen in Zeiten von Corona (https://t1p.de/t0d6).


Ausschreibung: Forschungspreis für Seltene Erkrankungen

Um die medizinische Versorgung von Patienten mit seltenen Erkrankungen zu verbessern, schreibt die Eva Luise und Horst Köhler Stiftung wieder den „Eva Luise Köhler Forschungspreis für Seltene Erkrankungen“ aus. Er ist mit 50.000 Euro dotiert. Bewerbungsschluss ist am 30. Juni 2020, Details unter: www.elhks.de/forschungspreis2021/
Die BZÄK ist Mitglied im Nationalen Aktionsbündnis für Menschen mit Seltenen Erkrankungen (NAMSE) und unterstützt die Aufklärung über seltene zahnmedizinische Erkrankungen.


Vorbereitungen für deutschen Ratsvorsitz

Im zweiten Halbjahr 2020 übernimmt Deutschland den Vorsitz des Rats der Europäischen Union. Bedingt durch COVID-19 wurde das Programm des deutschen Ratsvorsitzes völlig überarbeitet, die Bekämpfung der akuten Krise sowie deren wirtschaftliche Folgen wurden als oberste Priorität festgelegt. Zudem muss sich die deutsche Ratspräsidentschaft wohl auf die Verhandlung der dringendsten Themen, wie den Abschluss der Verhandlungen über ein Abkommen mit Großbritannien oder die Verabschiedung eines mehrjährigen Finanzrahmens für 2021 bis 2027, beschränken. Ursprüngliche Themen wie Digitalisierung und die Neuordnung der Migrationspolitik treten in den Hintergrund.
Zum Vermerk des Botschafters Michael Clauß: https://t1p.de/kawd


Konsultation zum „Aktionsplan Krebsbekämpfung“

Die Europäische Kommission führt bis 21. Mai eine öffentliche Konsultation zum „Aktionsplan Krebsbekämpfung“ durch, der im letzten Quartal 2020 veröffentlicht werden soll. EU-Bürger, Institutionen, Fachverbände und Experten aus dem Gesundheitsbereich sind aufgerufen, sich zu beteiligen. Die Bundeszahnärztekammer und der europäische Dachverband Council of European Dentists haben sich mit einer Stellungnahme beteiligt.
Zur Konsultation: https://t1p.de/146y

 

 

Zahnärztekammern der Länder