Klartext 08/26
Themen
Bürokratieabbau: Jetzt muss geliefert werden | GMK will Prävention und Mundgesundheit stärken | AWMF-S2k-Leitlinie „Dentaleinheiten, hygienische Anforderungen an das Wasser“ | Mangel an analogen OPG-Röntgenfilmen | Nebenwirkungen – Verdachtsfälle melden! MedSafetyWeek 2026 | Welttag der Patientensicherheit: Materialien verfügbar | Last Call: PraxisAWARD Prävention 2026 | Initiative proDente | Europäischer Tag der Freien Berufe 2026 in Brüssel
Bürokratieabbau: Jetzt muss geliefert werden
Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) begrüßt, dass Bundesgesundheitsminister Dr. Carsten Linnemann die von seiner Vorgängerin Nina Warken angestoßene Initiative zum Bürokratieabbau fortführen will und auch die Bürokratielast in Zahnarztpraxen am Beispiel Mundspiegel thematisiert.
Das Ziel ist klar: Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie ihre Praxisteams müssen wieder mehr Zeit für die Behandlung haben statt für Dokumentationspflichten und Verwaltungsaufgaben. Der Handlungsbedarf ist groß. In einer durchschnittlichen Zahnarztpraxis fallen inzwischen mehr als 24 Stunden Bürokratieaufwand pro Woche an. Diese Zeit fehlt bei der Versorgung.
Ein weiteres Beispiel für überflüssige Bürokratie ist die verpflichtende externe Validierung in Zahnarztpraxen. Was einst für komplexe, noch zusammenzusetzende riesige Krankenhausgeräte ersonnen wurde, gilt irrigerweise auch für kompakte, standardisierte Geräte in Zahnarztpraxen. Die dort bereits etablierten Wartungs-, Kontroll- sowie Dokumentationsverfahren gewährleisten ein hohes Sicherheitsniveau. Die verpflichtende externe Erst- und Folgevalidierung verursacht dagegen erhebliche Kosten und zusätzlichen Verwaltungsaufwand. Deshalb sollte diese Pflicht umgehend abgeschafft werden.
Externe Prüfungen sind nur dort erforderlich, wo aufgrund technischer Defekte oder nicht sicher durchführbarer Reparaturen und Wartungen konkrete Risiken nicht ausgeschlossen werden können.
Die BZÄK macht deutlich: Weniger Bürokratie bedeutet mehr Behandlungszeit und eine effizientere Nutzung der Ressourcen im Gesundheitswesen. In einem Workshop im BMG mit der zuständigen Fachabteilung sowie im Spitzengespräch im BMG wurde die Abschaffung der externen Validierung bereits ausführlich diskutiert, eine weitere Prüfung und Bearbeitung zugesichert. Jetzt kommt es darauf an, den angekündigten Bürokratieabbau zügig und spürbar in die Versorgungspraxis zu bringen.
GMK will Prävention und Mundgesundheit stärken
Die 99. Gesundheitsministerkonferenz (GMK) im Juni hat die Bedeutung zahnmedizinischer Prävention deutlich hervorgehoben. In einem Beschluss zur Mund- und Zahngesundheit fordert sie den Erhalt der bewährten Gruppenprophylaxe nach § 21 SGB V sowie das tägliche Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta in Kitas und Schulen.
Mit Verweis auf die Sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie benennt die GMK die hohe Karieslast bei Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien als zentrale präventionspolitische Herausforderung. Zudem setzt sie sich für eine Stärkung der Mundgesundheitskompetenz, mehr Prävention in der Pflege sowie eine Novelle des Präventionsgesetzes ein.
Weiterhin spricht sich die GMK dafür aus, einen „Bundesfonds für Gesundheit und Prävention“ einzurichten, finanziert durch zweckgebundene Abgaben auf Zucker, Tabakwaren und Alkohol, zudem plädiert sie für Werbebeschränkungen für Süßgetränke und Regulierungsrahmen für Tabakerzeugnisse.
Die Beschlüsse decken sich in wesentlichen Punkten mit den präventionspolitischen Forderungen der BZÄK.
AWMF-S2k-Leitlinie „Dentaleinheiten, hygienische Anforderungen an das Wasser“
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) hat die S2k-Leitlinie „Dentaleinheiten, hygienische Anforderungen an das Wasser“ aktualisiert. Dabei wurden geänderte deutsche und europäische gesetzliche Rahmenbedingungen berücksichtigt und die Beprobung des Prozesswassers neu bewertet. Die Leitlinie bietet Zahnarztpraxen Orientierung zur Aufrechterhaltung der Wasserqualität in Dentaleinheiten und dient dem Schutz von Patientinnen, Patienten und Personal.
Aufgrund der mangelnden Studienlage sind die Empfehlungen der Leitlinie konsens-, aber nicht evidenzbasiert. Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) hat deshalb gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) eine Handreichung zur fachlichen Einordnung einzelner Empfehlungen veröffentlicht.
Zusammenfassung der praxisrelevanten Regelungen
Mangel an analogen OPG-Röntgenfilmen
Nach dem Verkauf der Herstellungsrechte für analoge OPG-Röntgenfilme nach Asien im Vorjahr wurde die Produktion entgegen früheren Ankündigungen im Juni 2026 überraschend eingestellt. Damit sind auf dem europäischen Markt – abgesehen von unzureichenden Restbeständen – keine nach der Verordnung (EU) 2017/745 (MDR) zertifizierten Filme mehr verfügbar.
Die BZÄK steht deshalb im intensiven Austausch mit dem Bundesverband Dentalhandel (BVD), um Lösungen zu finden. Eine Möglichkeit wäre die Erteilung von Ausnahmegenehmigungen durch die zuständige Behörde gemäß Artikel 59 MDR für verfügbare Produkte aus Asien und Osteuropa.
Parallel dazu erarbeiten Dentalhändler gemeinsam mit Herstellern Angebote, die betroffenen Praxen den Umstieg auf digitale Röntgentechnik erleichtern sollen.
Nebenwirkungen – Verdachtsfälle melden! MedSafetyWeek 2026
Zahnärztinnen und Zahnärzte können zum sicheren Gebrauch von Arzneimitteln und Medizinprodukten beitragen.
Ihre Meldungen zu unerwünschten Arzneimittelnebenwirkungen – insbesondere bei Analgetika, Antibiotika, Lokalanästhetika, Sedativa oder anderen in der Behandlung eingesetzten Arzneimitteln – helfen, Sicherheit bzw. Qualität bereits eingeführter Arzneimittel kontinuierlich zu überwachen.
Vom 2. bis 8. November findet die internationale #MedSafetyWeek 2026 unter dem Motto „Side effects – don’t ignore them, report them“ statt. Die BZÄK unterstützt die Kampagne und ruft die Praxen auf, Verdachtsfälle unerwünschter Arzneimittelwirkungen zu melden.
Dies kann über die UAW-Meldebögen direkt aus den meisten PVS-Systemen heraus über KIM erfolgen.
Gemeldet werden sollten alle Verdachtsfälle, unabhängig davon, ob die Nebenwirkung bereits bekannt ist oder ein ursächlicher Zusammenhang sicher bewiesen werden kann.
In Deutschland erfassen und bewerten das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte und das Paul-Ehrlich-Institut entsprechende Meldungen. Die Meldungen der Zahnärzteschaft gehen an die Arzneimittelkommission Zahnärzte, die die Meldung weiterleitet und auf Wunsch eine Beratung anbietet.
Welttag der Patientensicherheit: Materialien verfügbar
Zum Welttag der Patientensicherheit am 17. September stellt das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) kostenfreie Informationsmaterialien bereit. Praxen und Gesundheitseinrichtungen können damit ihre Aktivitäten sichtbar machen und ein Zeichen für Patientensicherheit setzen. Das diesjährige Motto: „Sichere Versorgung chronisch erkrankter Menschen – für ein gutes Leben!“.
Plakate, Broschüren und digitale Materialien
Last Call: PraxisAWARD Prävention 2026
Noch bis 20. September 2026 können Projekte und Konzepte zu „Mundgesundheit bei Kindern und Jugendlichen im sozialen Spannungsfeld“ für den PraxisAWARD Prävention eingereicht werden. Gesucht werden praxisnahe Ansätze. Der Preis ist mit insgesamt 10.000 Euro dotiert.
Initiative proDente
proDente veröffentlichte aktuell die fachlich fundierten Multimedia-Pressemappen zur freien Nutzung:
Kauen ist der Schlüssel für gesundes Altern
Zuschüsse sinken - Vorsorge wird wichtiger
Startklar für die Bundesliga – auch die Zähne?
Europäischer Tag der Freien Berufe 2026 in Brüssel
Zum zehnten Mal findet am 29. September 2026 der Europäische Tag der Freien Berufe im Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) in Brüssel statt. Unter „Preparedness in the EU: the role of the liberal professions“ steht die Rolle der Freien Berufe für ein resilienteres Europa im Mittelpunkt. Die maßgeblich von der Interessengruppe Freie Berufe im EWSA organisierte Konferenz ist hochrangig durch BFB-Vizepräsidenten Dr. Karin Hahne und Dr.-Ing. Heinrich Bökamp besetzt. Sie wird hybrid und per Webstream mit deutscher Verdolmetschung angeboten.