KlartextKlartext 09/09

Deutsche Mundgesundheit: Qualität von morgen, Vergütung von 1988

Zunächst die gute Nachricht: Die (Präventions-)Erfolge in der Zahnmedizin in Deutschland gelten international als Benchmark. Von einer besseren Mundgesundheit profitiert auch das Gesundheitssystem als Ganzes.
Die Mundgesundheit der Bevölkerung in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren in allen Bereichen und über alle Schichten hinweg verbessert. Das unterstreicht unter anderem die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V). In keinem Land der Welt wird Karies bei Kindern so erfolgreich bekämpft und der Zahnlosigkeit im Alter so effektiv vorgebeugt wie in Deutschland. Schwere Zahnerkrankungen verschieben sich hier zu Lande immer weiter in das hohe Alter, ein Wandel von Reaktion zu Prävention in Deutschland ist Realität.

Realität in Deutschland ist jedoch auch ein Stillstand in der Vergütung und Wertschätzung dieser Leistungen. So beträgt der Grundwert der Gebührenordnung für Zahnärzte noch immer 11 Pfennig – wie vor über 30 Jahren. Diese 11 Pfennig stammen aus einer Zeit, die mit der heutigen wenig gemein hat. Während sich Technologien und Arbeitsformen der zahnärztlichen Arbeit revolutioniert haben, bleibt der Punktwert der GOZ ein Überrest aus einer Zeit von Mauer und Kaltem Krieg. Ein zeitgemäßer Ansatz, der den Fortschritt würdigt, wäre insofern nicht nur gerecht, sondern längst überfällig.
#11Pfennigtwitter.com/bzaek_eV
www.bzaek.de/fileadmin/PDFs/goz/nov/kostenindex.jpg

GOZ-Count Up

Zeit der Nichtanpassung des Punktwertes der Gebührenordnung für Zahnärzte aktuell:
30 Jahre und 8 Monate.

Das Bundesverfassungsgericht wies 2001, vor 18 Jahren, darauf hin, dass statt einer Novellierung des GOZ-Punktwertes zunächst gegebene Spielräume genutzt werden müssten. Anders als gemeinhin angenommen, sind die Spielräume der GOZ aber denkbar klein. Das Bundesverfassungsgericht wird wohl an die Möglichkeit gedacht haben, mit den Patienten Honorarvereinbarungen zu schließen. Ein Vorschlag, der sich kaum als Lösungsmöglichkeit für die gesamte Zahnmedizin anbietet. Es führt kein Weg daran vorbei: In Anbetracht des rapiden Wandels zahnärztlicher Arbeit und der Erweiterung des Leistungsbereichs ist die Politik aufgerufen, die GOZ endlich aktuell auszugestalten.

Wenn Privathonorare schlechter als die Kassenbehandlung bewertet sind

Die durch den Verordnungsgeber unterlassene Punktwertanpassung der GOZ führt dazu, dass jährlich weitere GOZ-Honorare unter die Sätze der Kassenbehandlung fallen. Für etliche Leistungen stellt die GOZ inzwischen Honorare zur Verfügung, die teilweise deutlich unter den Sätzen der Gesetzlichen Krankenversicherung (Bema) liegen. Tatsächlich sind derzeit etwa 60 Leistungen in der GOZ schlechter bewertet als im Bema.
Eine Zusammenstellung (März 2017) hat die BZÄK veröffentlicht unter:
www.bzaek.de/fileadmin/PDFs/goz/BEMA_GOZ_.pdf.

Es ist sinnvoll, hierüber die Patienten zu informieren, da dieser Umstand und die damit verknüpften betriebswirtschaftlichen Aspekte nur wenigen Patienten hinreichend bekannt sind. Sind Leistungen betriebswirtschaftlich nicht mehr kostendeckend zu erbringen, kommt eine Honorarvereinbarung zwischen Zahnarzt und Patient in Betracht. Ein Vereinbarungsmuster finden Sie hier:
ww.bzaek.de/fileadmin/dl/MUSTER_Vereinbarung___1_2_GOZ.pdf

Dieses kann unter Berufung auf das Urteil des AG Düsseldorf vom 21. Januar 2016 (Aktenzeichen: 27 C 11833/14) Verwendung finden. Mehr auch unter:
www.bzaek.de/fileadmin/PDFs/GOZ/BEMA_GOZ_Fragen.pdf

Lieblingsberuf

Unter weiblichen Ausbildungsanfängerinnen ohne deutsche Staatsangehörigkeit war Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA), 2018 der beliebteste Ausbildungsberuf.

17,4 Prozent dieser Gruppe entschieden sich für eine ZFA-Ausbildung.

(Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 11, Reihe 3, Berufliche Bildung)

Welttag der Patientensicherheit: Neuer ‚Besonderer Fall‘ aus „CIRS dent – Jeder Zahn zählt!“ veröffentlicht

Komplikationen im Zusammenhang mit intraoraler Leitungsanästhesie sind in der zahnärztlichen Praxis keine Seltenheit. Zum Thema wurde nun ein anonymer Fall aus dem Berichts- und Lernsystem „CIRS dent - Jeder Zahn zählt!“ veröffentlicht. Bei dem Fall handelt es sich um eine Notfallsituation in der Praxis.

Mit „CIRS dent - Jeder Zahn zählt!“ leistet die Zahnärzteschaft einen Beitrag zur Sicherheit der Patienten und für eine gute Fehlerkultur in den Praxen.
Der 17. September wurde von der WHO als Welttag der Patientensicherheit ausgerufen, das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS), dem auch die BZÄK angehört, nutzt dieses Datum als Aktionstag.
Zum aktuellen „Besonderen Fall“: www.zm-online.de/news/zahnmedizin/

Rat bei komplexen Fragen: Jahresbericht der Zahnärztlichen Patientenberatung

Die qualifizierten Beratungsstellen der Zahnärzteschaft bieten kostenfrei Hilfestellung für Patienten. Der 3. Evaluationsbericht des Zentrums Zahnärztliche Qualität (ZZQ) zur zahnärztlichen Patientenberatung hat das Schwerpunktthema „Kostentransparenz“ und wurde aktuell veröffentlicht.

Insgesamt wurden 2018 bundesweit 35.532 Beratungen geleistet, davon etwa 6.200 Beratungen im Zusammenhang mit Behandlungskosten. Die meisten Ratsuchenden (85 Prozent) waren gesetzlich, circa 7 Prozent privat krankenversichert, das entspricht in etwa der Gesamtbevölkerung.
In mehr als 81 Prozent der Gespräche konnte das Anliegen der Patienten abschließend bearbeitet werden.
Weitere Informationen, Jahresbericht sowie Patienteninformationen zu Abrechnung und Erstattung zahnärztlicher Leistungen, etwa eine interaktive Beispielrechnung und ein animierter HKP, unter:
www.patientenberatung-der-zahnaerzte.de
www.bzaek.de

Bedarfsgerechte Versorgung: Illusion oder Wirklichkeit?

Die zahnmedizinische Versorgung in Deutschland ist in einem Wandel begriffen: Die aktuelle Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V) zeigt sich wandelnde orale Morbiditätslasten.
Auf der Patientenseite vollzieht sich ein nachhaltiger demografischer Wandel. Hinzu kommt ein Strukturwandel in der zahnärztlichen Versorgung. Zusammen bedeutet dies sich verändernde Versorgungsbedarfe. Wie sie in Zukunft sichergestellt werden können, welche Steuerungselemente möglich wären, wird in einem aktuellen Beitrag diskutiert:
www.idz.institute/publikationen/zeitschriftenbeitraege/bedarfsgerechte-versorgung.html

Wegeweiser für Kindergesundheit

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will die Gesundheitsförderung und Prävention bei Kindern und Jugendlichen weiter stärken. Der „Wegeweiser zum gemeinsamen Verständnis von Gesundheitsförderung und Prävention bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ soll zur stärkeren Vernetzung beitragen. Er wurde mit Vertretern von Gesundheitswesen, Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwissenschaften, Familien-, Kinder- und Jugendhilfe entwickelt, die BZÄK ist hier ebenfalls eingebunden.
Vorgesehen ist beispielsweise, dass Gesundheitsförderung und Prävention Bestandteil kommunaler Gesamtkonzepte werden. Kinder und Jugendliche sollen eine möglichst große Gesundheitskompetenz erwerben.
www.bundesgesundheitsministerium.de/wegeweiser-kindergesundheit

25. September ist Tag der Zahngesundheit

Der Tag der Zahngesundheit (TdZ) steht 2019 unter dem Motto „Gesund beginnt im Mund – Ich feier’ meine Zähne!“ und fokussiert Jugendliche.
„Die engmaschige Prophylaxe in der Zahnmedizin erfasst auch benachteiligte Kinder und Jugendliche. Sie sollte auch für die 14- bis 17-Jährigen von der Gesundheitspolitik weiter intensiv gefördert werden“, so Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, BZÄK-Vizepräsident.

Mehr zum Tag der Zahngesundheit unter: www.bzaek.de/presse/presseinformationen.html
und twitter.com/tdz2509

Zukunftskongress: Praxisgründungs-Slam auf dem Deutschen Zahnärztetag   

Welche Fehler sollte ich bei der Praxisgründung vermeiden? Was muss ich bei der Praxisgründung wo anmelden? Muss ich die Arbeitsverträge des Personals bei einer Praxisübernahme übernehmen? Bedeutet Schwangerschaft immer eine sofortige Freistellung oder gibt es Ausnahmen? Auf dem diesjährigen Zukunftskongress am 09. November hat der Berufsnachwuchs die Möglichkeit, juristische und andere Fragen zu Praxisgründung, Praxis und Familie etc. an die Referenten zu stellen. Die Teilnahme am Zukunftskongress ist kostenfrei. Alle Informationen unter: www.zukunftskongress-beruf-familie.de/

Deutscher Zahnärztetag 2019

Die Bundesversammlung der Bundeszahnärztekammer im Rahmen des Deutschen Zahnärztetags 2019 findet am 15./16. November in Berlin statt. Der wissenschaftliche Kongress findet am 08./09. November in Frankfurt am Main statt.
Alle Informationen zu den verschiedenen Veranstaltungsformaten finden Sie hier: www.bzaek.de/deutscher-zahnaerztetag.html

Weltzahnärzteverband FDI positioniert sich zu globaler Gesundheitspolitik

Der weltweite Abbau von Ungleichheiten im Bereich Gesundheit sowie die Bekämpfung globaler Gesundheitsprobleme standen im Zentrum des Jahreskongresses des Weltverbands der Zahnärzte, der Fédération Dentaire Internationale (FDI), der vom 02. bis 07. September in San Francisco stattfand.

Die FDI verabschiedete diverse Stellungnahmen, u.a. zu Antibiotikaresistenzen, Infektionsprävention, eLearning, Maßnahmen für gesundheitliche Chancengleichheit, verbesserten Zugang zu (zahn)medizinischer Versorgung auch in gefährdeten und unterversorgten Regionen. Auch zahnärztliches Fachpersonal sollte nicht abgeworben werden, der FDI schließt sich hier dem Code of Practice zur ethischen Rekrutierung von Gesundheitskräften der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an.

„Die BZÄK sieht mit Sorge das Problem anhaltender Antibiotikaresistenzen sowie die Unterversorgung von Bevölkerungsgruppen. Gemeinsam wollen wir handeln, eng mit allen regionalen Stakeholdern zusammenarbeiten und die FDI als starken Akteur in der globalen Gesundheitspolitik positionieren. Auch wenn die Zahnmedizin nur einen Ausschnitt der Gesundheitsversorgung darstellt, in der weltweiten Gemeinschaft können wir einiges erreichen“, so BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel.

Für die Amtsperiode 2019 bis 2021 hat Dr. Gerhard Seeberger die Präsidentschaft der FDI übernommen, President-Elect wurde die Marokkanerin Prof. Ihsane Ben Yahya, sie wird ab 2021 an der FDI-Spitze stehen. Auch Dr. Peter Engel war bei der Wahl angetreten.
Dr. Juliane von Hoyningen-Huene wurde zur Vorsitzenden der FDI-Sektion Women Dentists Worldwide gewählt.
www.fdiworlddental.org/

Ressort Gesundheit sowie Binnenmarkt: designierte EU-Kommissare vorgestellt

Die neue Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, hat am 10. September die 27 designierten EU-Kommissare vorgestellt. Künftig soll es acht statt sechs Vizepräsidenten geben, drei als sog. geschäftsführende Vizepräsidenten, die die Prioritäten der Präsidentin, d.h. Klima, Digitales und Wirtschaft, verantworten.

Die aus zahnärztlicher Sicht wichtigsten Portfolios gehen an zwei Frauen: Stella Kyriakides (Zypern) soll das Ressort Gesundheit und Lebensmittelsicherheit übernehmen, Binnenmarkt soll an Sylvie Goulard (Frankreich)  gehen. Das Europäische Parlament muss dem Kollegium seine Zustimmung aussprechen, die Bestätigung ist für Ende Oktober geplant.  
Designierte Kandidaten, Vitae und Aufgabenbeschreibung unter:
https://ec.europa.eu/commission/interim/commissioners-designate_de

Europäische Kommission: Studie zur Ausbildung von Zahnärzten und Apothekern ausgeschrieben

Die Generaldirektion Binnenmarkt der Europäischen Kommission hat eine Studie ausgeschrieben, um zu untersuchen, ob die in der Berufsanerkennungsrichtlinie festgelegten Mindestvorgaben für die Ausbildung von Zahnärzten und Apothekern modernisierungsbedürftig sind und wenn ja, in welchem Umfang. Die Studie wird mit 380.000 Euro ausgestattet und soll 15 Monate nach Vergabe fertig sein.
In der Ausschreibung weist die Kommission darauf hin, dass die zahnärztlichen Mindestausbildungsanforderungen über 30 Jahre alt sind, einige Mitgliedstaaten ihre Ausbildungsinhalte inzwischen modernisiert haben.

In der Studie sollen vor allem die nationalen Anforderungen untersucht werden, die über die geforderten Mindestvorschriften hinausgehen. Soweit es zur Erläuterung relevanter Ausbildungsentwicklungen erforderlich ist, soll die Studie auch eine Analyse nationaler Gesundheitssysteme enthalten.
Informationen zur  Studienausschreibung: https://etendering.ted.europa.eu

Zahnärztekammern der Länder