Klartext 05/26
Themen
Entbürokratisierung ist Haushalts‑ und Gesundheitspolitik | GeDIG: Tempo braucht Realitätssinn | Initiative proDente | Save the Date: 21. Europatag der BZÄK | Tagung der European Regional Organization (ERO) | World Dental Federation veröffentlicht Bericht zur Verbesserung der Mundgesundheit am Arbeitsplatz | Council of European Dentists: Generalversammlung präsentiert digitale Datenbank
Entbürokratisierung ist Haushalts‑ und Gesundheitspolitik
Die bürokratische Überlastung der Zahnarztpraxen gefährdet zunehmend Versorgung, Fachkräftesicherung und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Praxisinhaber und -inhaberinnen verbringen im Schnitt sechs Stunden pro Woche mit Bürokratie, hinzu kommen 2,5 Stunden je Mitarbeitendem. In einer durchschnittlichen Praxis gehen so mehr als 24 Stunden Behandlungszeit pro Woche verloren – mit direkten Folgen für Patientenzugang und Effizienz.
Dr. Doris Seiz, Vizepräsidentin der Bundeszahnärztekammer (BZÄK): „Unsere Kolleginnen und Kollegen kritisieren, zu wenig zahnärztlich tätig sein zu können, und stattdessen zu viele, teils äußerst absurde Dokumentationspflichten abzuarbeiten. Diese Misstrauenskultur kostet Zeit, Geld, Nerven und am Ende Versorgungsqualität.“
Überflüssige Doppel‑ und Dreifachdokumentationen, aufwendige Prüfregime ohne Zusatznutzen und immer neue Vorgaben treiben die Kosten in den Praxen in die Höhe – und mittelbar auch die Ausgaben der Versicherungen. Gleichzeitig verschärfen sie den Fachkräftemangel: Praxisteams werden gebunden, junge Zahnärztinnen und Zahnärzte von Niederlassung abgeschreckt, erfahrene Kolleginnen und Kollegen gehen früher aus dem Beruf.
Die BZÄK macht klar: Wer Bürokratie abbaut, spart Kosten im System. Mehr Behandlungszeit, weniger Verwaltungsaufwand und stabile Praxen bedeuten bessere Prävention, weniger Folgekosten und eine nachhaltige Entlastung der Kassen. Entbürokratisierung ist kein Luxus – sie ist Voraussetzung für eine zukunftsfeste Gesundheitsversorgung.
GeDIG: Tempo braucht Realitätssinn
Die BZÄK unterstützt das geplante Gesetz für Daten und digitale Innovationen im Gesundheitswesen (GeDIG) und den Ausbau der Telematikinfrastruktur 2.0. Klar ist aber: Digitalisierung gelingt nur mit realistischen Zeitvorgaben.
So steht bereits heute fest, dass die Einbindung in die EUDI-Wallet die Bereitstellung von digitalen Identitäten z.B. für Zahnärztinnen und Zahnärzte verzögern wird.
Die BZÄK fordert daher, sich von starren Fristen zu lösen und auf agilere Formen der Projekt- und Zeitplanung überzugehen. Ein Verfahren, das die Gesetzgebung verschlanken und gleichzeitig die gematik und die Zusammenarbeit ihrer Gesellschafter stärken könnte, ist die Beschlussfassung in den Gesellschafterversammlungen der gematik.
Zum Gesetzesentwurf äußern sich BZÄK und KZBV in ihrer gemeinsamen Stellungnahme
Initiative proDente
proDente veröffentlichte aktuell die Multimedia-Pressemappen zu:
Warum Millionen ihre Zähne versichern – und was wirklich zählt
Nikotinkonsum steigt wieder. Welche Rolle spielen Netflix und Nikotintrends?
Save the Date: 21. Europatag der BZÄK
Am 08. Juli 2026 findet in Berlin von 13:30 bis ca. 16:00 Uhr der Europatag der Bundeszahnärztekammer unter dem Titel „Prävention stärken, Fachkräfte sichern. Zukunft der Gesundheitsversorgung in Europa“ statt.
Tagung der European Regional Organization (ERO)
Am 24. und 25. April fand die Frühjahrstagung der europäischen Regionalorganisation (ERO) des Weltverbands der Zahnärzteschaft FDI in Sofia statt. Es wurde unter anderem ein Verhaltenskodex (Ethics Code) für die Zusammenarbeit der Mitgliedsverbände und für die ERO als Verband angenommen und eine Online-Information zur guten Mundhygiene bei pflegebedürftigen Personen vorgestellt. Diese Information ist in vielen verschiedenen europäischen Sprachen verfügbar.
World Dental Federation veröffentlicht Bericht zur Verbesserung der Mundgesundheit am Arbeitsplatz
Während der 79. Weltgesundheitsversammlung vom 18. bis 23. Mai in Genf veranstaltete die World Dental Federation FDI in Zusammenarbeit mit den Regierungen der Republik Irland, der Republik Mauritius und Malaysias eine hochrangige Begleitveranstaltung zur Veröffentlichung des Berichts „Mundgesundheit am Arbeitsplatz: Ein Fahrplan für Prävention, Produktivität und Wohlbefinden der Belegschaft“. Der Bericht unterstreicht die wachsende Bedeutung der Integration von Mundgesundheit in Strategien für Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz und zeigt Möglichkeiten für Arbeitgeber, Versicherer und politische Entscheidungsträger auf, durch eine verstärkte branchenübergreifende Zusammenarbeit gesündere und produktivere Belegschaften zu fördern.
Council of European Dentists: Generalversammlung präsentiert digitale Datenbank
Am 22. und 23. Mai traf sich die Generalversammlung des Council of European Dentists (CED) zur Tagung in Limassol. Dort wurde das überarbeitete und aktualisierte European Manual of Dental Practice vorgestellt, das nun als digitale Datenbank die verschiedenen Länderdaten zur Zahnmedizin präsentiert.
Die nationalen Delegierten nahmen eine CED-Entschließung „Zum Datenaustausch im Rahmen von E-Health: Workflow, Verschreibung, Schutz und EHDS“ an, in der die Vermeidung zusätzlicher Bürokratielast oder finanzieller Mehrbelastung bei der Umsetzung des European Health Data Spaces angemahnt wird. Zudem sollen die digitalen Kompetenzen der Zahnärzteschaft wie auch der Patientinnen und Patienten gestärkt werden.
Der Jahresbericht des CED wurde veröffentlicht.