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Deutscher Zahnärztetag 2018

Der Deutsche Zahnärztetag 2018 fand vom 07. bis 10. November in Frankfurt am Main statt.
Als Großevent von zahnmedizinischer Wissenschaft, Politik und Praxis wird er gemeinsam von Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung (KZBV) und Deutscher Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) durchgeführt. Zum Eröffnungsfestakt am 08. November umrissen die drei Organisationen die Bedeutung von Therapiefreiheit: ein (Zahn)Mediziner müsse das therapeutisch Notwendige anwenden dürfen, ohne durch ökonomische Vorgaben von dritter Seite beeinflusst zu werden. Der Politik käme die Aufgabe zu, hier die notwendigen Rahmenbedingungen im Interesse des Patientenschutzes zu gestalten. BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel forderte zudem den Bundesrat auf, der verschleppten Novelle der Approbationsordnung Zahnmedizin nun endlich zuzustimmen. Festredner Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin sprach über Vertrauen, Wahrhaftigkeit und Verlässlichkeit, den drei Normen von Kommunikation.

Im Rahmen der BZÄK-Bundesversammlung wurden Beschlüsse von Approbationsordnung bis Zahnarzt GmbHs gefällt, z.B. zur: Gleichwertigkeitsprüfung als Garant für Patientenschutz und Qualitätssicherung, Ausbildungsverordnung der Pflegeberufe, Approbationsordnung für Zahnärzte, Punktwertanpassung sowie Weiterentwicklung der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ), Zucker und Ernährung sowie zum Thema Gründungsberechtigung von Krankenhäusern für zahnmedizinische MVZ.  

Auf der gemeinsamen politischen Pressekonferenz der drei Dachorganisationen wurden die Risiken, die die Einflussnahme von Fremdinvestoren auf das Gesundheitswesen mit sich bringen, skizziert. Zudem wurde verdeutlicht, wie Leitlinien die fachliche Entscheidungsfindung in der Zahnmedizin unterstützen. BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel betonte außerdem: „Mit der uralten Approbationsordnung möchten wir nicht im Guinness Buch der Rekorde landen!“

Informationen zum Deutschen Zahnärztetag 2018 finden Sie unter:

www.bzaek.de/deutscher-zahnaerztetag.html 

Informationen zum Kongressteil unter: www.dtzt.de  sowie unter #dzt18

Grußansprachen zum Eröffnungsfestakt

Der Deutsche Zahnärztetag 2018 wurde mit einem Festakt in der Frankfurter Paulskirche am 08. November eröffnet. BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel begrüßte 360 Gäste aus Politik, Verbänden und Medien. Er hob hervor, dass Patienten ihren Zahnärzten vertrauen: ihren Diagnosen, Präventions- und Therapievorschlägen, Patienten fällen auf dieser Basis ihre Entscheidungen. Dieses hart erarbeitete Vertrauen dürfe nicht zerstört werden durch Einflussnahme Dritter: Fremdinvestoren oder fehlgesteuerte europäische Wachstumsimpulse.

Festredner Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin sprach über „Vertrauen in Zeiten der Digitalisierung“. Mit Blick auf die Problematik ausländisch kapitalisierter Zahnarzt GmbHs mit Renditeerwartung verwies er auf die Optimierungsfalle: Der Gedanke, tue immer dies, was dein Handeln optimiert, habe zur schweren Finanzkrise vor einigen Jahren geführt. Die Ökonomie des Marktes könne nur erfolgreich sein, wenn die wirtschaftliche Praxis kulturell und ethisch eingebettet bleibt. Ökonomische Rationalität muss in Strukturen verlässlicher, vertrauensvoller Kommunikation eingebunden sein. In der Medizin sei eine ökonomische Optimierung erst recht fehl am Platz. Der Patient vertraue seinem Arzt, dies kann jener nur rechtfertigen, wenn er nicht ökonomisch optimiert agiere. In der Medizin müssten wir alle eine gewisse ökonomische Unvernunft akzeptieren.
Auch die Digitalisierung dürfe personelle Strukturen nicht aufweichen, dies unterminiere das Vertrauen. Die Finanzkrise sei ein Beispiel dafür, wie Technologien zum Krisentreiber werden können.

Ehrungen der Bundeszahnärztekammer

Anlässlich der feierlichen Eröffnungsveranstaltung zeichnete BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel für ihre Verdienste um den zahnärztlichen Berufsstand San. Rat Dr. Michael Rumpf, Rheinland-Pfalz, und
San. Rat Dr. Helmut Stein, Rheinland-Pfalz, mit der Ehrennadel der deutschen Zahnärzteschaft in Gold aus.

BZÄK-Bundesversammlung: Berichte der Präsidenten

In seinem politischen Bericht sprach BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel den tiefgreifenden Strukturwandel an, den die Zahnmedizin durch Demografie, Digitalisierung, zögerliche Politik, überbordende Bürokratie, Einschränkungen der Freiberuflichkeit, ideologische Anfeindungen, Quantensprünge in der Wissenschaft und technologische Innovationsschübe, Datenschutz, missverstandene Deregulierung und zu guter Letzt durch ein höheres Anspruchsverhalten der Patienten und neue Bedürfnisse der Gesellschaft erfahre. Wir müssten vorausdenken: gemeinsam, ohne Egoismen und strategisch, um den Strukturwandel aktiv zu begleiten.
Und: An dem Wert der dienenden Funktion gegenüber dem Patienten dürfe nicht gerüttelt werden. Problem-Lösungen gegen den Druck spekulativen Investorenkapitals in der Medizin seien jetzt politisch nötig. Denn in Deutschland werde alle 36 Stunden ein neues zahnärztliches MVZ gegründet, mit teilweise heterogenen Zielen. Auch Zahnheilkundegesellschaften müssten der zahnärztlichen Berufsaufsicht unterliegen.

Engel verwies weiterhin darauf, dass er den Berufsnachwuchs ausdrücklich motiviere, sich in die berufspolitischen Gremien einzubringen. Gleichwohl sollen in den Gremien die Bedürfnisse der jungen Generation inhaltlich stärker berücksichtigt werden.

BZÄK-Vizepräsident Prof. Dr. Dietmar Oesterreich wies auf die Seismografenfunktion der BZÄK bei der Beobachtung der gesellschaftlichen Veränderungen hin. Vom demografischen Wandel über Digitalisierung in der Medizin, Europäische Nivellierungsbestrebungen bis zu Fehlernährung – es sei Pflicht und Aufgabe, auf Chancen und Risiken der Entwicklungen hinzuweisen, um die Zukunft gemeinsam bewusst zu gestalten.
Ein erfolgreiches Beispiel sei der Erfolg der zahnmedizinischen Prävention. Entlang der wissenschaftlichen Daten habe sich der Berufsstand immer wieder neuen Handlungsfeldern zugewendet.
Aktuell stehe die Parodontitis im Fokus, eine Evaluation des Krankheitserlebens durch Patienten wurde beim IDZ beauftragt.
Ebenfalls aktuell sei die von der BZÄK mitgetragene Forderung nach stärkerer Zuckerreduktion, denn übermäßige Zuckerzufuhr ist eine wesentliche Krankheitsursache z.B. für frühkindliche Karies.
Auch die stetig wachsende Bedeutung der Alters- und Behindertenzahnmedizin wurde im Berichtsjahr mit aktiver Aufklärung und diversen praktischen Bausteinen unterstützt.
Ansonsten sieht sich die BZÄK in der Pflicht, in Zeiten breit streubarerer Fehlinformationen die Öffentlichkeit stets solide, faktenbasiert und auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse zügig zu informieren.

Prof. Dr. Christoph Benz, BZÄK-Vizepräsident, sprach über Digitalisierung: die Zahnmedizin sei eine der digitalsten Arztgruppen – Röntgen, CAD/CAM, computergestützte Restaurationen etc. würden seit Jahren in den Praxen genutzt. Datenschutz würde per se groß geschrieben, die DSGVO habe allerdings große Ernüchterung gebracht.
Benz verwies zudem darauf, dass die Zahnmedizin qualitätsgesichert aufgestellt sei: sehr gute Fortbildungen, Behandlungsdokumentation und Qualitätszirkel sowie ein Fehlermelde und Lernsystem seien Beispiele. Der G-BA gäbe jedoch Prüfpositionen vor, die vieles konterkarierten.
Erfolgreich sei die Zahnmedizin nur im Verbund mit den vielen gutqualifizierten Praxismitarbeitern. 217.000 ZFA seien im Beruf beschäftigt. ZFA sei ein toller Beruf mit guten Aufstiegsfortbildungen. Die ZFA hätten einen großen Anteil an der Weltspitze der deutschen Zahnmedizin, dafür sei man dankbar.
Benz betonte zudem seinen Respekt vor dem Engagement der Teilnehmer der AS Akademie, dem berufsbegleitenden, postgradualem Fortbildungsangebot für Zahnärztinnen und Zahnärzte, die sich in Berufspolitik und Selbstverwaltung engagieren wollen.  

Grußwort des Parlamentarischen Staatssekretärs auf der Bundesversammlung

Dr. Thomas Gebhart, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit (BMG) nahm auf der BZÄK-Bundesversammlung Stellung zu verschiedenen Herausforderungen. So bringe das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) in vielen Punkten Verbesserungen für die Patienten, etwas Entbürokratisierung sowie Unterstützung bei der Sicherstellung der flächendeckenden Versorgung vor allem in ländlichen Regionen, sowie eine stärkere Nutzung der Digitalisierung im Versorgungsalltag. Mit dem TSVG wolle man auch die Attraktivität von MVZ einerseits erhalten, andererseits aber auch die Struktur der niedergelassenen Praxen bewahren. Eine gute zahnärztliche Versorgung setze gewisse Strukturen voraus. Darüber gäbe es unterschiedliche Vorstellungen. MVZ sollen niedergelassene Praxen nicht ersetzen sondern ergänzen. Den Punkt Fremdinvestoren habe man ganz genau im Blick, dies wolle man beobachten. Gesundheitsminister Jens Spahn habe das Thema zur Chefsache gemacht.
Die Approbationsordnung Zahnmedizin sei überfällig und notwendig. Noch sei es nicht gelungen, die ZApprO über die Schwelle zu heben im Bundesrat. Er versichere, man werde dranbleiben und nicht locker lassen.
Zum Thema Digitalisierung äußerte sich Gebhart, man wolle diese vorantreiben, man habe eine eigene Abteilung Digitalisierung und Innovation im Ministerium gegründet. Die Digitalisierung schreite voran, wie gestalten wir den politischen Rahmen, um die Digitalisierung vernünftig zu nutzen, sei die Herausforderung. Auch für die Zahnmedizin seien Sprechstunden per Video denkbar, vor allem im Bereich Pflege.
Gebhart dankte den Praxen für die tagtägliche Arbeit. Die Zahnmedizin genieße zu Recht den Respekt in der Bevölkerung.

Beschlüsse der BZÄK-Bundesversammlung

Die Bundesversammlung der Bundeszahnärztekammer forderte in einer  Resolution den Gesetzgeber auf, die Strukturen einer erfolgreichen zahnmedizinischen Versorgung im deutschen Gesundheitssystem nicht in Frage zu stellen.
Die Bundesversammlung fasste weiterhin diverse Beschlüsse zu gesundheits- und sozialpolitischen Themen. Unter anderem wurden Anträge gestellt zum Bürokratieabbau, zur Gleichwertigkeitsprüfung, zum besseren Schutz von  medizinischem Personal, zur Richtlinienkompetenz für die Festlegung zahnmedizinischer Inhalte der elektronischen Patientenakte (ePA), zur Ausbildungsverordnung der Pflegeberufe, zur Approbationsordnung für Zahnärzte, zur Punktwertanpassung sowie Weiterentwicklung der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ), zum Thema Ernährung im Rahmen (zahn)medizinischer Erkrankungen sowie zum Thema Gründungsberechtigung von Krankenhäusern für zahnmedizinische MVZ.  

Alle an die Politik gerichteten Beschlüsse der Bundesversammlung werden unter: www.bzaek.de/deutscher-zahnaerztetag.html  eingestellt.

Gemeinsame Pressekonferenz von BZÄK, KZBV und DGZMK zum Zahnärztetag 2018

Bundeszahnärztekammer, Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung und Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde betonten auf ihrer gemeinsamen Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Zahnärztetages, dass die zahnmedizinische Versorgung nicht der Rendite versorgungsfremder Investoren diene. BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel betonte, Weisungsunabhängigkeit und ethische Verpflichtung seien primär in der Patientenversorgung, die höchstmögliche Verzinsung ausländischen Investorenkapitals sei es nicht. Wichtig sei außerdem eine aktuelle Zahnärztliche Approbationsordnung (ZApprO), keine von 1955. Sie sei ein Armutszeugnis für den Wissenschafts- und Medizinstandort Deutschland. Zudem bestehe wegen der seit Jahren ausstehenden Novelle zurzeit auch keinerlei rechtliche Regelung für die Anerkennung von Berufsabschlüssen aus Drittstaaten.
Zur gemeinsamen Pressemitteilung und den Statements: www.bzaek.de/deutscher-zahnaerztetag.html

Zukunftskongress Beruf und Familie

Speziell an die jungen Kollegen – Angestellte und Assistenten – wandte sich der Zukunftskongress am 10. November. Unter dem Motto „Praxis und Familie“ veranschaulichten Referenten den praktischen Umgang mit Praxisgründung, Arbeitsverträgen des Personals bei Praxisübernahme, Überstunden, Schwangerschaft und Freistellung u.a., zudem gab es einen Jura Slam.
BZÄK-Vizepräsident Prof. Dr. Christoph Benz sprach über „Praxisgründung – ganz einfach“. Veranstalter des kostenlosen Zukunftskongresses waren BZÄK, Dentista e.V. sowie der Bundesverband der zahnmedizinischen Alumni in Deutschland e.V. (BdZA).

Studententag

Beim Studententag 2018 standen die Themen Kindeswohlgefährdung und Häusliche Gewalt sowie Soziales Engagement im Mittelpunkt. Die Veranstaltung fand am 10. November auf dem wissenschaftlichen Kongress zum Deutschen Zahnärztetag statt. Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der BZÄK, begrüßte zusammen mit Lotta Westphal, 1. Vorsitzende des Bundesverbands der Zahnmedizinstudierenden in Deutschland e.V. (bdzm), PD Dr. Dietmar Weng und DGZMK-Präsident Prof. Dr. Michael Walter die Studierenden und verwies auf die parallel stattfindende Ausstellung der zahnärztlichen Hilfsorganisationen.

Statistisches Jahrbuch 2017/2018 veröffentlicht

Das aktuelle Statistische Jahrbuch der Bundeszahnärztekammer beinhaltet erstmals Daten aus dem Zahnärztlichen Satellitenkonto (ZSK), das den ökonomischen Fußabdruck der Zahnmedizin beziffert. Alle weiteren Daten rund um die Zahnmedizin wurden aktualisiert und fortgeschrieben.

Es kann für 10 Euro zzgl. MwSt. und Versand über die BZÄK bezogen werden: www.bzaek.de/wir-ueber-uns/daten-und-zahlen.html

Online ist auch der aktuelle BZÄK-Jahresbericht abrufbar: www.bzaek.de/jb

 

 

 

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