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Deutscher Zahnärztetag 2016 – Standespolitischer Teil in Berlin
Der Standespolitische Teil des Deutschen Zahnärztetags 2016 fand vom 17. bis 19. November in Berlin statt, der Wissenschaftliche Kongress vom 10. bis 12. November in Frankfurt am Main.
Der Deutsche Zahnärztetag verbindet Standespolitik, Praxis und Wissenschaft und wurde auch 2016 auf Grund der Fülle an Veranstaltungen zweigeteilt.

In Berlin wurde der Festakt am 17. November gemeinsam von Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung (KZBV) und Deutscher Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) begangen. BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel forderte die Politik auf, die Vorteile einer freiberuflichen, unabhängigen, dem Patienten dienenden Tätigkeit – wie sie die Zahnärzte tagtäglich ausüben – mehr zu schätzen. Die Erfolge in der Mundgesundheit in Deutschland wären ein guter Beleg, dass die derzeitige Aufstellung richtig sei.

Die Delegierten der BZÄK wählten auf ihrer Bundesversammlung den Geschäftsführenden Vorstand der Bundeszahnärztekammer. Für die neue, vierjährige Legislaturperiode wurden Dr. Peter Engel sowie die beiden Vizepräsidenten Prof. Dr. Dietmar Oesterreich und Prof. Dr. Christoph Benz im Amt bestätigt.

Im Rahmen der BZÄK-Bundesversammlung wurden Anträge zur Stärkung der Selbstverwaltung, zur Digitalisierung, Aus- und Fortbildung der ZFA, Delegation, gegen Substitution und gegen einen ‚Zahnarzt light‘ gestellt. Weitere Diskussionspunkte waren u. a. die GOZ-Novellierung sowie die GOÄ-Novelle.

Der Bundesminister für Gesundheit, Hermann Gröhe, MdB, verwies in seinem Grußwort auf der BZÄK-Bundesversammlung auf die neue Approbationsordnung Zahnmedizin, deren Referentenentwurf nun vorliege. Der Minister bat um Unterstützung der Zahnärzte auf Länderebene in der Umsetzung. Zudem dankte Gröhe für die kontinuierlichen Präventionsbemühungen der Zahnmediziner, die uneingeschränkt positiv wahrgenommen würden.

Anlässlich der gemeinsamen politischen Pressekonferenz zum Deutschen Zahnärztetag 2016 sprachen sich BZÄK, KZBV und DGZMK für praxistaugliche politische Rahmenbedingen für die Zahnmedizin aus. Das Expertenwissen der zahnmedizinischen Selbstverwaltung und Fachgesellschaften sei nicht zu ersetzen und nutze Zahnmedizinern und Patienten gleichermaßen.

Informationen zum Deutschen Zahnärztetag 2016 finden Sie unter:
www.bzaek.de/deutscher-zahnaerztetag.html

Informationen zum Kongressteil unter: http://www.dtzt.de/


Bundeszahnärztekammer: Dr. Peter Engel und Vizepräsidenten im Amt bestätigt

Die BZÄK-Bundesversammlung wählte am 18. November den Geschäftsführenden Vorstand der Bundeszahnärztekammer.

Die Delegierten wählten erneut Dr. Peter Engel zum BZÄK-Präsidenten. Als Vizepräsidenten wurden Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Präsident der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern, und Prof. Dr. Christoph Benz, Vorstandsmitglied der Bayerischen Landeszahnärztekammer, im Amt bestätigt.

Grußansprachen zur Eröffnung

Der Festakt des Deutschen Zahnärztetags 2016 fand in Berlin am 17. November statt. BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel begrüßte rund 400 Gäste aus Politik, Verbänden und Medien. Engel kritisierte den Druck auf den Freien (Zahn-)Arzt-Beruf und auf die Selbstverwaltung, die Nivellierungsbestrebungen der Europäischen Union sowie die zunehmende Ökonomisierung des Gesundheitswesens. Diese Herausfor-derungen gelte es gemeinsam zu meistern. Ebenso wie die der Digitalisierung inklusive Big Data – mit den Risiken der unkontrollierten Datensammelwut.

Der Vorstandsvorsitzende der KZBV, Dr. Wolf-gang Eßer, und die Präsidentin der DGZMK, Prof. Dr. Bärbel Kahl-Nieke, betonten, dass die zahnmedizinischen Organisationen und wissenschaftlichen Fachgesellschaften sich ihrer Verantwortung für die Gesellschaft sehr bewusst seien. Um handlungsfähig zu bleiben, seien jedoch politische Rahmen-bedingen notwendig, die praktikable Grundvoraussetzungen ermöglichten.

Festredner Peter Müller, Richter am Bundesverfassungsgericht, beleuchtete in seinem Vortrag „Der freie Beruf aus staats- und verfassungsrechtlicher Sicht“ die Besonderheiten der Freien Berufe. Freie Berufe seien eine Vertrauensdienstleistung mit Gemeinwohlbelang, die in keiner Weise mit herkömmlichen gewerblichen Berufen vergleichbar seien. Auf der europäischen Ebene sei dieses Modell aber kaum bekannt und die Idee des Freien Berufs hätte nicht viele Bündnispartner. Europa höhle anscheinend schrittweise die Freien Berufe aus. Dies sei keine gute Lösung. Denn Markt schaffe keine Gerechtigkeit, Markt schaffe keinen sozialen Ausgleich. Letztendlich gebe es in Deutschland zwar einen grundgesetzlichen Schutz der Freien Berufe, und aus staats- und verfassungsrechtlicher Sicht spräche viel für die Zukunft der Freien Berufe. Ob dies gelänge, sei jedoch eine Frage des gesamtgesellschaftlichen Bewusstseins. Und eine Frage des politischen Diskurses.

Ehrungen der Bundeszahnärztekammer

Anlässlich der feierlichen Eröffnungsveranstaltung des Deutschen Zahnärztetags wurden Michael Schwarz, ehem. Präsident der Bayerischen Landeszahnärztekammer, Dr. med. Frank Dreihaupt, ehem. Präsident der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt sowie OMR Dr. Wolfgang Doneus, Österreich, u.a. ehem. Präsident des Council of European Dentists, von BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel mit der Ehrennadel der deutschen Zahnärzteschaft in Gold für ihre Verdienste um den zahnärztlichen Berufsstand ausgezeichnet.

BZÄK-Bundesversammlung: Berichte der Präsidenten

BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel appellierte in seinem politischen Bericht, das deutsche  Gesundheitssystem für die nächsten Jahrzehnte zukunftsfest zu machen, damit weiterhin jeder  Patient Zugang zu einer hochwertigen, freiberuflich organisierten Versorgung habe. Die Selbstverwaltung habe dafür zuverlässige Strukturen. Es sei nun an der Politik, diese zu unterstützen statt schädliche Eingriffe à la GKV-Selbstverwaltungsstärkungsgesetz vorzunehmen und undifferenzierte Forderungen zu stellen. Weiterhin warnte Engel vor den Risiken einer Bürgerversicherung, die derart schönfärberisch bezeichnet allerdings Einheitsversicherung meine und mit Sicherheit keine Verbesserung für die medizinische Versorgung der Bürger bewirke. Auch der Vorstoß der Europäischen Kommission, berufsrechtliche Vorgaben zu Berufszugang und -ausübung aufzuweichen, allein um das Wirtschaftswachstum zu stärken, sei nicht tolerabel. Im Sinne des Patientenschutzes müsse das Qualitätsniveau des Behandlers gesichert sein.
Engel thematisierte zudem den Aktualisierungsstau der GOZ sowie der 60 Jahre alten Approbationsordnung Zahnmedizin, letztere sei nun erfreulicherweise im Referentenentwurf vorgelegt worden.

BZÄK-Vizepräsident Prof. Dr. Dietmar Oesterreich verwies auf die eindrucksvolle Bilanz zur Mundgesundheit in Deutschland, die die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie ermittelt hätte. Dies hätten Politik und die Medien anerkennend zur Kenntnis genommen. Natürlich blieben Herausforderungen, wie die Versorgung von Menschen mit Pflegebedarf oder mit Behinderung als auch bei Menschen in sozial schwierigen Lebenslagen sowie die Aufklärung über Parodon-talerkrankungen. Hier gebe es bereits Konzepte. Oesterreich bestärkte die Zahnärzte in ihrem Engagement und dankte den Mitarbeitern in den zahnärztlichen Praxen, ohne die die Erfolge nicht denkbar wären.

Prof. Dr. Christoph Benz, BZÄK-Vizepräsident, thematisierte die Digitalisierung im Gesundheitswesen, damit sei nicht der digitale Workflow gemeint, sondern Internet, Apps und Big Data. Es zeige sich, dass bei medizinisch ausgerichteten Anwendungen nicht automatisch eine medizinische Verlässlichkeit gegeben sei, auch dürfe Korrelation nicht mit Kausalität verwechselt werden. Der Schutz sensibler Daten sei überdies unbedingt zu gewährleisten.
Benz berichtete weiterhin über die zunehmende Betrachtung von Evidenzparametern als Instrument für Versorgungssteuerung und Planungsentscheidungen im Gesundheitswesen. Zu kleinliche bürokratische Regeln könnten allerdings nicht die Lösung für alle Probleme im Gesundheitswesen liefern.

Grußwort des Bundesgesundheitsministers auf der Bundesversammlung

Der Bundesminister für Gesundheit, Hermann Gröhe, MdB, verteidigte in seinem Statement auf der BZÄK-Bundesversammlung seine Entscheidung, ein GKV-Selbstverwaltungsstärkungsgesetz zu verabschieden. Gegenüber dem Referentenentwurf sei der jetzt im Kabinett verabschiedete Regierungsentwurf bereits deutlich verändert, es werde keine Fachaufsicht geben, erklärte der Minister.

Gröhe verwies weiterhin auf die neue Approbationsordnung Zahnmedizin, deren Referentenentwurf jetzt vorliege und in die Länder und Verbände geschickt sei. Der Minister bat um Unterstützung der Zahnärzte auf Länderebene in der Umsetzung. Viele Vorschläge seien angegangen worden, auch das Betreuungsverhältnis an den Universitäten müsse besser werden. Er sei eigentlich ganz optimistisch, dass der Prozess noch in dieser Legislaturperiode abgeschlossen werden könne.  
BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel bat den Bundesgesundheitsminister in einer kleinen Replik um Unterstützung bei der Umsetzung der Approbationsordnung bezogen auf die im Gesetzentwurf verankerte Kostenneutralität der Implementierung an den Hochschulen. Die Hochschulen stünden unter hohem finanziellen Druck und wären finanziell am Limit. Es sei unumgänglich, dass für die Qualität ein gewisser Etat bereitgestellt werden müsse.  

Gröhe positionierte sich zudem erneut deutlich für das Zwei-Säulen-System des deutschen Gesundheitswesens mit Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung. Dieser Systemwettbewerb gehöre zum soliden Fundament des deutschen Gesundheitssystems.
In seinem Grußwort lobte der Minister erneut das erfolgreiche Engagement der Zahnärzte zum Beispiel für Pflegebedürftige sowie das zahnärztliche Konzept für die Bekämpfung der Early Childhood Caries. Hier seien die Zahnärzte Schrittmacher gewesen, sie hätten die Prävention selbst angeschoben, der Gesetzgeber habe dann die entsprechenden gesetzlichen Weichen gestellt. Man sei sinnbildlich gemeinsam die Treppen hochgestiegen.

Auch an ganz anderer Stelle habe er das Engagement der Zahnmedizin sehen können: bei den Special Olympics Deutschland in seinem Kreis habe er gesehen, wie Zahnärzte und Zahnmedizinstudenten ehrenamtlich Menschen mit Behinderung die Mundhygiene erklärten.
Auch für dieses gesellschaftliche Engagement danke er dem Berufsstand sehr.

Beschlüsse der BZÄK-Bundesversammlung

Die Bundesversammlung der Bundeszahnärztekammer fasste Beschlüsse zu gesundheits- und sozialpolitischen Themen, u. a. wurden Anträge zur  Stärkung der Selbstverwaltung, zur Digitalisierung, zur Aus- und Fortbildung, zur Stärkung  der  Attraktivität des Berufsbildes der ZFA, zum Thema Delegation sowie gegen die Substitution zahnärztlicher Tätigkeiten  und gegen einen ‚Zahnarzt light‘ gestellt. Weitere Diskussionspunkte waren u. a. die Novellierung der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) sowie die Novelle der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ).

Alle an die Politik gerichteten Beschlüsse der BZÄK-Bundesversammlung werden unter:
www.bzaek.de/deutscher-zahnaerztetag.html eingestellt.

Expertenwissen ist nicht zu ersetzen - BZÄK, KZBV und DGZMK zum Deutschen Zahnärztetag 2016

Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) und Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) betonten auf ihrer gemeinsamen Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Zahnärztetages, dass überbordende Bürokratie, juristische Übersteuerung oder Vorgaben wie durch das GKV-Selbstverwaltungsstärkungsgesetz (GKV-SVSG) besonders für Heilberufe schädlich seien.
Zur gemeinsamen Pressemitteilung und den Statements:
www.bzaek.de/deutscher-zahnaerztetag.html 

Zukunftskongress Beruf und Familie

Speziell an die jungen Kollegen – Angestellte und Assistenten – wandte sich der 3. Zukunftskongress auf dem Wissenschaftlichen Kongress des Deutschen Zahnärzte-tags unter dem Motto „Start Up - Praxis und Familiengründung“ am 12. November in Frankfurt am Main. Der Zukunftskongress bot die Gelegenheit, sich zu den Themen „Praxisgründung – low budget?“, „Verträge mit Hirn und Herz“, „Schwangerschaft und Zahnarztpraxis - das neue Mutterschutzgesetz“ und über Gehaltsvorstellungen und Praxisgründungsfinanzierung zu informieren.
Die Referenten gaben Infos, Tipps und teilten ihre Erfahrungen zum Start in die Selbstständigkeit. Darüber hinaus gab es einen Einblick in die Arbeit der Berufspolitik.
Weitere Informationen unter:
www.zukunftskongress-beruf-familie.de 

Statistisches Jahrbuch 2015/2016 der BZÄK

Das Statistische Jahrbuch der Bundeszahnärztekammer wurde neu aufgelegt. Die Ausgabe 2015/2016 listet aktuelle Daten und Entwicklungen in der Zahnmedizin auf. Basis sind Statistiken aus den (Landes-)Zahnärztekammern, dem Institut der deutschen Zahnärzte, der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung sowie der BZÄK, ergänzt um (inter-)nationale Daten und Studien zur zahnärztlichen Versorgung bzw. zum Gesundheitsverhalten.

Das Statistische Jahrbuch kann für 10 Euro zzgl. MwSt und Versand über die Bundeszahnärztekammer bezogen werden:
www.bzaek.de/wir-ueber-uns/daten-und-zahlen.html 

 

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Zahnärztekammern der Länder