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Deutscher Zahnärztetag 2019

Der Deutsche Zahnärztetag 2019 fand Anfang November statt. Der Wissenschaftliche Kongress vom 08. bis 09. November in Frankfurt am Main unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK): „Meine Praxis – Meine Zukunft – Trends auf dem Prüfstand“. Anschließend der politische Teil, die Bundesversammlung der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), vom 15. bis 16. November in Berlin.

Zum Festakt verwies BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel auf den historischen Tagungsort Berlin - im November vor 30 Jahren fiel die Berliner Mauer, es veränderte sich fast alles, auch im Gesundheitswesen. Nun sei man wieder an Weichenstellungen, digitale Optionen, (Zahn)Medizin im Investment-Portfolio von ausländischen Investoren und der Einfluss Europas auf nationale Gesundheitssysteme veränderten gesellschaftliche Strukturen und die Zahnmedizin selbst.

Auf der BZÄK-Bundesversammlung wurden diverse Beschlüsse gefällt, z.B. zur: Erhöhung des GOZ-Punktwerts mit jährlicher Dynamisierung, Bürokratieentlastung, Transparenz der Medizinprodukte-Herstellerangaben, Förderung junger Kolleginnen und Kollegen in der Selbstverwaltung, Neuregelung der zahnärztlichen Ausbildung: Reform des ersten Studienabschnitts Zahnmedizin,  datenschutzrechtlichen Verantwortung in der Telematikinfrastruktur, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Selbstständigkeit, flächendeckenden zahnmedizinische Versorgung von Menschen mit Behinderung und Pflegebedürftigen und vielen mehr.
Die Bundesversammlung beschloss zudem, das zahnärztliche Gelöbnis in der Berufsordnung der Bundeszahnärztekammer zu ändern.

Die Delegierten der Bundesversammlung 2019 haben dem Vorstand der BZÄK den einstimmigen Auftrag gegeben, die berufsrechtlichen Regelungslücken zum Schutz der Freiberuflichkeit vor Investoren bei allen Verantwortlichen weiter mit Nachdruck zu adressieren!

Der Anteil der weiblichen Delegierten zur BZÄK Bundesversammlung betrug erstmals 20,6 Prozent (2018: 14,8 Prozent). Vorstand und Bundesversammlung möchten den Anteil junger Kolleginnen und Kollegen in Gremien und Führungspositionen stetig erhöhen.

Informationen zum Deutschen Zahnärztetag 2019 finden Sie unter: www.bzaek.de/deutscher-zahnaerztetag.html sowie unter #dzt19, Informationen zum Kongressteil unter: www.dtzt.de

Grußansprache und Ehrungen der Bundeszahnärztekammer

Am 15. November eröffnete BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel den politischen Teil des Zahnärztetags auf einem Festakt vor Gästen aus Politik, Verbänden und Medien.

Engel verwies auf den Mauerfall im November 1989, nach dem zwei völlig verschiedene Gesundheitssysteme vereint werden mussten. Es gab zum Beispiel intensive Debatten über die Zukunft der Polikliniken. Und die praktische Seite der Niederlassungsfreiheit war eine Herausforderung. Die Freiberuflichkeit stehe 2019 latent auf dem Spiel, so Engel, Investoren GmbHs, die Risiken der Digitalisierung, der steigende Einfluss Europas seien existenziell. Wir müssten Wege finden, die Anforderungen an das Gesundheitssystem und an die Interessen der Zahnärztinnen und Zahnärzte mit den Werten der Freiberuflichkeit in Einklang zu halten.

Anlässlich der feierlichen Veranstaltung zeichnete BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel für ihre Verdienste um den zahnärztlichen Berufsstand RA Peter Knüpper, Bayern, und Dr. Wolfgang Micheelis, Nordrhein, mit der Ehrennadel der deutschen Zahnärzteschaft in Gold aus.

Grußwort des  Staatssekretärs auf der Bundesversammlung

Dr. Thomas Steffen, Staatssekretär des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), gab auf der BZÄK-Bundesversammlung ein Grußwort. Die deutsche Zahnmedizin gelte international als Vorbild. In keinem Land der Welt werde Karies bei Kindern so erfolgreich bekämpft. Besonders die Erfolge in der Prävention seien beispielhaft. Das Leben des Einzelnen habe sich verbessert, aber auch das ganze System. Damit das so bleibt, müsse die zahnmedizinische Ausbildung auf der Höhe der Zeit bleiben. Die aktualisierte Approbationsordnung solle dazu ihren Beitrag leisten. Sie werde im nächsten Oktober in Kraft treten. Bezüglich des Masterplans 2020 wolle man in den Dialog miteinander treten.
Das alles überragende Thema, das auch in die Ausbildung einfließen müsse, sei Innovation/Digitalisierung. Man müsse sich messen lassen am Erfolg anderer, so heiße es in Israel zum Beispiel, man habe den schnellsten Weg zur zweitbesten Lösung. Sein Eindruck sei, in Deutschland habe man immer den längsten Weg zur besten Lösung. Das sei in einer globalen Welt oft zu langsam.
Mehr Zeit für die Behandlung, weniger für die Bürokratie, lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, so Steffen zur Bundesversammlung. Was könne man an welcher Stelle schneller und besser machen? Die Telematik solle dabei behilflich sein, man brauche aber weitere Richtlinien zur IT-Sicherheit und Zertifizierung.
Mit der deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2020 wolle man die Schwerpunkte Innovation und Digitalisierung setzen. In einer globalisierten Welt brauche man die digitale Souveränität von Europa. Man wolle ein assoziiertes Programm erstellen.
Dass Europa mit den Freien Berufen im Spannungsfeld sei, wisse er, man müsse gemeinsam Überzeugungsarbeit in Brüssel leisten, die hohe Bedeutung der Freien Berufe herausstellen.

BZÄK-Bundesversammlung: Berichte der Präsidenten

In seinem politischen Bericht sprach BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel den 30-jährigen Reformstau in der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) und die allgemeinen Preissteigerungen seit 1988 um rund 60 Prozent an. Auch eine fachliche Anpassung der GOZ sei dringend nötig.
Engel verwies weiterhin darauf, dass die Zahnmedizin mit ihrem ökonomischen Fußabdruck durchaus systemrelevant als Wirtschaftsfaktor in Deutschland und als Arbeitgeber sei.
In der Zahnärzteschaft gebe es aktuell einen Generationenwechsel, der auch von anderen Werten und Zielen bestimmt sei – die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei wichtig, die stark gestiegenen Kosten einer Praxisgründung und Bürokratielasten bremsten den Niederlassungswillen. Gemeinschaftspraxen mit Partnern und angestellten Zahnärzten könnten eine Lösung sein, von branchenfremden Managern gesteuerte GmbHs jedoch nicht. Der Fachaufsicht dürfe man sich nicht entziehen können. Hier sei der Gesetzgeber gefordert. Engel verwies zudem auf die überbordende Bürokratie und die BZÄK-Lösungsvorschläge, auf Gesundheits-Apps, Datenkraken und Datenhoheit im Zuge der Digitalisierung sowie auf die Probleme bei der Zertifizierung der Medizinprodukte. Riskant sei das EU-Framing „Deregulierung“, das jedoch nur die Aufweichung des Berufszugangs und eine Verschiebung der Fachaufsicht bezwecke, dafür Qualitätsminderung hinnähme.

BZÄK-Vizepräsident Prof. Dr. Dietmar Oesterreich wies auf die Aktivitäten der BZÄK hin, den Fachkräftebedarf zu sichern und gutqualifizierte Praxismitarbeiter zu gewinnen. Zudem berichtete er über den Nationalen Aktionsplan Dentalamalgam, die sehr erfolgreiche Aufklärungskampagne „Keine Angst vor HIV“, die als positives Beispiel im BMG angesehen wird, die Teilnahme an der Umfrage des Fraunhofer Instituts zum Thema Umwelt sowie über konkrete Schritte, wie der berufliche Nachwuchs unterstützt werden kann. Mit Blick auf das BZÄK-Konzept „Prophylaxe ein Leben lang“ sei dieses Jahr eine weitere Präventionslücke geschlossen: bei der Prävention der frühkindlichen Karies. Für das andere Ende des Lebensbogens sei man ebenfalls sehr engagiert, ab Januar 2020 stünden erstmals bundeseinheitliche Rahmenpläne für die Ausbildung von Pflegekräften zur Verfügung. Das Besondere: Dort sei jetzt auch die Zahn- und Mundpflege mit integriert. Gemeinsam mit den Pflegeberufen sei man zudem bereits dabei, einen Pflegestandard zu entwickeln.

Prof. Dr. Christoph Benz, BZÄK-Vizepräsident, sprach über Digitalisierung, Bürokratie und den ökonomischen Fußabdruck der Zahnmedizin. Die Einsicht, der Arzt stehe im Zentrum der medizinischen Therapie und nicht der Algorithmus, sei ein Fortschritt. Wissenschaft könne man nicht auf Grundlage zufällig anfallender Daten machen, eine Korrelation sei noch lange keine Kausalität.
Das Problem mit der Bürokratie werde nun endlich wahrgenommen. Die deutsche Gründlichkeit sei zu einem Prüfvolumen gekommen, das nur noch blockiere. Die deutsche Lust am Prüfen bremse.
Das Zahnärztliche Satellitenkonto präsentiert die Performance-Parameter der Zahnmedizin. Dabei zeige sich, dass erstaunlicherweise gerade die kleine Struktur der Praxen ein Erfolgsparameter sei, so Benz.

Beschlüsse der BZÄK-Bundesversammlung

Die Bundesversammlung der Bundeszahnärztekammer forderte in einer Resolution den Gesetzgeber auf:

1. die Kommerzialisierung der zahnärztlichen Versorgung zu stoppen,
2. die Sicherstellung des Patientenschutzes auch in den Bereichen des Gesundheitswesens, die nicht der berufsrechtlichen Aufsicht der Zahnärztekammer unterliegen.
3. die Honorierung der privatzahnärztlichen Leistungen durch einen angemessenen, jährlich dynamisierten Punktwert,
4. den Abbau überflüssiger Bürokratie und Verhinderung neuer Bürokratie auf nationaler und europäischer Ebene,
5. die Unterstützung und Förderung der Niederlassung durch Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf,
6. den verantwortungsvollen Umgang mit den Chancen und Risiken der Digitalisierung im Gesundheitswesen.

Die Bundesversammlung fasste weiterhin Beschlüsse zu gesundheits- und sozialpolitischen Themen. Unter anderem wurden Anträge gestellt zum Bürokratieabbau, zum Thema Fremdinvestoren in der Zahnmedizin, zur Stärkung der Patientenautonomie durch Mindestangaben auf dem Praxisschild, zur Erhöhung des GOZ-Punktwerts mit jährlicher Dynamisierung, zur Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Selbstständigkeit, zur Förderung junger Kolleginnen und Kollegen in der Selbstverwaltung, zur Datenschutzrechtlichen Verantwortung in der Telematikinfrastruktur, zur Neuregelung der zahnärztlichen Ausbildung: Reform des ersten Studienabschnitts Zahnmedizin (gemeinsame ärztlich-zahnärztliche Vorklinik) im Masterplan Medizinstudium 2020 verankern, zur Bürokratieentlastung - Transparenz der Medizinprodukte-Herstellerangaben, zur Flächendeckenden zahnmedizinischen Versorgung von Menschen mit Behinderung und Pflegebedürftigen und vielen mehr.    

Alle an die Politik gerichteten Beschlüsse der Bundesversammlung werden unter: www.bzaek.de/deutscher-zahnaerztetag eingestellt.

Zukunftskongress: Praxisgründungs-Slam auf dem Deutschen Zahnärztetag  

Welche Fehler sollte ich bei der Praxisgründung vermeiden? Bedeutet Schwangerschaft immer eine sofortige Freistellung oder gibt es Ausnahmen? Speziell an die junge Kollegenschaft – Angestellte und Assistenten – wandte sich der Zukunftskongress am 09. November.
Die Referenten, darunter der Geschäftsführende Vorstand der BZÄK, schilderten den praktischen Umgang mit Praxisgründung, Arbeitsverträgen, Überstunden. Unterhaltsame Vorträge wie „Wie man in 10 Schritten eine gutgehende Praxis ruiniert“ zeigten, welche Fehler man besser vermeidet, damit es mit der Praxisgründung dauerhaft klappt. Veranstalter waren neben der BZÄK Dentista e.V. sowie der Bundesverband der zahnmedizinischen Alumni in Deutschland e.V. (BdZA).

Studententag 2019

Beim Studententag „Meine Zukunft - meine Praxis“ standen die Themen „Karrierewege“ und „Hypnose in der Zahnarztpraxis“ im Mittelpunkt. BZÄK-Vizepräsident Prof. Dr. Dietmar Oesterreich begrüßte zusammen mit Lotta Westphal, 1. Vorsitzende des Bundesverbands der Zahnmedizinstudierenden in Deutschland e.V. (bdzm) und DGZMK-Präsident Prof. Dr. Michael Walter die Studierenden. Durch seinen Vortrag „10 Dinge, die Sie vor der Assistenzzeit wissen sollten“ erfuhren die Studierenden, welche Aufgaben nach dem Examen zukommen, wo sie eine Stelle finden oder eine Weiterbildung beginnen können.

Präventionspreis 2019 verliehen

Bundeszahnärztekammer und CP GABA haben im Rahmen des Deutschen Zahnärztetages am 8. November in Frankfurt am Main den Präventionspreis „Patient und zahnärztliches Team – eine starke Allianz für die Mundgesundheit“ verliehen. Die Auszeichnung ist Teil der gemeinsamen „Initiative für eine mundgesunde Zukunft in Deutschland“. Die Initiatoren ehrten insgesamt drei Projekte, die Ideen zur gemeinsamen Zielsetzung von Patient*innen und zahnärztlichem Team zur Optimierung der häuslichen Mundhygiene beschreiben.
Mehr unter www.accente.de/downloadbereich/ifemzid-2019

Forum Zahn- und Mundgesundheit

Am 06. November fand eine Sitzung des Forums Forum Zahn- und Mundgesundheit in Berlin statt, Schirmherren waren Dietrich Monstadt, MdB, und Sabine Dittmer, MdB. Thema war „Niedrigschwellige Präventionsangebote am Arbeitsplatz zeigen Wirkung.“ Vorgestellt wurden die Ergebnisse der Pilotstudie zur betrieblichen zahnmedizinischen Prävention, die die Umsetzbarkeit und Wirksamkeit eines niedrigschwelligen Präventionsangebotes für Erwachsene am Arbeitsplatz untersuchte.

Mit Maßnahmen am Arbeitsplatz gäbe es durchaus Möglichkeiten, Präventionslücken zu schließen, so Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vorsitzender des Forums und Vizepräsident der BZÄK. Mehr Informationen: www.zm-online.de

Statistisches Jahrbuch 2018/2019 veröffentlicht

Im aktuellen Statistischen Jahrbuch der Bundeszahnärztekammer wurden Zahlen, Daten und Fakten zu ganz unter-schiedlichen Aspekten der zahnärztlichen Berufsausübung und zum Mundgesundheitszustand der Bevölkerung übersichtlich zusammengestellt. Insbesondere beinhaltet das Jahrbuch auch neue Ergebnisse des Zahnärztlichen Satellitenkontos (ZSK), das den ökonomischen Fußabdruck der Zahnarztpraxen beziffert. Die Publikation kann für 10 Euro zzgl. MwSt. und Versand über die BZÄK bezogen werden: www.bzaek.de/wir-ueber-uns/daten-und-zahlen

 

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