KlartextKlartext 06/20

Themen

Hygiene ist Goldstandard in Zahnarztpraxen | Telematikinfrastruktur im Vorfeld ausreichend testen | Senkung der Umsatzsteuer auch relevant in Zahnarztpraxen | Kernleistung | GOZ-Count Up | Im Durchschnitt mehr als sechs Mitarbeiter:  Neue Infografik zu Zahnarztpraxen | Neue Infografik „Kariesbefall bei 12-Jährigen im internationalen Vergleich“ | 10 Jahre Zusammenarbeit SOD und BZÄK | www.bzaek.de HON-zertifiziert | Initiative proDente | „EU4Health“ - Europäische Kommission will EU-Mittel für Gesundheit massiv aufstocken | Pandemie wird deutschen EU-Ratsvorsitz verändern


Hygiene ist Goldstandard in Zahnarztpraxen

IDZ-Studie: Vor Corona bereits rund 70.000 Euro Gesamthygienekosten jährlich pro Praxis

Zahnarztpraxen ergriffen bereits vor der Corona-Pandemie im Praxisalltag diverse Maßnahmen zur Verhütung von Infektionen: vom Tragen der persönlichen Schutzausrüstung über Instrumentenaufbereitung bis hin zur Desinfektion von allen potentiell kontaminierten Flächen. Diese Maßnahmen haben sich offensichtlich auch unter den Bedingungen der Covid-19-Pandemie bewährt.

Die Vorgaben für Zahnarztpraxen sind im Hygieneplan und Hygieneleitfaden sowie den Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim RKI „Infektionsprävention in der Zahnheilkunde – Anforderungen an die Hygiene“ festgehalten. Das ganze Team unterliegt generell strengen Hygienevorschriften, die zu einem entsprechend hohen Schutzniveau in den Praxen beitragen. Die Hygienevorschriften gehen davon aus, dass regelmäßig potentiell infektiöse Patienten (Masern, TBC, Hepatitis etc.) zur Behandlung in die Zahnarztpraxen kommen. Die Vorschriften betreffen jede Praxis.

Eine aktuelle Studie des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) hat die Hygienekosten in Zahnarztpraxen vor Ausbruch von Sars-CoV-2 unter die Lupe genommen. Die Gesamthygienekosten in Zahnarztpraxen in Deutschland betrugen bereits 2016 im Durchschnitt rund 70.000 Euro. Seit 1996 sind die jährlichen Gesamthygienekosten einer Einzelpraxis von rund 28.000 Euro auf rund 65.000 Euro (2016) gestiegen. Im Vergleich mit einer nahezu zeitgleich durchgeführten Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) übersteigen die Hygienekosten einer Zahnarztpraxis die einer Hausarztpraxis um etwa das Zehnfache.

In der aktuellen Pandemiesituation sind zudem die Hygienekosten weiter gestiegen, zum einen wegen deutlich angezogener Marktpreise, zudem, weil zusätzliche Schutzmaßahmen ergriffen wurden und der Aufwand für das Behandlungsteam zunahm.

Insgesamt zeigt sich, dass es im Zusammenhang mit Covid-19 kaum Infektionsgeschehen in Zahnarztpraxen im Gegensatz zu anderen medizinischen Einrichtungen gab. Die überaus strikten und kostenintensiven Hygieneaufwendungen in Zahnarztpraxen haben sich als Goldstandard bewährt.

Zur IDZ-Studie: www.idz.institute/publikationen/buecher/hygienekosten-in-zahnarztpraxen.htm



Telematikinfrastruktur im Vorfeld ausreichend testen

Am 28. Mai meldete die gematik eine Störung in der zentralen Telematikinfrastruktur (TI), die bislang nicht völlig behoben werden konnte.
Alle betroffenen Praxen müssen zur Lösung eine Datei in den Konnektor der Praxis einspielen. Dazu sollten sie einen Termin mit ihrem IT-Servicepartner vereinbaren.

Die BZÄK stellt dazu fest: (Zahn-)Arztpraxen tragen für technische Störungen keine Verantwortung, hier muss die gematik ihrer Verantwortung nachkommen.
Solche Ereignisse führen zu einem erheblichen Vertrauensverlust in die TI, zumal, wenn in Zukunft weitere Anwendungen von elementarer Bedeutung für Praxen und Patienten dazu kommen.
Praxen dürfen durch derartige Ereignisse weder finanzielle noch organisatorische Aufwände entstehen.
In einem immer digitaleren Versorgungssumfeld ist eine vollauf funktionsfähige TI elementar, für Ausfälle müssen schnell greifende Lösungen und Notfall-Konzepte vorliegen.

„Es ist notwendig, dass weitere Komponenten der Telematikinfrastruktur im Vorfeld ausreichend getestet werden“, so Dipl.-Stom. Jürgen Herbert, BZÄK-Vorstandsreferent für Telematik. 


Senkung der Umsatzsteuer auch relevant in Zahnarztpraxen

Nach dem zweiten Corona-Steuerhilfegesetz soll vom 01. Juli bis 31. Dezember 2020 voraussichtlich der umsatzsteuerliche Regelsatz von 19 Prozent auf 16 Prozent und der ermäßigte Satz von 7 Prozent auf 5 Prozent abgesenkt werden.
Wird gesetzlich nichts anderes bestimmt, gelten die Änderungen für Lieferungen, sonstige Leistungen und innergemeinschaftliche Erwerbe für den Zeitraum der Änderung.

Hiervon betroffen sind selbstverständlich auch die Steuersätze für zahntechnische Leistungen. Die neuen Steuersätze gelten für alle Umsätze, die in diesem Zeitraum ausgeführt werden. Dies gilt auch für Zahnärztinnen und Zahnärzte, denen empfohlen wird, sich mit ihrem steuerlichen Berater für Details abzustimmen.


Kernleistung

Die Professionelle Zahnreinigung (PZR) ist die mit Abstand am häufigsten abgerechnete Leistung der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ).  

Laut Hochrechnung der GOZ-Analyse der BZÄK entfielen 2018 über 43 Prozent aller abgerechneten Leistungspositionen bei privat Vollversicherten auf diese Ziffer. Infolge der Coronakrise sind gerade im Bereich Prophylaxe extreme Einbußen zu verzeichnen - und damit in einem Bereich, in dem es kaum Nachhol-Effekte geben wird.

Quelle: GOZ-Analyse der Bundeszahnärztekammer


GOZ-Count Up

Zeit der Nichtanpassung des Punktwertes der Gebührenordnung für Zahnärzte aktuell: 31 Jahre und 5 Monate.


Im Durchschnitt mehr als sechs Mitarbeiter:

Neue Infografik zu Zahnarztpraxen

Eine neue Infografik der BZÄK zeigt die Zahlenverhältnisse in Zahnarztpraxen: Ein niedergelassener Zahnarzt beschäftigt im Durchschnitt mehr als sechs weitere Mitarbeiter.

Download Grafik "72.125 Zahnärzte und ihre Teams"


Neue Infografik „Kariesbefall bei 12-Jährigen im internationalen Vergleich“

Die BZÄK hat eine neue Infografik „Kariesbefall bei 12-Jährigen im internationalen Vergleich“ erstellt, die den DMF-T-Index bei 12-Jährigen im Ländervergleich einordnet. Deutschland nimmt nach wie vor einen Spitzenplatz in der Mundgesundheit ein:

Download Grafik "Kariesbefall im internationalen Vergleich"


10 Jahre Zusammenarbeit SOD und BZÄK

Die Bundeszahnärztekammer unterstützt seit Juni 2010 als Schirmherrin Special Smiles, das zahnärztliche Gesundheitsprogramm während der Special Olympics Deutschland (SOD). Menschen mit geistiger Behinderung gehören zur Hochrisikogruppe für Karies und Zahnfleischerkrankungen. Das Engagement bei Special Smiles mit Untersuchungen, Anleitung und Übungen zur Mundhygiene birgt das Potential, die Mundgesundheit dieser Patientengruppe nachhaltig zu verbessern.


www.bzaek.de HON-zertifiziert

Die BZÄK-Website wurde erneut mit dem HONcode zertifiziert, dem Zertifikat für medizinische und gesundheitsbezogene Internetseiten.


Initiative proDente

proDente bietet aktuell zu den Themen „Gesunde Milchzähne“ und „Zahnbürsten“ kostenlose Texte, Fotos, Grafiken sowie einen Film (https://t1p.de/r01e / https://t1p.de/sk3g). Zudem wurden Pressemitteilungen zum Weltnichtrauchertag (https://t1p.de/dv3j) und zum Zähneknirschen durch Stress (https://t1p.de/4lob) sowie ein kostenfreier dentaler Sprachführer für den Urlaub (https://t1p.de/jynw) veröffentlicht.


„EU4Health“ - Europäische Kommission will EU-Mittel für Gesundheit massiv aufstocken

Als Reaktion auf die Covid-19-Pandemie hat die Europäische Kommission am 27. Mai ihre Vorschläge für einen umfassenden europäischen Aufbauplan vorgelegt: einen EU-Finanzrahmen von 2021 bis 2027 sowie einen Aufbauplan „NextGenerationEU“.

Die Kommission schlägt eine massive Aufstockung der EU-Mittel im Bereich Gesundheit vor. So sind ein EU-Gesundheitsprogramm „EU4Health“ mit 9,4 Milliarden Euro sowie eine Anhebung der Mittel des EU-Forschungsrahmenprogramms vorgesehen. Vor der Pandemie waren nur 419 Millionen Euro für das Gesundheitsprogramm eingeplant. Die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament müssen die Vorschläge bis Jahresende billigen, mit einer Kürzung ist jedoch kaum zu rechnen. Der Vizepräsident der EU-Kommission, Margaritis Schinas, bezeichnete das EU-Gesundheitsprogramm als „erste Stufe beim Aufbau einer Gesundheitsunion“.

https://ec.europa.eu/germany/news/20200528-eu-gesundheitsprogramm_de


Pandemie wird deutschen EU-Ratsvorsitz verändern 

Ab dem 1. Juli 2020 übernimmt die Bundesrepublik Deutschland den rotierenden Vorsitz des Rats der Europäischen Union. Der Umgang mit den Folgen der Corona-Pandemie wird das beherrschende Thema der kommenden Monate sein. Kernanliegen der Bundesregierung ist der Abschluss der Beratungen über den mehrjährigen EU-Finanzrahmen von 2021 bis 2027.

Gesundheitsthemen werden von einer politischen Aufwertung profitieren. So will sich die Bundesregierung als Lehre aus der Pandemie für eine Verbesserung des EU-Krisenmanagements und des EU-Katastrophenschutzverfahrens einsetzen. Dazu gehört u.a. eine Aufwertung des European Center for Disease Prevention and Control (ECDC), einer EU-Agentur, die ein digitales Frühwarnsystem für Pandemien entwickeln soll.

Ferner soll die Frage von Lieferengpässen bei Arzneimitteln, Medizinprodukten und persönlicher Schutzausrüstung angegangen und die Produktion dieser Artikel innerhalb Europas gestärkt werden. Ein thematischer Schwerpunkt bleibt die Digitalisierung, allerdings mit Verschiebung in Richtung „Tracing Apps“, um mögliche Infektionsgeschehen nachverfolgen und eingrenzen zu können.

Mehr unter:  www.eu2020.de/


 

Zahnärztekammern der Länder