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Bundesversammlung der Bundeszahnärztekammer | Grußworte aus der Gesundheitspolitik | Ehrungen der Bundeszahnärztekammer | Politische Berichte der Präsidenten | Beschlüsse der BZÄK-Bundesversammlung | Statistisches Jahrbuch 2022/2023 veröffentlicht | Herbert-Lewin-Preis 2023 vergeben


1 Euro in die Therapie gesteckt, 76 Euro gespart – das ist doch ein super Deal.

Bundesversammlung der Bundeszahnärztekammer

Die Bundesversammlung der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) fand am 17. und 18. November statt.
Eröffnet wurde sie mit einem von Referatsleiter Andreas Brandhorst stellvertretend verlesenen Grußwort des Bundesgesundheitsministers. Darin dankte er der Zahnärzteschaft für ihren engagierten Einsatz in der Pandemie. Er verwies zudem auf ihre zu Recht geäußerten Forderungen, da auch die Praxen unter der Inflation und Teuerungsrate litten, aber zeitgleich auf die notwendigen Sparmaßnahmen. So sei eben auch an der Parodontitisbehandlung zu sparen. Digitalisierung, Bürokratieabbau und i-MVZ wolle man zeitnah konkret angehen. BZÄK-Präsident Prof. Dr. Christoph Benz erwiderte, dass es für die Behandlung der Parodontitis ein solides wissenschaftliches Konzept gäbe, ein Euro, der in die Paro-Therapie gesteckt würde, würde 76 Euro an Krankheitskosten ersparen. Das sei doch ein super Deal.

In seinem Grußwort betonte Dietrich Monstadt (CDU/CSU), MdB, dass die Paro-Therapie wichtig für die Volksgesundheit sei, denn viele exorbitante Wechselwirkungen gebe es. Es sei unerklärlich, warum die Versorgung zurückgefahren wurde. Er bezog zudem Stellung zu i-MVZ, Studierendenauswahl und Freiberuflichkeit.

In ihren politischen Berichten stellten BZÄK-Präsident Prof. Dr. Christoph Benz sowie die beiden Vizepräsidenten Konstantin von Laffert und Dr. Romy Ermler heraus, dass nicht nur der stationäre Bereich, sondern eben auch der ambulante Bereich unterstützt werden müsse, zumal die stärkere Ambulantisierung des Gesundheitswesens gefordert werde. Zugleich werde der ambulante Bereich, der die Hauptlast der Patientenversorgung in Deutschland trage, ausgebremst durch Bürokratie, alleingelassen mit jahrelangen Teuerungsraten sowie Fachkräfte- und Nachwuchsmangel und bestraft für die hohen Pandemiekosten mit einem Kostendeckel.

Die Delegierten fassten u.a. Beschlüsse zur: Stärkung inhabergeführter, freiberuflicher Praxisstrukturen, Anerkennung der Tagesabschlussdokumentation, unveränderten Beibehaltung der abschließenden Wischdesinfektion, wirksamen Bekämpfung des Arzneimittelmangels, zum besseren Schutz medizinischen Personals, Anpassung des GOZ-Punktwerts, Finanzierung der PAR-Strecke, Stopps des Ausverkaufs der Zahnheilkunde an Investoren, Sicherung des ZFA-Fachkräftebedarfs, Schutz des Arzt-Patientenverhältnisses – individuelle und patientenbezogene Aufklärung muss in zahnärztlichen Händen bleiben, Bürokratieabbau, Digitalisierung, EHDS, Musterberufsordnung.


Grußworte aus der Gesundheitspolitik  

Der Referatsleiter im Bundesministerium für Gesundheit (BMG), Andreas Brandhorst, richtete das wörtliche Grußwort von Minister Prof. Dr. Karl Lauterbach aus. Der Minister dankte für das Engagement der Zahnärzteschaft in der Pandemie und würdigte den hohen Infektionsschutz. Die Zahnmedizin sei ihm präsent mit ihren Forderungen, auch in deren Praxen stiegen die Kosten. Er versuchte in seiner Rede, die Sparmaßnahmen in der GKV und an der Paro-Therapie zu rechtfertigen. Weiterhin verwies er darauf, dass man umfangreich die Bürokratie auch im ambulanten Bereich angehen wolle, die Approbationsordnung nachbessern wolle – man werde auf die Zahnmedizin zukommen. i-MVZ mit ausgeprägter Renditeorientierung stehe er kritisch gegenüber, demnächst würden nächste Schritte erfolgen.

Dietrich Monstadt (CDU/CSU), MdB, bestätigte, dass er überzeugt sei von der Freiberuflichkeit. Es bestehe berechtigter Unmut, dass die Politik das nicht immer würdige und die Probleme nicht immer sehe. Die Warnemünder Erklärung hätte ihn beeindruckt, wie die Zahnärzteschaft Lösungen für Probleme anbiete. Die Parodontitis Therapie sei wichtig, da viele Wechselwirkungen mit ihr bestünden. Es sei unerklärlich, warum die Versorgung zurückgefahren werde. Entscheidende Fakten würden ignoriert. MVZ könnten sinnvoll sein, solange sie ärztlich getragen seien, getragen von Finanzeninvestoren brächten sie Probleme. Man müsse jetzt rangehen.


Ehrungen der Bundeszahnärztekammer

Dr. Wolfgang Eßer und Lutz Müller wurden für ihre Verdienste um den zahnärztlichen Berufsstand mit der Ehrennadel der deutschen Zahnärzteschaft in Gold ausgezeichnet.


Politische Berichte der Präsidenten

BZÄK-Präsident Prof. Dr. Christoph Benz hielt ein Plädoyer für die Selbstständigkeit: Verantwortung, Selbstständigkeit, Freiheit in der Therapieentscheidung – mit dieser Kultur kam Deutschland in die weltweiten Top bei der Mundgesundheit. In politischen Kreisen werde der Wert von Selbstständigkeit in einer Volkswirtschaft und Freiberuflichkeit in der Medizin kaum noch verstanden. Man nehme hin, dass kleine Praxen verschwänden und Versorgungsketten Platz machten. Zudem verwies er auf die Bedeutung des Praxisteams und den Personalmangel. Er sprach über die Versorgung im ländlichen Raum und Kleinstädten, dort finde man i-MVZ selten und Praxen benötigten dringend Nachwuchs. Man müsse ran, zusammen mit den Kommunen, damit die Versorgung dort gesichert bleibe. Zum Thema Alterszahngesundheit verwies er auf das von BZÄK und Deutschem Pflegerat (DPR) frisch ausgearbeitete Schnittstellenpapier „Mundgesundheit in der Pflege“.

BZÄK-Vizepräsident Konstantin von Laffert zeigte die Probleme mit Investoren-MVZ (i-MVZ). Sie verschlängen die knappen Budgets: Zwischen 10 und 50 Prozent mehr Leistungen pro Patient als herkömmliche Praxen rechneten sie ab. Dabei zahlten drei Viertel der Fonds nicht einmal Ihre Steuern in Deutschland. Zum Thema Fachkräftemangel verwies er auf die 2024 startende Bundeskampagne sowie den neuen Qualifizierungsweg „Bachelor Professional in Dentalhygiene“. Er berichtete über den Umgang der EU mit dem Thema Amalgam und dem Europäischen Gesundheitsdatenraum. Und zum überfälligen Bürokratieabbau – Entlastung für den Praxisalltag bringe das Eckpunktepapier aus dem BMG keine. Den größtmöglichen Bürokratieaufbau brächte hingegen eine neue absurde Idee: Die Messung des Anpressdruckes bei der abschließenden Wischdesinfektion von semikritischen Medizinprodukten durch externe Validierer.

Dr. Romy Ermler MBA, BZÄK-Vizepräsidentin, erklärte, dass die präventionsorientierte Parodontitistherapie den langfristigen Behandlungserfolg verbessere. Die mit ihr erreichbaren medizinischen und ökonomischen Vorteile überwögen bei weitem die Therapiekosten, deshalb kam die neue Paro-Strecke in den Leistungskatalog. Das GKV-FinStG torpediere die Therapie jedoch.  Moderne Zahnheilkunde und ein zu eng geschnürtes Korsett aus Budgetierung und Null Weiterentwicklung des GOZ-Punktwertes passten nicht zusammen. Zukunftsrelevant sei auch, was Politik und Standespolitik gemeinsam tun könnten, um mehr Nachwuchs in den ländlichen Raum zu bekommen. Die Zahnmedizin sei zudem sehr technikaffin, in der täglichen Behandlung sei Digitalisierung Standard. Praxen seien aber keine Beta-Tester, Anwendungsorientierung, entwickelt mit den Praktizierenden sei für die TI prioritär. Weiterhin sprach Ermler über den EHDS.


Beschlüsse der BZÄK-Bundesversammlung

Die Bundesversammlung der Bundeszahnärztekammer fasste Beschlüsse zu gesundheits- und sozialpolitischen Themen. Alle an die Politik gerichteten Beschlüsse der Bundesversammlung werden unter www.bzaek.de eingestellt.


Statistisches Jahrbuch 2022/2023 veröffentlicht

Im Statistischen Jahrbuch der BZÄK werden aktuell verfügbare Daten zu unterschiedlichen Aspekten der zahnärztlichen Berufsausübung sowie zur Mundgesundheit der Bevölkerung zusammengetragen. Die neue Ausgabe bietet u. a. aktuelle Daten aus der GOZ-Analyse und dem Zahnärztlichen Satellitenkonto und nimmt den Umgang der Zahnärzteschaft mit dem hohen Inflationsdruck in den Blick.  

Das Statistische Jahrbuch kann für 10 Euro zzgl. MwSt. und Versand bezogen werden:

https://www.bzaek.de/ueber-uns/daten-und-zahlen.html


Herbert-Lewin-Preis 2023 vergeben

Mit dem Herbert-Lewin-Preis werden wissenschaftliche Arbeiten zur Aufarbeitung der Geschichte der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus prämiert. Ausgezeichnet wurden am 17. November – in Präsenz von Dr. h.c. Margot Friedländer und Dr. Leon Weintraub – die Arbeiten von Dr. med. Amir Wechsler sowie Aaron Pfaff.

Die Ausschreibung wird vom Bundesministerium für Gesundheit, Bundesärztekammer, BZÄK, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung getragen.

Details

Pressemitteilung


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